Kei­ne Ren­te für ergän­zen­de Pfle­ge

Wer einen Pfle­ge­be­dürf­ti­gen in sei­ner häus­li­chen Umge­bung pflegt, ist unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen pflicht­ver­si­chert. Hat der Pfle­ge­be­dürf­ti­ge Anspruch auf Leis­tun­gen der Pfle­ge­ver­si­che­rung, zahlt die­se die Ren­ten­bei­trä­ge für die Pfle­ge­per­son, wenn die­se nicht mehr als 30 Stun­den wöchent­lich erwerbs­tä­tig ist. Die Pfle­ge darf aller­dings nicht erwerbs­mä­ßig erfol­gen und muss wenigs­tens 14 Stun­den wöchent­lich umfas­sen. Maß­geb­lich sind inso­weit aller­dings nur Grund­pfle­ge und haus­wirt­schaft­li­che Ver­sor­gung. Ergän­zen­de Pfle­ge­leis­tun­gen – wie Auf­sicht und sozia­le Kom­mu­ni­ka­ti­on – sind hin­ge­gen nach einem aktu­el­len Urteil des Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts unbe­acht­lich.

Kei­ne Ren­te für ergän­zen­de Pfle­ge

In dem jetzt vom Lan­des­so­zi­al­ge­richt in Darm­stadt ent­schie­de­nen Fall pfleg­te eine Frau aus Nord­hes­sen seit Jah­ren ihren Ehe­mann. Der 62-Jäh­ri­ge ist auf einen Roll­stuhl ange­wie­sen und erhält Leis­tun­gen der Pfle­ge­ver­si­che­rung nach Pfle­ge­stu­fe I. Für die Pfle­ge­tä­tig­keit der Frau zahl­te die Pfle­ge­kas­se von April 1995 bis Janu­ar 2004 die Pflicht­bei­trä­ge in die Ren­ten­ver­si­che­rung. Nach­dem ein ärzt­li­ches Pfle­ge­gut­ach­ten einen Pfle­ge­auf­wand von nur 12,13 Wochen­stun­den erge­ben hat­te, wur­de die wei­te­re Zah­lung der Bei­trä­ge abge­lehnt. Es bestehe kei­ne Ver­si­che­rungs­pflicht, so die Ren­ten­ver­si­che­rung. Die Frau berief sich jedoch auf einen Pfle­ge­um­fang von 28 Stun­den pro Woche. Die vie­len not­wen­di­gen Unter­stüt­zungs­maß­nah­men, die sie für ihren Mann täg­lich z.B. in Form regel­mä­ßi­ger per­sön­li­cher Anspra­che und Unter­hal­tung, Beglei­tung bei Spa­zier­gän­gen mit dem Roll­stuhl sowie zur sons­ti­gen sozia­len Betreu­ung erbrin­ge, sei­en in dem Gut­ach­ten nicht berück­sich­tigt wor­den.

Die Rich­ter bei­der Instan­zen gaben der Ver­si­che­rung Recht. Der Leis­tungs­an­spruch des Pfle­ge­be­dürf­ti­gen sei auf Grund­pfle­ge und Ver­rich­tun­gen zur haus­wirt­schaft­li­chen Ver­sor­gung begrenzt. Wer­de für die Fra­ge der Ver­si­che­rungs­pflicht der Pfle­ge­per­son der Pfle­ge­auf­wand ermit­telt, sei­en eben­falls nur die­se Pfle­ge­leis­tun­gen zu berück­sich­ti­gen. Denn auch die Mit­glied­schaft in der Ren­ten­ver­si­che­rung sei eine Leis­tung der Pfle­ge­ver­si­che­rung. Außer­dem sprä­chen hier­für auch Ver­wal­tungs­prak­ti­ka­bi­li­tät und Rechts­si­cher­heit. Wür­den ergän­zen­de Pfle­ge und Betreu­ung eben­falls berück­sich­tigt, wären näm­lich fast aus­schließ­lich die sub­jek­ti­ven Anga­ben der Pfle­ge­be­dürf­ti­gen und Pfle­ge­per­so­nen her­an­zu­zie­hen. Eine Über­prü­fung anhand objek­ti­ver Maß­stä­be wäre unter die­sen Umstän­den nicht mög­lich.

Hes­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 29. Janu­ar 2009 – AZ L 8 P 13/​07