Tei­lungs­kos­ten im Ver­sor­gungs­aus­gleich

§ 13 VersAus­glG erlaubt dem Ver­sor­gungs­trä­ger, grund­sätz­lich die gesam­ten Tei­lungs­kos­ten auf die betrof­fe­nen Ehe­gat­ten umzu­le­gen. Wer­den die Tei­lungs­kos­ten pau­scha­liert berech­net, gebührt dem Ver­sor­gungs­trä­ger die Wahl der anzu­wen­den­den Pau­scha­lie­rungs­me­tho­de. Die gericht­li­che Ange­mes­sen­heits­prü­fung stellt nur ein Kor­rek­tiv dar, das zu einer Begren­zung der Kos­ten führt, wenn der Kos­ten­ab­zug die Ehe­gat­ten über Gebühr belas­tet.

Tei­lungs­kos­ten im Ver­sor­gungs­aus­gleich

Geson­der­te Tei­lung der ein­zel­nen "Bau­stei­ne" der Betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung

Nicht zu bean­stan­den ist zunächst, dass die ein­zel­nen Bau­stei­ne in der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung nach §§ 10 ff. VersAus­glG jeweils geson­dert intern geteilt wer­den. Neben wei­te­ren Unter­schie­den bei den wert­bil­den­den Fak­to­ren der Bau­stei­ne ergibt sich aus dem Umstand, dass die­se auf völ­lig unter­schied­li­chen Finan­zie­rungs­ver­fah­ren beru­hen, dass jeder Bau­stein wie ein ein­zel­nes Anrecht im Ver­sor­gungs­aus­gleich geson­dert zu behan­deln und aus­zu­glei­chen ist 1.

Tei­lungs­kos­ten

Gemäß § 13 VersAus­glG kann der Ver­sor­gungs­trä­ger die bei der inter­nen Tei­lung nach §§ 10 ff. VersAus­glG ent­ste­hen­den Kos­ten jeweils hälf­tig mit den Anrech­ten bei­der Ehe­gat­ten ver­rech­nen, soweit sie ange­mes­sen sind. Die Ehe­leu­te haben also die durch die inter­ne Tei­lung ent­ste­hen­den ange­mes­se­nen Kos­ten hälf­tig zu tra­gen, wenn der Ver­sor­gungs­trä­ger die­se Kos­ten gel­tend macht.

Der Ver­sor­gungs­trä­ger kann mit den Tei­lungs­kos­ten nach § 13 VersAus­glG den Auf­wand ersetzt ver­lan­gen, der ihm durch die Auf­nah­me des zusätz­li­chen Ver­sor­gungs­be­rech­tig­ten in sein Ver­sor­gungs­sys­tem ent­steht, wobei sowohl die Kos­ten für die Ein­rich­tung eines neu­en Kon­tos als auch die im Rah­men der Kon­ten­ver­wal­tung erwach­sen­den Mehr­kos­ten erfasst wer­den 2. Mit § 13 VersAus­glG soll sicher­ge­stellt wer­den, "dass der orga­ni­sa­to­ri­sche Mehr­auf­wand der Ver­sor­gungs­trä­ger ver­gü­tet wird" und die inter­ne Tei­lung für den Ver­sor­gungs­trä­ger kos­ten­neu­tral erfolgt 3.

Begren­zung der Tei­lungs­kos­ten

Die Ange­mes­sen­heit der gel­tend gemach­ten Tei­lungs­kos­ten hat das Gericht von Amts wegen (§ 26 FamFG) zu prü­fen. Dabei ist es gemäß § 220 Abs. 4 FamFG berech­tigt und im Hin­blick auf den Amts­er­mitt­lungs­grund­satz auch ver­pflich­tet, sich die vom Ver­sor­gungs­trä­ger mit­ge­teil­ten Wer­te näher erläu­tern zu las­sen. Hält es die­se unter Berück­sich­ti­gung aller wesent­li­chen Umstän­de für unan­ge­mes­sen, kann es einen gerin­ge­ren als den vom Ver­sor­gungs­trä­ger bean­spruch­ten Betrag ver­rech­nen. Offen lässt der Gesetz­ge­ber aller­dings, wonach sich die Ange­mes­sen­heit im Ein­zel­nen bestimmt 4.

Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, bestehen gegen eine Pau­scha­lie­rung der Tei­lungs­kos­ten kei­ne grund­sätz­li­chen Beden­ken 5. Erfolgt die Pau­scha­lie­rung wie im vor­lie­gen­den Fall in Form eines Pro­zent­sat­zes des intern zu tei­len­den ehe­zeit­li­chen Kapi­tal­werts (hier: 2 % des Kapi­tal­werts), ist aller­dings eine Begren­zung auf einen Höchst­be­trag erfor­der­lich 6.

