Phan­ta­sie­na­men nach aus­tra­li­schem Recht

Eine aus­län­di­sche Rechts­ord­nung, die die Namens­be­stim­mung für ein min­der­jäh­ri­ges Kind in die freie Wahl der sor­ge­be­rech­tig­ten Eltern stellt und auch die Ertei­lung eines soge­nann­ten Phan­ta­sie­na­mens zulässt (hier: aus­tra­li­sches Recht), kann nicht nach Art. 10 Abs. 3 EGBGB als das auf den Fami­li­en­na­men anwend­ba­re Recht gewählt wer­den.

Phan­ta­sie­na­men nach aus­tra­li­schem Recht

Nach Art. 10 Abs. 1 EGBGB unter­liegt der Name einer Per­son dem Recht des Staa­tes, dem die Per­son ange­hört. Gemäß Art. 10 Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 EGBGB kann der Inha­ber der Sor­ge gegen­über dem Stan­des­amt unter ande­rem bestim­men, dass ein Kind den Fami­li­en­na­men erhal­ten soll nach dem Recht eines Staa­tes, dem ein Eltern­teil ange­hört, unge­ach­tet des Arti­kels 5 Abs. 1 EGBGB.

Aus dem Bezug der Rechts­wahl auf den auto­nom aus­zu­le­gen­den Begriff des Fami­li­en­na­mens folgt, dass nur Rechts­ord­nun­gen gewählt wer­den kön­nen, die eine den fami­liä­ren Bezug erkenn­bar machen­de Namens­er­tei­lung vor­se­hen. Kennt das gewähl­te Recht dage­gen nur Eigen­na­men, so ist die­ses von einer Rechts­wahl aus­ge­schlos­sen 1. Der mit­hin stets erfor­der­li­che fami­liä­re Bezug des zu ertei­len­den Namens ist bei einem Zwi­schen­na­men, der eine Ver­bin­dung zum Namen eines Eltern­teils erken­nen lässt, noch gewähr­leis­tet 2. Kann der Name des Kin­des dage­gen nach dem gewähl­ten Recht frei bestimmt wer­den und ist dabei die Ertei­lung eines soge­nann­ten Phan­ta­sie­na­mens erlaubt, so han­delt es sich folg­lich nicht mehr um einen Fami­li­en­na­men im Sin­ne von Art. 10 Abs. 3 EGBGB. Die Wahl der betref­fen­den Rechts­ord­nung ist in sol­chen Fäl­len nicht eröff­net.

Nach die­sen Grund­sät­zen konn­te auf­grund der vom Beschwer­de­ge­richt getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen das aus­tra­li­sche Recht nicht als das auf den Fami­li­en­na­men des Kin­des anwend­ba­re Recht gewählt wer­den. Da das aus­tra­li­sche Recht den dem Kind zu ertei­len­den Namen in die freie Wahl der Eltern stellt, han­delt es sich nicht um eine bezo­gen auf den Fami­li­en­na­men gemäß Art. 10 Abs. 3 EGBGB wähl­ba­re Rechts­ord­nung. Dass die Namen von Kind und Vater nach der spä­ter von die­sem voll­zo­ge­nen Namens­än­de­rung über­ein­stim­men, ändert dar­an nichts. Denn abge­se­hen davon, dass die Namens­än­de­rung des Vaters erst nach Abga­be der Rechts­wahler­klä­rung erfolg­te, kommt es für die Zuläs­sig­keit der Rechts­wahl nur dar­auf an, ob die gewähl­te Rechts­ord­nung einen Fami­li­en­na­men im Wort­sinn vor­schreibt, was hier nicht der Fall ist.

Dabei ver­kennt der Bun­des­ge­richts­hof nicht, dass sich auf­grund der man­gels Eröff­nung einer Rechts­wahl anwend­ba­ren Regelan­knüp­fung in Art. 10 Abs. 1 iVm Art. 5 Abs. 1 Satz 2 EGBGB eine hin­ken­de Namens­füh­rung erge­ben kann 3.

Eine abwei­chen­de Namens­füh­rung in den bei­den Staa­ten zwingt jeden­falls dann nicht zur Aner­ken­nung der aus­län­di­schen Rechts- bzw. Namens­la­ge, wenn die erstreb­te Namens­füh­rung auch auf­grund des deut­schen Rechts erreich­bar ist. Die­se Mög­lich­keit ist im vor­lie­gen­den Fall gege­ben. Denn auf­grund der zwi­schen­zeit­li­chen Ände­rung des väter­li­chen Nach­na­mens auch wenn die­ser kein Fami­li­en­na­me nach deut­schem Rechts­ver­ständ­nis ist kön­nen die Eltern die­sen gemäß Art. 10 Abs. 1 EGBGB, § 1617 b Abs. 1 BGB noch nach­träg­lich zum Geburts­na­men des Kin­des bestim­men und so eine nach deut­schem und aus­tra­li­schen Recht über­ein­stim­men­de Namens­ge­bung errei­chen 4. Die Mög­lich­keit der Ände­rung des zunächst kraft Geset­zes erwor­be­nen Namens ist ins­be­son­de­re dann eröff­net, wenn dem Kind der Name des bis­her nicht sor­ge­be­rech­tig­ten Eltern­teils erteilt wer­den soll und bezieht sich auf den von die­sem zum Zeit­punkt der Namens­be­stim­mung geführ­ten Namen 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Mai 2018 – XII ZB 47/​17

  1. Staudinger/​Hepting/​Hausmann BGB [2013] Art. 10 EGBGB Rn. 389; NK-BGB/­Man­kow­ski Art. 10 EGBGB Rn. 158; Hep­ting StAZ 2001, 257, 259; Krö­mer StAZ 2006, 152, 153; aA NK-BGB/­Man­kow­ski Art. 10 EGBGB Rn. 140; offen­bar auch Erman/​Hohloch BGB 15. Aufl. Art. 10 EGBGB Rn. 32[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 26.04.2017 XII ZB 177/​16 Fam­RZ 2017, 1179 Rn. 13 ff. zu Art. 48 EGBGB[]
  3. vgl. für den euro­päi­schen Rechts­raum EuGH Fam­RZ 2008, 2089 Rn. 23 ff. "Grun­kin-Paul"; StAZ 2004, 40 Rn. 34 ff. "Gar­cia Avel­lo"; Fam­RZ 2016, 1239 Rn. 44 ff. "Bogen­dorff von Wolf­fers­dorff" und Fam­RZ 2011, 1486 Rn. 55 ff. "Sayn-Witt­gen­stein"[]
  4. vgl. auch BGH, Beschluss vom 16.12 2015 XII ZB 405/​13 Fam­RZ 2016, 449 Rn. 6 ff.[]
  5. vgl. Stau­din­ger/Hil­big-Luga­ni BGB [2015] § 1617 b Rn. 13; Münch­Komm-BGB/v. Sach­sen Gessa­phe 7. Aufl. § 1617 b Rn. 10[]