Leis­tun­gen der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung

In der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung kommt zum Jah­res­wech­sel nicht nur der Gesund­heits­fonds mit sei­nem Ein­heits­bei­trag. Auch bei den Leis­tun­gen der Kran­ken­kas­sen ändert sich Eini­ges:

Leis­tun­gen der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung

1. Sozi­al­me­di­zi­ni­sche Nach­sor­ge für schwer­kran­ke Kin­der

Ein wich­ti­ger Bau­stein bei der Betreu­ung und Unter­stüt­zung schwer­kran­ker Kin­der und ihrer Fami­li­en ist die pro­fes­sio­nel­le Hil­fe, wenn ein schwer­kran­kes Kind aus dem Kran­ken­haus ent­las­sen und wei­ter ambu­lant ver­sorgt wer­den muss. Bis­her hat­ten Ver­si­cher­te gegen­über ihrer Kran­ken­kas­se einen Ermes­sens­an­spruch auf die­se so genann­te sozi­al­me­di­zi­ni­sche Nach­sor­ge, der nun in einen Rechts­an­spruch umge­wan­delt wird. Zudem wird die Alters­höchst­gren­ze von 12 auf 14 Jah­re ange­ho­ben, so dass noch mehr Kin­der ver­sorgt wer­den kön­nen. Die sozi­al­me­di­zi­ni­sche Nach­sor­ge stellt sicher, dass qua­li­fi­zier­te Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter das Kind und sei­ne Fami­lie von der sta­tio­nä­ren Behand­lung oder Reha­bi­li­ta­ti­on ab beglei­ten und einen rei­bungs­lo­sen Über­gang in die häus­li­che Pfle­ge und die ambu­lan­te Behand­lung ermög­li­chen.

2. Haus­arzt­zen­trier­te Ver­sor­gung

Den Kran­ken­kas­sen wird eine Frist bis zum 30. Juni 2009 gesetzt, Ver­trä­ge über eine haus­arzt­zen­trier­te Ver­sor­gung zu schlie­ßen. Die­se Ver­trä­ge müs­sen vor­ran­gig mit Gemein­schaf­ten geschlos­sen wer­den, die die Hälf­te der an der haus­ärzt­li­chen Ver­sor­gung teil­neh­men­den All­ge­mein­ärz­te ver­tre­ten. Durch die­se Ände­rung wird die haus­arzt­zen­trier­te Ver­sor­gung neu­en Schwung bekom­men und das eigen-stän­di­ge Ver­hand­lungs­man­dat von Haus­ärz­ten gestärkt.
Die haus­arzt­zen­trier­te Ver­sor­gung (Haus­arzt­mo­dell) funk­tio­niert so, dass die Ver­si­cher­ten einen Haus­arzt wäh­len, der sie behan­delt und die gesam­te ambu­lan­te, fach­ärzt­li­che und sta­tio­nä­re Ver­sor­gung steu­ert. Der Haus­arzt über­weist also bei Bedarf an die ent­spre­chen­den Fach­ärz­te. Die Teil­nah­me an einem Haus­arzt­mo­dell ist frei­wil­lig. Dafür kön­nen die Kas­sen ihren Mit­glie­dern z. B. Ver­güns­ti­gun­gen wie Prä­mi­en­zah­lung oder Zuzah­lungs­er­mä­ßi­gung anbie­ten.

3.Hilfsmittelversorgung

Die Vor­schrif­ten zur Hilfs­mit­tel­ver­sor­gung sind wei­ter­ent­wi­ckelt wor­den. Die Über­gangs­frist für die nach altem Recht zuge­las­se­nen Anbie­ter von Hilfs­mit­teln (z. B. Roll­stüh­le, Ban­da­gen) wird ver­län­gert. Die­se Anbie­ter dür­fen bis Ende 2009 die Ver­sor­gung der Ver­si­cher­ten über­neh­men. Es sei denn, die Kran­ken­kas­se hat eine Aus­schrei­bung durch­ge­führt und damit bereits bestimm­te Anbie­ter gewählt. Das Aus­schrei­bungs­ge­bot wird in eine „Kann-Vor­schrift“ umge­wan­delt. Das heißt, eine Aus­schrei­bung muss nicht in jedem Fall erfol­gen. Der Spit­zen­ver­band Bund der Kran­ken­kas­sen und die Spit­zen­or­ga­ni­sa­tio­nen der Hilfs­mit­tel­an­bie­ter geben Emp­feh­lun­gen ab, wann eine Aus­schrei­bung zweck­mä­ßig ist. Ver­trä­gen, die nicht aus­ge­schrie­ben, son­dern auf Ver­hand­lungs­we­ge abge­schlos­se­nen wur­den, kön­nen wei­te­re Leis­tungs­er­brin­ger zu glei­chen Kon­di­tio­nen bei­tre­ten. Damit ist auch in Zukunft eine qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Ver­sor­gung mit Hilfs­mit­teln gewähr­leis­tet.