Im Ansatz unzu­tref­fend geht das Ober­lan­des­ge­richt hin­ge­gen davon aus, es gehe bei der Bemes­sung der ange­mes­se­nen Tei­lungs­kos­ten dar­um, einen sowohl im Inter­es­se des Unter­neh­mens als auch im Inter­es­se der geschie­de­nen Ehe­gat­ten als ange­mes­sen anzu­se­hen­den Teil der tat­säch­lich anfal­len­den Mehr­kos­ten auf die Ehe­leu­te zu ver­la­gern. Grund­sätz­lich erlaubt § 13 VersAus­glG dem Ver­sor­gungs­trä­ger, die durch inter­ne Tei­lung ent­ste­hen­den Kos­ten in vol­lem Umfang auf die betrof­fe­nen Ehe­gat­ten umzu­le­gen, um die jewei­li­ge Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft von die­sen Kos­ten zu ent­las­ten 7. Die in der Vor­schrift wei­ter ent­hal­te­ne Ange­mes­sen­heits­prü­fung stellt nur ein Kor­rek­tiv dar, das dann zu einer Begren­zung der Kos­ten führt, wenn der Kos­ten­ab­zug die Ehe­gat­ten über Gebühr belas­tet 8. Das bedeu­tet jedoch nicht, dass stets nur ein Teil der tat­säch­lich anfal­len­den Kos­ten zu erset­zen wäre.

Die Erwä­gun­gen, mit denen das Ober­lan­des­ge­richt sei­ne eige­ne Pau­scha­lie­rungs­me­tho­de an die Stel­le der vom Ver­sor­gungs­trä­ger ange­wen­de­ten Pau­scha­lie­rung setzt, tra­gen auch des­halb nicht, weil der Gesetz­ge­ber die Wahl der anzu­wen­den­den Pau­scha­lie­rungs­me­tho­de nicht dem Gericht, son­dern dem Ver­sor­gungs­trä­ger zuge­dacht hat. Nach der Begrün­dung des Regie­rungs­ent­wurfs soll die Bestim­mung von Wert­gren­zen zunächst den Ver­sor­gungs­trä­gern und sodann der Kon­trol­le durch das Fami­li­en­ge­richt über­las­sen blei­ben. Die Ver­sor­gungs­trä­ger sei­en näm­lich – gera­de im Bereich der betrieb­li­chen Alters­ver­sor­gung – höchst unter­schied­lich auf­ge­stellt; sie unter­schie­den sich in der Grö­ße der Ver­si­cher­ten­ge­mein­schaft, in der Finan­zie­rungs­form und in der Kom­ple­xi­tät ihrer Zusa­gen erheb­lich 9. Dem ent­spricht es, die jeweils anzu­wen­den­de Pau­scha­lie­rung von der Art der ein­zel­nen Ver­sor­gung abhän­gig zu machen und den vom Ver­sor­gungs­trä­ger in Bezug auf die indi­vi­du­el­le Ver­sor­gungs­zu­sa­ge gel­tend gemach­ten Pau­schal­be­trag gericht­lich allein dar­auf hin zu über­prü­fen, ob er die Ehe­gat­ten über Gebühr belas­tet und des­halb zu begren­zen ist 10.

An einer sol­chen Ange­mes­sen­heits­prü­fung fehlt es im vor­lie­gen­den Fall. Das Ober­lan­des­ge­richt hät­te sich mit der von der Volks­wa­gen AG vor­ge­brach­ten Kos­ten­kal­ku­la­ti­on betref­fend die Vor­gän­ge, die bei der Ver­wal­tung eines Ver­sor­gungs­an­rechts aus der Grund­ver­sor­gung in der Anwart­schafts- und Leis­tungs­pha­se ent­ste­hen, im Ein­zel­nen aus­ein­an­der­set­zen und etwa ver­blei­ben­de Zwei­fel durch Auf­for­de­rung an den Ver­sor­gungs­trä­ger, die Ein­zel­hei­ten der Wert­ermitt­lung näher zu erläu­tern (§ 220 Abs. 4 Satz 2 VersAus­glG), oder durch Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens klä­ren müs­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. Juni 2012 – XII ZB 275/​11

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, vgl. BGH, Beschlüs­se vom 01.02.2012 – XII ZB 172/​11, Fam­RZ 2012, 610 Rn. 13 f. und vom 30.11.2011 – XII ZB 79/​11, Fam­RZ 2012, 189 Rn. 13[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 04.04.2012 – XII ZB 310/​11, Fam­RZ 2012, 942 – Rn. 14 und vom 01.02.2012 – XII ZB 172/​11, Fam­RZ 2012, 610 Rn. 37 ff., jeweils m.w.N[]
  3. BT-Drucks. 16/​10144 S. 43, 57[]
  4. BT-Drucks. 16/​11903 S. 53[]
  5. BGH, Beschlüs­se vom 04.04.2012 – XII ZB 310/​11, Fam­RZ 2012, 942 – Rn. 17 und vom 01.02.2012 – XII ZB 172/​11, Fam­RZ 2012, 610 Rn. 47 ff.[]
  6. BGH, Beschlüs­se vom 04.04.2012 – XII ZB 310/​11 – juris – Rn.19 und vom 01.02.2012 – XII ZB 172/​11, Fam­RZ 2012, 610 Rn. 50; vgl. auch BT-Drucks. 16/​10144 S. 125 und 16/​11903 S. 53[]
  7. BT-Drucks. 16/​10144 S. 43, 57, 125[]
  8. BT-Drucks. 16/​10144 S. 125[]
  9. BT-Drucks. 16/​10144 S. 125 f.[]
  10. vgl. bereits BGH, Beschlüs­se vom 04.04.2012 – XII ZB 310/​11, Fam­RZ 2012, 942 Rn. 22 und vom 01.02.2012 – XII ZB 172/​11, Fam­RZ 2012, 610 Rn. 53[]