Vater­schafts­fest­stel­lung für tief­ge­fro­re­ne Embryo­nen

Ein deut­scher Samen­spen­der kann nicht als Vater der mit sei­nem Sper­ma gezeug­ten, in einer kali­for­ni­schen Fort­pflan­zungs­kli­nik in flüs­si­gem Stick­stoff ein­ge­fro­re­nen Embryo­nen fest­ge­stellt wer­den.

Vater­schafts­fest­stel­lung für tief­ge­fro­re­ne Embryo­nen

Der Aus­gangs­sach­ver­halt[↑]

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall leb­te der Antrag­stel­ler in einer ein­ge­tra­ge­nen Lebens­part­ner­schaft. Im gemein­sa­men Haus­halt leben – neben einer im Jah­re 2010 von einer Leih­mut­ter in Indi­en gebo­re­nen Toch­ter – zwei im Okto­ber 2012 von einer Leih­mut­ter in Kali­for­ni­en gebo­re­ne Töch­ter. Nach Dar­stel­lung des Antrag­stel­lers wur­den die­se mit­tels sei­ner Sper­ma­zel­len sowie Eizel­len einer Spen­de­rin in Kali­for­ni­en künst­lich gezeugt, wobei par­al­lel dazu neun wei­te­re Embryo­nen ent­stan­den. Er will die Embryo­nen nach sei­nen Anga­ben "zur Geburt füh­ren" und betreibt neben dem vor­lie­gen­den, auf Fest­stel­lung der Vater­schaft für die Embryo­nen gerich­te­ten Ver­fah­ren unter ande­rem ein die elter­li­che Sor­ge für die Embryo­nen betref­fen­des Ver­fah­ren, das gegen­wär­tig in der Beschwer­de­instanz vor dem Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf anhän­gig ist.

Vor dem erst­in­stanz­lich hier­mit befass­ten Amts­ge­richt Neuss 1 und dem Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf 2 ist der Antrag­stel­ler mit sei­nem auf Fest­stel­lung der Vater­schaft gerich­te­ten Begeh­ren nicht durch­ge­drun­gen. Der Bun­des­ge­richts­hof bestä­tig­te nun die­se Ent­schei­dun­gen und wies auch die Rechts­be­schwer­de des Antrag­stel­lers zurück:

Zustän­dig­keit deut­scher Gerich­te[↑]

Zunächst bejah­te der Bun­des­ge­richts­hof die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit deut­scher Gerich­te:

Die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit der deut­schen Gerich­te ist nach § 100 Nr. 1 FamFG gege­ben, weil der Antrag­stel­ler, der die Fest­stel­lung sei­ner Vater­schaft begehrt, Deut­scher ist.

Anwend­bar­keit deut­schen Abstam­mungs­rechts[↑]

Sodann bejah­te der Bun­des­ge­richts­hof auch die Anwend­bar­keit des deut­schen Abstam­mungs­rechts:

Wel­ches natio­na­le Recht anzu­wen­den ist, bestimmt sich in Fäl­len wie dem vor­lie­gen­den ent­spre­chend Art. 19 Abs. 1 Satz 2 EGBGB nach der Staats­an­ge­hö­rig­keit des die Fest­stel­lung der Vater­schaft begeh­ren­den Man­nes. Danach ist hier nicht kali­for­ni­sches, son­dern deut­sches Abstam­mungs­recht maß­geb­lich.

Kei­ne Vater­schafts­fest­stel­lung vor der Geburt[↑]

Das deut­sche Recht sieht eine Vater­schafts­fest­stel­lung vor der Geburt des Kin­des jedoch nicht vor.

Nach § 1592 BGB ist der Mann Vater eines Kin­des, der zum Zeit­punkt der Geburt mit der Mut­ter des Kin­des ver­hei­ra­tet ist, der die Vater­schaft aner­kannt hat oder des­sen Vater­schaft gericht­lich fest­ge­stellt ist. Bei einer Vater­schaft, die auf einer ehe­li­chen Geburt beruht (§ 1592 Nr. 1 BGB), ist im Zeit­punkt der Geburt eine zusätz­li­che Vater­schaft weder auf­grund Aner­ken­nung noch auf­grund gericht­li­cher Fest­stel­lung mög­lich.

Viel­mehr setzt eine Vater­schaft nach § 1592 Nr. 2 oder 3 BGB in sol­chen Fäl­len zunächst die erfolg­rei­che Anfech­tung der Vater­schaft auf­grund ehe­li­cher Geburt vor­aus (§ 1600 d Abs. 1 BGB). Ob das Kind ehe­lich gebo­ren wird, kann aber erst im Zeit­punkt der Geburt beant­wor­tet wer­den.

Etwas ande­res folgt auch nicht dar­aus, dass nach § 1594 Abs. 4 BGB die Aner­ken­nung der Vater­schaft schon vor der Geburt des Kin­des zuläs­sig ist. Denn auch eine vor­ge­burt­li­che Aner­ken­nung kann aus den genann­ten Grün­den frü­hes­tens mit der Geburt Wirk­sam­keit ent­fal­ten.

Grund­rechts­schutz für den extra­kor­po­ra­len Embryo und sei­nen Vater?[↑]

Eben­falls ver­warf der Bun­des­ge­richts­hof das Argu­ment, der Anspruch auf Vater­schafts­fest­stel­lung oder jeden­falls auf die Zuer­ken­nung eines die­sem gleich­wer­ti­gen Zuord­nungs­sta­tus fol­ge unmit­tel­bar aus der Ver­fas­sung.

Dabei konn­te es der Bun­des­ge­richts­hof offen las­sen, ab wel­chem Zeit­punkt und in wel­chem Umfang ein extra­kor­po­ra­ler Embryo grund­recht­li­chen Schutz genießt.

Er konn­te es auch dahin­ste­hen las­sen, inwie­weit der Antrag­stel­ler, der sich bewusst unter das Rechts­re­gime eines ande­ren Staa­tes bege­ben hat, um die Ver­bots­tat­be­stän­de des Embryo­nen­schutz­ge­set­zes in Deutsch­land zu umge­hen, sich dar­auf beru­fen könn­te, nach deut­schem Recht einen Sta­tus zu erlan­gen, der ver­meint­lich dem Schutz der im Aus­land befind­li­chen Embryo­nen die­nen soll.

Denn zum einen ist nicht ersicht­lich, inwie­fern die Embryo­nen eines Schut­zes durch den Antrag­stel­ler bedür­fen, den die­ser nicht bereits jetzt – wenn auch auf ver­trag­li­cher Grund­la­ge im Ver­hält­nis zu der kali­for­ni­schen Repro­duk­ti­ons­kli­nik – sicher­stel­len kann.

Zum ande­ren bedürf­te es zur Gewähr­leis­tung des Schut­zes für die Embryo­nen ohne­hin nicht der Fest­stel­lung eines Eltern-Kind-Ver­hält­nis­ses oder eines ver­gleich­ba­ren Sta­tus. Viel­mehr wirft der Antrag­stel­ler inso­weit Fra­gen der Für­sor­ge auf, die nach deut­schem Recht nicht dem Abstam­mungs­recht zuge­ord­net sind.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. August 2016 – XII ZB 351/​15

  1. AG Neuss, Beschluss vom 26.02.2014 – 45 F 386/​13[]
  2. OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 31.07.2015 – II-1 UF 83/​14[]