4. Ver­bes­se­run­gen des Kin­der­un­ter­su­chungs­pro­gramms

Ab 1. Janu­ar 2009 wird im Kin­der­un­ter­su­chungs­pro­gramm eine Früh­erken­nungs­un­ter­su­chung auf Hör­stö­run­gen bei Neu­ge­bo­re­nen als Leis­tung der gesetz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung auf­ge­nom­men. Ziel ist es, ange­bo­re­ne Hör­stö­run­gen früh­zei­tig zu erken­nen und zu behan­deln, um z. B. Ver­zö­ge­run­gen bei der Sprach­ent­wick­lung ent­ge­gen­zu­wir­ken.

Um die Teil­nah­me an den Früh­erken­nungs­un­ter­su­chun­gen für Kin­der wei­ter zu erhö­hen, ist im Sozi­al­ge­setz­buch V (§ 26 SGB V) eine Ver­pflich­tung der Kran­ken­kas­sen zur Koope­ra­ti­on mit den Län­dern ver­an­kert wor­den. Kon­kret wer­den die Kran­ken­kas­sen ver­pflich­tet, mit den für den Kin­des­schutz zustän­di­gen Lan­des­be­hör­den auf eine bes­se­re Inan­spruch­nah­me der Früh­erken­nungs­un­ter­su­chun­gen bei Kin­dern hin­zu­wir­ken und hier­zu mit den Län­dern Rah­men­ver­ein­ba­run­gen zu schlie­ßen. Wirk­sa­me Maß­nah­men sind z. B. schrift­li­che Hin­wei­se auf anste­hen­de Früh­erken­nungs­un­ter­su­chun­gen. Die­se Neu­re­ge­lung dient auch der Ver­bes­se­rung des Kin­der­schut­zes vor Ver­nach­läs­si­gun­gen und Miss­hand­lun­gen.

5. Kran­ken­geld-Wahl­ta­ri­fe für Selb­stän­di­ge

Für alle frei­wil­lig ver­si­cher­ten Selb­stän­di­gen gilt ab 2009 der ein­heit­li­che ermä­ßig­te Bei­trags­satz in Höhe von 14,0 Pro­zent, dazu kommt wie bis­her ein wei­te­rer Anteil von 0,9 Bei­trags­satz­punk­ten. Der Ver­si­che­rungs­schutz umfasst zunächst kei­nen Kran­ken­geld­an­spruch.
Wer bis­her schon ohne Kran­ken­geld­an­spruch ver­si­chert ist und die­sen auch wei­ter­hin nicht wünscht, für den ändert sich nichts.
War der Kran­ken­geld­an­spruch mit­ver­si­chert, besteht auch ab dem kom­men­den Jahr die Mög­lich­keit, sich gegen den Ver­dienst­aus­fall bei Erkran­kung abzu­si­chern. Dazu muss zusätz­lich ein Kran­ken­geld-Wahl­ta­rif abge­schlos­sen wer­den. Die­sen Wahl­ta­rif muss jede Kas­se ab Janu­ar anbie­ten. Außer­dem sind die Kas­sen ver­pflich­tet, ihre Ver­si­cher­ten dar­über zu infor­mie­ren. Da die Höhe der Prä­mi­en von Kas­se zu Kas­se unter­schied­lich sein kann und auch die Aus­ge­stal­tung der Tari­fe vari­iert, soll­ten Selb­stän­di­ge sich detail­liert über die Ange­bo­te ihrer Kran­ken­kas­se, aber auch ande­rer Kran­ken­kas­sen infor­mie­ren.