Schutz von Ehe und Fami­lie – und der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz

Art. 6 Abs. 1 GG, der Ehe und Fami­lie unter den beson­de­ren Schutz der staat­li­chen Ord­nung stellt, ent­hält einen beson­de­ren Gleich­heits­satz. Für einen Rück­griff auf Art. 3 Abs. 1 GG ver­bleibt dane­ben kein Raum mehr, wenn nicht eine stär­ke­re sach­li­che Bezie­hung zum all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG besteht 1.

Schutz von Ehe und Fami­lie – und der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz

Abs. 1 GG ver­bie­tet, Ehe und Fami­lie gegen­über ande­ren Lebens- und Erzie­hungs­ge­mein­schaf­ten schlech­ter zu stel­len 2. Ins­be­son-dere unter­sagt Art. 6 Abs. 1 GG eine Benach­tei­li­gung von Ehe­gat­ten gegen­über Ledi­gen 3. Die­ses Benach­tei­li­gungs­ver­bot steht jeder belas­ten­den Dif­fe­ren­zie­rung ent­ge­gen, die an die Exis­tenz einer Ehe anknüpft 4. Die ehe­li­che Lebens- und Wirt­schafts­ge­mein­schaft kann zwar zum Anknüp­fungs­punkt wirt­schaft­li­cher Rechts­fol­gen genom­men wer­den 5. Jedoch müs­sen sich für eine Dif­fe­ren­zie­rung zu Las­ten Ver­hei­ra­te­ter aus der Natur des gere­gel­ten Lebens­ver­hält­nis­ses ein­leuch­ten­de Sach­grün­de erge­ben. Die Berück­sich­ti­gung der durch die ehe­li­che Lebens- und Wirt­schafts­ge­mein­schaft gekenn­zeich­ne­ten beson­de­ren Lage der Ehe­gat­ten darf gera­de bei der kon­kre­ten Maß­nah­me die Ehe nicht dis­kri­mi­nie­ren 6. Es ist dem Gesetz­ge­ber dabei nicht ver­wehrt, gene­ra­li­sie­rend-typi­sie­ren­de Rege­lun­gen zu tref­fen, sofern er den nach Art. 6 Abs. 1 GG geschul­de­ten beson­de­ren Schutz beach­tet 7.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 26. Novem­ber 2018 – 1 BvR 1511/​14

  1. vgl. BVerfGE 9, 237, 248 f.; 14, 34, 42; 17, 210, 224; 67, 186, 195 f.; 75, 348, 357; 75, 382, 393[]
  2. Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot, vgl. BVerfGE 28, 104, 112; 76, 1, 72; 99, 216, 232; 114, 316, 333[]
  3. vgl. BVerfGE 17, 210, 217; 28, 324, 347; 69, 188, 205 f.; 99, 216, 232; 114, 316, 333[]
  4. BVerfGE 99, 216, 232[]
  5. vgl. BVerfGE 6, 55, 76 f.; 24, 104, 109; 28, 324, 347; 114, 316, 333[]
  6. vgl. BVerfGE 17, 210, 217, 219 f.; 24, 104, 109; 28, 324, 347; 114, 316, 333; stRspr[]
  7. vgl. BVerfGE 78, 214, 226 f.; 82, 126, 151 f.; 87, 234, 255 f.; 99, 280, 290[]