Die Frau als Vater

Die Part­ne­rin einer les­bi­schen Lebens­ge­mein­schaft kann „Vater“ im Sin­ne des Geset­zes für das Kind der Lebens­ge­fähr­tin sein und ist dann auch in das Geburts­re­gis­ter des Stan­des­am­tes als sol­cher ein­zu­tra­gen, aller­dings mit dem frü­he­ren männ­li­chen Vor­na­men, ent­schied das Ober­lan­des­ge­richt Köln.

Die Frau als Vater

In dem vom OLG Köln ent­schie­de­nen Rechst­streit sind Ire­ne und Bri­git­te, die in einer gleich­ge­schlecht­li­chen Part­ner­schaft leben, die leib­li­chen Eltern des Kin­des Jonas. Bri­git­te war im Jah­re 1969 als Jun­ge zur Welt gekom­men und hat­te den Vor­na­men "Bernd" erhal­ten. Im Jah­re 1997 hat­te sie ihr Geschlecht ope­ra­tiv umwan­deln las­sen. Dar­auf stell­te das Amts­ge­richt Köln 1998 fest, dass "Bernd" als dem weib­li­chen Geschlecht zuge­hö­rig anzu­se­hen ist und änder­te den Vor­na­men in "Bri­git­te". Vor der Geschlechts­um­wand­lung hat­te Bri­git­te in einer Samen­bank noch ein Sper­ma­de­pot anle­gen las­sen. Mit Hil­fe die­ses Sper­mas unter­zog sich ihre Part­ne­rin Ire­ne im April 2006 in einer bel­gi­schen Kli­nik einer künst­li­chen Befruch­tung und brach­te am 2. Janu­ar 2007 den Sohn Jonas zur Welt. Ire­ne und Bri­git­te schlos­sen dar­auf im Mai 2008 vor dem Stan­des­amt Köln eine Lebens­part­ner­schaft, und Bri­git­te erkann­te am 21. Janu­ar 2009 vor dem Jugend­amt die Vater­schaft für den Sohn Jonas an.

Das Stan­des­amt Köln hat­te Zwei­fel, ob das Vater­schafts­an­er­kennt­nis wirk­sam war, weil Bri­git­te bei Abga­be bereits weib­li­chen Geschlechts gewe­sen war. Das Pro­blem lag dar­in, dass nach dem Bür­ger­li­chen Gesetz­buch ein Vater­schafts­an­er­kennt­nis nur von einer männ­li­chen Per­son abge­ge­ben wer­den kann. Nach § 10 des Trans­se­xu­el­len­ge­set­zes rich­ten sich die geschlechts­be­zo­ge­nen Rech­te und Pflich­ten nach der Geschlechts­um­wand­lung aber nach dem neu­en Geschlecht. Das Stan­des­amt hat die Zwei­fels­fra­ge des­halb den Gerich­ten zur Ent­schei­dung vor­ge­legt.

Das Ober­lan­des­ge­richt Köln hielt das Vater­schafts­an­er­kennt­nis jetzt für wirk­sam und ent­schied, dass Bri­git­te des­halb nach § 1592 Nr. 2 BGB auch recht­lich als Vater des Kin­des Jonas anzu­se­hen ist. Das OLG ent­nimmt dies dem § 11 TSG, wonach das Ver­hält­nis zu den Kin­dern des Umge­wan­del­ten durch die neue Geschlechts­zu­ord­nung unbe­rührt blei­ben soll. Die­se Rege­lung erfas­se nicht nur Kin­der, die bei der gericht­li­chen Fest­stel­lung des neu­en Geschlechts bereits gebo­ren oder gezeugt sei­en, son­dern auch sol­che, die erst spä­ter zur Welt gekom­men sind. Nach dem Wil­len des Gesetz­ge­bers soll­ten alle leib­li­chen Kin­der vom Schutz des § 11 TSG erfasst sein. Für alle Kin­der gel­te glei­cher­ma­ßen, dass die Kennt­nis der Her­kunft wich­ti­ge Anknüp­fungs­punk­te für das Ver­ständ­nis des fami­liä­ren Zusam­men­hangs und für die Ent­wick­lung der eige­nen Per­sön­lich­keit geben kann und dass die Unmög­lich­keit, die eige­ne Abstam­mung zu klä­ren, den Ein­zel­nen erheb­lich belas­ten und ver­un­si­chern kann.

Aller­dings sei das 2. Eltern­teil nicht mit dem Vor­na­men Bri­git­te, son­dern mit dem frü­he­ren Vor­na­men "Bernd" in die Geburts­ur­kun­den auf­zu­neh­men. Denn die Ein­tra­gung in der Geburts­ur­kun­de sol­le bei Drit­ten kei­nen Anlass zu Spe­ku­la­tio­nen geben und der Gefahr einer Offen­le­gung der Trans­se­xua­li­tät eines Eltern­teils vor­beu­gen.

Ober­lan­des­ge­richt Köln, Beschluss vom 30. Novem­ber 2009 – 16 Wx 94/​09