Die Betreu­ungs­kos­ten im Frau­en­haus

Psy­cho­so­zia­le Betreu­ungs­leis­tun­gen, die für die Ein­glie­de­rung in das Erwerbs­le­ben erfor­der­lich sind, müs­sen von der Her­kunfts­kom­mu­ne des Betreu­ten nur dann erstat­tet wer­den, wenn eine Ver­ein­ba­rung u.a. über die Prü­fung der Wirt­schaft­lich­keit und Qua­li­tät der Leis­tun­gen besteht.

Die Betreu­ungs­kos­ten im Frau­en­haus

Mit die­ser Begrün­dung hat das Sozi­al­ge­richt Heil­bronn in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge des Job­cen­ters der Stadt Heil­bronn abge­wie­sen, mit der die Erstat­tung der Kos­ten für die Betreu­ung einer Frau im Heil­bron­ner Frau­en­haus von der Her­kunfts­kom­mu­ne ver­langt wor­den sind.

Die 1955 gebo­re­ne, mit­tel­lo­se K leb­te mit ihrem alko­hol­ab­hän­gi­gen und gewalt­tä­ti­gen Ehe­mann im Land­kreis Freu­den­stadt. Im Dezem­ber 2010 floh sie in das Heil­bron­ner Frau­en­haus, das vom Dia­ko­ni­schen Werk betrie­ben wird. Dort wur­de sie bis Ende Sep­tem­ber 2011 betreut. Das Job­cen­ter Stadt Heil­bronn zahl­te an das Dia­ko­ni­sche Werk für die Unter­kunft der K knapp 3.500 Euro und für deren psy­cho­so­zia­le Betreu­ung rund 25.000 Euro. Der Land­kreis Freu­den­stadt erstat­te­te dem Heil­bron­ner Job­cen­ter nur die Kos­ten für die Unter­kunft, aber nicht die Betreu­ungs­kos­ten: Der Tages­satz des Heil­bron­ner Frau­en­hau­ses von mehr als 100 Euro sei weit über­höht – der Durch­schnitts­satz in Baden-Würt­tem­berg betra­ge nur 40 Euro täg­lich. Dar­über hin­aus feh­le es an einem Ver­trag zwi­schen dem Job­cen­ter Stadt Heil­bronn und dem Dia­ko­ni­schen Werk mit den gesetz­li­chen Min­dest­stan­dards. Das Job­cen­ter Stadt Heil­bronn ver­klag­te dar­auf­hin den Land­kreis Freu­den­stadt auf Erstat­tung der gezahl­ten Betreu­ungs­kos­ten.

Nach Auf­fas­sung des Sozi­al­ge­richts Heil­bronn sei zwar der Land­kreis Freu­den­stadt als "Her­kunfts­kom­mu­ne" der K grund­sätz­lich ver­pflich­tet, dem durch die Auf­nah­me im Frau­en­haus zustän­dig gewor­de­nen Job­cen­ter Stadt Heil­bronn die Kos­ten zu erstat­ten. Aller­dings han­de­le es sich bei psy­cho­so­zia­len Betreu­ungs­leis­tun­gen um Leis­tun­gen, die für die Ein­glie­de­rung in das Erwerbs­le­ben erfor­der­lich sei­en. Dem­nach sei der Beklag­te zur Erstat­tung nur dann ver­pflich­tet, wenn eine Ver­ein­ba­rung u.a. über die Prü­fung der Wirt­schaft­lich­keit und Qua­li­tät der Leis­tun­gen bestehe. Hier­an feh­le es vor­lie­gend. Dies kön­ne nicht zulas­ten der Her­kunfts­ge­mein­de gehen. Inso­weit habe es näm­lich der hier kla­gen­de kom­mu­na­le Trä­ger selbst in der Hand, eine den gesetz­li­chen Min­dest­an­for­de­run­gen ent­spre­chen­de Ver­ein­ba­rung mit dem Trä­ger des Heil­bron­ner Frau­en­hau­ses abzu­schlie­ßen.

Sozi­al­ge­richt Heil­bronn, Urteil vom 23. April 2014 – S 11 AS 1626/​12