Geschlos­se­ne Unter­brin­gung eines Betreu­ten

Die Geneh­mi­gung einer geschlos­se­nen Unter­brin­gung nach § 1906 Abs. 1 Nr. 1 BGB setzt eine ernst­li­che und kon­kre­te Gefahr für Leib oder Leben des Betreu­ten vor­aus 1.

Geschlos­se­ne Unter­brin­gung eines Betreu­ten

Der Grad der Gefahr ist in Rela­ti­on zum mög­li­chen Scha­den ohne Vor­nah­me der frei­heits­ent­zie­hen­den Maß­nah­me zu bemes­sen 2. Die Gefahr für Leib oder Leben setzt kein ziel­ge­rich­te­tes Ver­hal­ten des Betreu­ten vor­aus, so dass auch eine völ­li­ge Ver­wahr­lo­sung aus­rei­chen kann, wenn damit eine Gesund­heits­ge­fahr durch kör­per­li­che Ver­elen­dung und Unter­ver­sor­gung ver­bun­den ist 3. Das setzt aller­dings objek­ti­vier­ba­re und kon­kre­te Anhalts­punk­te für den Ein­tritt eines erheb­li­chen Gesund­heits­scha­dens vor­aus 4. Die Geneh­mi­gung einer Unter­brin­gung nach § 1906 Abs. 1 Nr. 1 BGB muss zudem erfor­der­lich sein 5. Wenn die Gefahr durch ande­re Mit­tel als die frei­heits­ent­zie­hen­de Unter­brin­gung abge­wen­det wer­den kann, kommt eine Unter­brin­gung als unver­hält­nis­mä­ßig nicht in Betracht 6.

Das Gericht darf die Unter­brin­gung eines Betrof­fe­nen in einer geschlos­se­nen Ein­rich­tung schon dann nicht mehr geneh­mi­gen, wenn die Frei­heits­ent­zie­hung als sol­che nicht not­wen­dig ist und die Geneh­mi­gung letzt­lich nur eine Rechts­grund­la­ge abge­ben soll, den Betrof­fe­nen in einer offe­nen Abtei­lung der Ein­rich­tung einer erfor­der­li­chen Behand­lung zu unter­zie­hen 7. Erst recht darf die Unter­brin­gung nicht ange­ord­net und auf­recht­erhal­ten wer­den, wenn der Wech­sel in eine häus­li­che Wohn­si­tua­ti­on ver­tret­bar ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 18. Mai 2011 – XII ZB 47/​11

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 13.01.2010 – XII ZB 248/​09, Fam­RZ 2010, 365[]
  2. Bienwald/​Sonnenfeld/​Hoffmann Betreu­ungs­recht, 4. Aufl. § 1906 Rn. 91[]
  3. BGH, Beschluss vom 13.01.2010 – XII ZB 248/​09, Fam­RZ 2010, 365, Rn. 14, mwN[]
  4. Bamberger/​Roth/​Müller, BGB, 2. Aufl. § 1906 Rn. 9[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 23.01.2008 – XII ZB 185/​07, Fam­RZ 2008, 866 Rn. 23[]
  6. BGH, Beschluss vom 13.01.2010 – XII ZB 248/​09, Fam­RZ 2010, 365 Rn. 14 mwN[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 23.01.2008 – XII ZB 185/​07, Fam­RZ 2008, 866[]