SGB II und der Zuschuss bei Ferienfreizeiten

Im Fal­le eines SGB II – Emp­fän­gers steht dem Anspruch auf För­de­rung ent­ge­gen, wenn es sich nicht um eine Frei­zeit i.S.v. § 28 Abs. 7 S. 1 Nr. 3 SGB II han­delt. Der Gesetz­ge­ber hat nur bestimm­te Berei­che gemein­schaft­li­cher Akti­vi­tät von Kin­dern und Jugend­li­chen in die Norm auf­ge­nom­men. Dazu zäh­len kei­ne Akti­vi­tä­ten, die dem (par­tei-)poli­ti­schen Leben zuzu­rech­nen sind.

SGB II und der Zuschuss bei Ferienfreizeiten

So hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len ent­schie­den. Geklagt hat­ten im ers­ten Fall [1] SGB II – Emp­fän­ger auf Bezu­schus­sung, die am Som­mer­camp 2016 teil­nah­men, in dem zwei­ten Ver­fah­ren [2] begehr­te die Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on selbst ihre Zulas­sung als Anbie­ter von Leis­tun­gen zur sozia­len und kul­tu­rel­len Teilhabe.

Nach Auf­fas­sung des Lan­des­so­zi­al­ge­richts Nord­rhein-West­fa­len ste­he dem Anspruch auf För­de­rung ent­ge­gen, dass es sich bei dem Som­mer­camp nicht um eine Frei­zeit i.S.v. § 28 Abs. 7 S. 1 Nr. 3 SGB II gehan­delt habe. Der Gesetz­ge­ber habe nur bestimm­te Berei­che gemein­schaft­li­cher Akti­vi­tät von Kin­dern und Jugend­li­chen in die Norm auf­ge­nom­men. Akti­vi­tä­ten, die dem (partei-)politischen Leben zuzu­rech­nen sei­en, fie­len nicht dar­un­ter. Dies ent­spre­che dem aus Art. 21 GG fol­gen­den stren­gen staat­li­chen Neu­tra­li­täts­ge­bot. Hier habe das Som­mer­camp neben Kultur‑, Sport- und Frei­zeit­zwe­cken den Zweck der par­tei­po­li­ti­schen Wil­lens­bil­dung der Teil­neh­mer bzw. der Nach­wuchs­för­de­rung für eine Par­tei verfolgt.

Wei­ter­hin hat das Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len fest­ge­stellt, dass die beklag­te Kom­mu­ne nicht ver­pflich­tet gewe­sen sei, eine Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung mit der Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on abzu­schlie­ßen. Ihr Aus­schluss als Anbie­ter von Frei­zei­ten stel­le sich viel­mehr als recht­mä­ßig dar und ver­let­ze sie nicht in Grund­rech­ten. Ins­be­son­de­re lie­ge kei­ne Ver­let­zung des Neu­tra­li­täts­ge­bo­tes vor, weil die Beklag­te poli­ti­sche Par­tei­en bzw. deren Jugend­ver­bän­de über­haupt nicht berück­sich­ti­ge. Grund für den Aus­schluss sei die Stel­lung als Unter­or­ga­ni­sa­ti­on einer Par­tei als sol­che, nicht deren poli­ti­sche Anschau­ung, so dass auch kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung einer Welt­an­schau­ung vor­lie­ge. Eine Ungleich­be­hand­lung von Par­tei­en bzw. deren Unter­glie­de­run­gen einer­seits und ande­ren Anbie­tern ande­rer­seits recht­fer­ti­ge sich bei der Berück­sich­ti­gung als Anbie­ter von Leis­tun­gen zur Bil­dung und Teil­ha­be wie­der­um aus dem Neu­tra­li­täts­ge­bot. Zudem wer­de durch den Aus­schluss von Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen der Gefahr einer unzu­läs­si­gen Par­tei­en­fi­nan­zie­rung durch indi­rek­te För­de­rung der Mut­ter­par­tei begegnet.

Lan­des­so­zi­al­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len, Urtei­le vom 7. Novem­ber 2019 – L 19 AS 1204/​18 und 5. Dezem­ber 2019 – L 7 AS 171/​19

  1. LAG NRW – L 19 AS 1204/​18[]
  2. LAG NRW – L 7 AS 171/​19[]

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