Wech­sel­mo­dell – kein Regel­fall für das Umgangs­recht?

Nach einer Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sugns­ge­richts besteht kei­ne gesetz­ge­be­ri­sche Pflicht zur Ein­räu­mung eines pari­tä­ti­schen Umgangs­rechts ("Wech­sel­mo­dell") getrennt leben­der Eltern als Regel­fall.

Wech­sel­mo­dell – kein Regel­fall für das Umgangs­recht?

Ins­be­son­de­re folgt aus Art. 6 Abs. 2 GG nicht, dass der Gesetz­ge­ber den Gerich­ten für die Zuord­nung von Rech­ten und Pflich­ten getrennt leben­der Eltern eine pari­tä­ti­sche Betreu­ung als Regel vor­ge­ben und eine abwei­chen­de gericht­li­che Rege­lung als Aus­nah­me aus­ge­stal­ten müss­te 1. Dass der Bun­des­ge­richts­hof zwi­schen­zeit­lich fest­ge­stellt hat, dass ein pari­tä­ti­sches Wech­sel­mo­dell in Gestalt einer Umgangs­re­ge­lung je nach den Umstän­den des Ein­zel­falls – vor allem nach Maß­ga­be des Kin­des­wohls – auch gegen den Wil­len eines Eltern­teils ange­ord­net wer­den kann 2, steht hier­zu nicht im Wider­spruch 3. Dass der Gesetz­ge­ber eine pari­tä­ti­sche Betreu­ung als Regel vor­se­hen müss­te, folgt auch nicht aus einer völ­ker­rechts­kon­for­men Aus­le­gung des Grund­ge­set­zes im Lich­te der UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on 4.

Die fami­li­en­ge­richt­li­che Ent­schei­dung, das Auf­ent­halts­be­stim­mungs­recht auf einen Eltern­teil allei­ne zu über­tra­gen beruht nicht auf einer grund­sätz­li­chen Ver­ken­nung des Eltern­rechts des ande­ren Eltern­teils, wenn Aus­le­gung und Anwen­dung des § 1671 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 BGB durch das Gericht den berühr­ten Grund­rech­ten der Eltern und des gemein­sa­men Kin­des Rech­nung tra­gen. Dies ist etwa der Fall, wenn das Fami­li­en­ge­richt die Anord­nung eines pari­tä­ti­schen Wech­sel­mo­dells ablehnt, weil das Ver­hält­nis zwi­schen den Eltern hoch strit­tig ist und nicht die für die Begrün­dung eines sol­chen Wech­sel­mo­dells erfor­der­li­chen Koope­ra­ti­ons- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­kei­ten erken­nen las­se. Dies ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den 5.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 22. Janu­ar 2018 – 1 BvR 2616/​17

  1. so bereits BVerfG, Beschluss vom 24.06.2015 – 1 BvR 486/​14, Rn. 12, www.bverfg.de[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 01.02.2017 – XII ZB 601/​15, Rn. 24 ff.[]
  3. vgl. bereits BVerfG, a.a.O., Rn. 21[]
  4. vgl. BVerfG, a.a.O., Rn. 18[]
  5. vgl. BVerfG, a.a.O., Rn. 22[]