Trans­pa­renz­be­rich­te der Pfle­ge­ein­rich­tun­gen unter Ver­schluß

Nach §§ 114 ff. SGB XI ist der Medi­zi­ni­sche Dienst der Kran­ken­ver­si­che­rung (MDK) berech­tigt und ver­pflich­tet, auch unan­ge­mel­de­te Qua­li­täts­prü­fun­gen in Pfle­ge­ein­rich­tun­gen vor­zu­neh­men. Die Ergeb­nis­se die­ser Prü­fun­gen sol­len, so sehen es die gesetz­li­chen Bestim­mun­gen vor, durch die Lan­des­ver­bän­de der Pfle­ge­kas­sen in Form soge­nann­ter Trans­pa­renz­be­rich­te über­sicht­lich, ver­gleich­bar und kos­ten­frei im Inter­net ver­öf­fent­licht wer­den. Ent­spre­chend die­sem gesetz­li­chen Auf­trag hat der MDK vor eini­gen Wochen mit den unan­ge­mel­de­ten Qua­li­täts­prü­fun­gen begon­nen, die bereits ver­öf­fent­lich­ten Trans­pa­renz­be­rich­te kön­nen unter www.pflegelotse.de ein­ge­se­hen wer­den.

Trans­pa­renz­be­rich­te der Pfle­ge­ein­rich­tun­gen unter Ver­schluß

Bei einem posi­ti­ven Ergeb­nis die­ser Qua­li­täts­prü­fung hat sicher­lich kein Pfle­ge­heim etwas gegen die Ver­öf­fent­li­chung des Trans­pa­renz­be­rich­tes. Was aber, wenn der Prü­fungs­be­richt nega­tiv aus­fällt? Nach einem Beschluss des Sozi­al­ge­richts Müns­ter kann die Pfle­ge­ein­rich­tung im Wege des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes die Ver­öf­fent­li­chung der Ergeb­nis­se einer vom Medi­zi­ni­schen Dienst der Kran­ken­ver­si­che­rung durch­ge­führ­ten unan­ge­mel­de­ten Qua­li­täts­prü­fung im Inter­net ver­hin­dern.

Das Sozi­al­ge­richt Müns­ter hat damit auf den Antrag eines Pfle­ge­hei­mes aus Müns­ter die Ver­öf­fent­li­chung des Trans­pa­renz­be­rich­tes bis zur gericht­li­chen Ent­schei­dung im Haupt­sa­che­ver­fah­ren unter­sagt. Die Pfle­ge­ein­rich­tung, deren Heim- und Pfle­ge­lei­tung am Prüf­tag nicht anwe­send war, hat­te sich unter ande­rem gegen die Bewer­tung mit der Gesamt­no­te „man­gel­haft“ im Qua­li­täts­be­reich „Pfle­ge und medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung“ gewandt.

Eine Ver­öf­fent­li­chung der Note „man­gel­haft“ im Inter­net las­se erheb­li­che Wett­be­werbs­nach­tei­le, einen Rück­gang der Bele­gungs­zah­len und damit einen wirt­schaft­li­chen Scha­den des Pfle­ge­hei­mes befürch­ten. Hier­durch, so das Sozi­al­ge­richt Müns­ter in sei­ner Beschluss­be­grün­dung, sei das Grund­recht der Berufs­frei­heit des Heim­trä­gers in unver­hält­nis­mä­ßi­ger Wei­se betrof­fen, so lan­ge ver­öf­fent­lich­te Ergeb­nis­se auf unsi­che­rer Tat­sa­chen­grund­la­ge beru­hen.

In Erman­ge­lung vali­der Kri­te­ri­en zur Bemes­sung der vom Gesetz­ge­ber gewünsch­ten Ergeb­nis- und Lebens­qua­li­tät ziel­ten die Prüf­kri­te­ri­en des MDK ganz über­wie­gend auf die Qual­ti­tät der erfolg­ten Doku­men­ta­ti­on. Hier­durch ent­ste­he ein nicht zu recht­fer­ti­gen­des Bewer­tungs­sys­tem, das die Ein­rich­tun­gen nöti­ge, auf Kos­ten ihrer eigent­li­chen Auf­ga­ben noch mehr in die Doku­men­ta­ti­on zu inves­tie­ren.

Sozi­al­ge­richt Müns­ter, Beschluss vom 18.01.2010, Az.: S 6 P 202/​09 ER – nicht rechts­kräf­tig