Ein­glie­de­rungs­hil­fe für den Pri­vat­schul-Besuch

Das Schul­geld für Besuch einer Pri­vat­schu­le kann nicht im Rah­men der Ein­glie­de­rungs­hil­fe für behin­der­te Kin­der erstat­tet wer­den, da eine staat­li­che Schu­le den son­der­päd­ago­gi­schen För­der­be­darf eines behin­der­ten Kin­des eben­so erbrin­gen kann, ent­schied jetzt das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt in Darm­stadt.

Ein­glie­de­rungs­hil­fe für den Pri­vat­schul-Besuch

Behin­der­te Kin­der haben Anspruch auf Hil­fen zu einer ange­mes­se­nen Schul­bil­dung im Rah­men der Ein­glie­de­rungs­hil­fe. Kann aller­dings der beson­de­re son­der­päd­ago­gi­sche Bedarf in einer staat­li­chen För­der­schu­le glei­cher­ma­ßen erbracht wer­den, so muss der Lan­des­wohl­fahrts­ver­band das Schul­geld für den Besuch einer Pri­vat­schu­le nicht über­neh­men.

Kon­kret geht es in dem vom Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richt ent­schie­de­nen Fall um einen nun­mehr 13-jäh­ri­gen Jun­gen, der seit sei­ner Geburt behin­dert ist und seit sei­nem 4. Lebens­mo­nat in einer Pfle­ge­fa­mi­lie in Gie­ßen lebt. Er lei­det an Epi­lep­sie und Min­der­wuchs, ist in sei­ner Ent­wick­lung ver­zö­gert und geis­tig behin­dert. Ab dem 4. Lebens­jahr besuch­te er ein Montesso­ri-Kin­der­haus. Im Jah­re 2005 stell­te das staat­li­che Schul­amt einen son­der­päd­ago­gi­schen För­der­be­darf fest und wies den Jun­gen einer staat­li­chen För­der­schu­le zu. Die Pfle­g­el­tern ent­schie­den sich hin­ge­gen für den Besuch einer Pri­vat­schu­le, die nach den Grund­sät­zen der anthro­po­so­phi­schen Heil­päd­ago­gik und der Wal­dorf­päd­ago­gik unter­rich­tet. Das Schul­geld hier­für beträgt monat­lich 303 €. Der Lan­des­wohl­fahrts­ver­band lehn­te die Kos­ten­über­nah­me mit der Begrün­dung ab, dass der son­der­päd­ago­gi­sche För­der­be­darf auch in einer staat­li­chen Schu­le gedeckt wer­den kön­ne, die kein Schul­geld ver­lan­ge.

Sowohl das erst­in­stanz­lich mit dem Fall befass­te Sozi­al­ge­richt wie auch das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt gaben jedoch dem Lan­des­wohl­fahrts­ver­band Recht. Das staat­li­che Schul­amt habe zwar den Besuch der Pri­vat­schu­le gestat­tet. Zuge­wie­sen habe es das behin­der­te Kind jedoch an eine staat­li­che Schu­le. Da die­se für den spe­zi­el­len För­der­be­darf glei­cher­ma­ßen geeig­net sei, sei das Schul­geld nicht zu über­neh­men. Der Wunsch der Pfle­ge­el­tern, ihr Pfle­ge­kind nach den Wal­dorf­grund­sät­zen unter­rich­ten und erzie­hen zu las­sen, sei zwar nach­voll­zieh­bar, aber sozi­al­hil­fe­recht­lich nicht geschützt. Außer­ge­wöhn­li­che und gewich­ti­ge per­sön­li­che Grün­de für den Besuch der Pri­vat­schu­le – wie z.B. eine lang­jäh­ri­ge Erzie­hung unter Wal­dorf­grund­sät­zen oder der Besuch der Schu­le sei­tens der Geschwis­ter­kin­der – lägen nicht vor. Auch wer­de das Eltern­recht durch die ableh­nen­de Ent­schei­dung nicht ver­letzt, da die­ses zwar die freie Schul­wahl gewäh­re, nicht jedoch einen Anspruch auf Schul­geld­über­nah­me.

Hes­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom – L 9 SO 7/​09
(nicht rechts­kräf­tig, Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ein­ge­legt beim Bun­des­so­zi­al­ge­richt – B 8 SO 2/​11 B)