Die Auf­he­bung eines Kin­der­geld-Auf­he­bungs­be­scheids – und die Festsetzungsverjährung

Erlässt die Kin­der­geld­kas­se einen Bescheid, durch den ein Kin­der­geld-Auf­he­bungs­be­scheid auf­ge­ho­ben wird, so dass der ursprüng­li­che Fest­set­zungs­be­scheid wie­der­auf­lebt, und erlässt sie danach unter dem­sel­ben Datum einen wei­te­ren Bescheid, durch den der ursprüng­li­che Fest­set­zungs­be­scheid zum Teil auf­ge­ho­ben wird, so kann nach der Auf­he­bung des ers­ten Auf­he­bungs­be­scheids Fest­set­zungs­ver­jäh­rung ein­ge­tre­ten sein.

Die Auf­he­bung eines Kin­der­geld-Auf­he­bungs­be­scheids – und die Festsetzungsverjährung

Auf die Fest­set­zung von Kin­der­geld als Steu­er­ver­gü­tung (§ 31 Satz 3 EStG) sind gemäß § 155 Abs. 5 AO die Vor­schrif­ten über die Steu­er­fest­set­zung ‑somit auch die Bestim­mun­gen über die Fest­set­zungs­ver­jäh­rung (§§ 169 bis 171 AO)- sinn­ge­mäß anzu­wen­den1. Die Fest­set­zungs­frist beträgt nach § 169 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 AO im Regel­fall vier Jah­re und beginnt bei ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 170 Abs. 1 AO mit Ablauf des Jah­res, in dem der Kin­der­geld­an­spruch ent­stan­den ist.

Im vor­lie­gen­den Streit­fall hob die Fami­li­en­kas­se den Auf­he­bungs­be­scheid vom 20.10.2015 durch einen Bescheid vom 05.01.2017 auf. Durch die Auf­he­bung des mit Ein­spruch ange­foch­te­nen Auf­he­bungs­be­scheids vom 20.10.2015 ent­fiel die Ablauf­hem­mung nach § 171 Abs. 3a AO. Bei Erlass des wei­te­ren Bescheids vom 05.01.2017 konn­te die Kin­der­geld­fest­set­zung bis Dezem­ber 2012 wegen Fest­set­zungs­ver­jäh­rung nicht mehr geän­dert wer­den, sofern die Ver­jäh­rungs­frist nicht wegen eines Steu­er­de­likts ver­län­gert sein soll­te (§ 169 Abs. 2 Satz 2 AO) und der Ablauf der Fest­set­zungs­frist nach § 171 Abs. 7 AO des­halb bis zum Ein­tritt der Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung gehemmt gewe­sen sein soll­te2.

An die­sem Ergeb­nis ändert nichts der Umstand, dass sowohl der Auf­he­bungs­be­scheid, durch den der frü­he­re Auf­he­bungs­be­scheid vom 20.10.2015 besei­tigt wur­de, als auch der (Teil-)Aufhebungsbescheid, durch den die ursprüng­li­che Kin­der­geld­fest­set­zung zum Teil auf­ge­ho­ben wur­de, das glei­che Datum tra­gen (05.01.2017). Denn jeden­falls in der logi­schen Sekun­de zwi­schen Auf­he­bung des ange­foch­te­nen Auf­he­bungs­be­scheids und (Teil-)Aufhebung der ursprüng­li­chen Kin­der­geld­fest­set­zung trat Fest­set­zungs­ver­jäh­rung ein, sofern kein Steu­er­de­likt vor­ge­le­gen haben soll­te. Das Ergeb­nis steht nicht in Wider­spruch zum BFH, Urteil vom 05.10.2004 – VII R 18/​033. In die­sem Fall waren die Auf­he­bung des ange­foch­te­nen Bescheids und der Erlass des neu­en Bescheids im sel­ben Schrei­ben zusam­men­ge­fasst, sodass Zeit­gleich­heit ange­nom­men wer­den konn­te. Nicht nur hier­durch unter­schei­det sich der Streit­fall von dem durch das Urteil in BFHE 208, 292, BStBl II 2005, 323 ent­schie­de­nen Sach­ver­halt, son­dern auch dadurch, dass bei der Auf­he­bung des ange­foch­te­nen Bescheids auf den neu zu erlas­sen­den Bescheid hin­ge­wie­sen wur­de. Die Beschei­de wur­den somit nicht zeit­gleich, son­dern nach­ein­an­der erlassen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 9. Dezem­ber 2020 – III R 31/​18

  1. z.B. BFH, Urteil vom 09.09.2015 – XI R 9/​14, BFH/​NV 2016, 166, m.w.N.[]
  2. BFH, Urteil vom 26.06.2014 – III R 21/​13, BFHE 247, 102, BStBl II 2015, 886[]
  3. BFHE 208, 292, BStBl II 2005, 323[]

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