Über­nah­me von Wei­ter­bil­dungs­kos­ten

Als Ver­folg­te nach dem Beruf­li­chen Reha­bi­li­tie­rungs­ge­setz aner­kann­te Per­so­nen haben Anspruch auf die Kos­ten­er­stat­tung für Wei­ter­bil­dun­gen, soweit die­se Kos­ten nicht nach dem SGB III getra­gen wer­den. Dabei muss – anders als nach dem Recht der Arbeits­för­de­rung (SGB III) – die Wei­ter­bil­dung nicht zur Abwen­dung von Arbeits­lo­sig­keit not­wen­dig sein. Es ist ver­fas­sungs­recht­lich unzu­läs­sig, den kla­ren Geset­zes­wort­laut des als Anspruchs­norm for­mu­lier­ten § 7 Ber­Re­haG zu Las­ten des Begüns­tig­ten zu redu­zie­ren.

Über­nah­me von Wei­ter­bil­dungs­kos­ten

Mit die­ser Ent­schei­dung hat das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt in dem hier vor­lie­gen­den Fall der Kla­ge eines Man­nes statt­ge­ge­ben, dem von der Bun­des­agen­tur für Arbeit die För­de­rung der beruf­li­chen Wei­ter­bil­dung zum staat­lich geprüf­ten Kraft­fahr­zeug­tech­ni­ker ver­wei­gert wor­den war. Auf­grund sei­ner Zuge­hö­rig­keit zu den Zeu­gen Jeho­vas durf­te der in der ehe­ma­li­gen DDR auf­ge­wach­se­ne Mann nicht das Abitur machen. Nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung wur­de ihm beschei­nigt, dass er von Ver­fol­gungs­maß­nah­men im Sin­ne des Beruf­li­chen Reha­bi­li­tie­rungs­ge­set­zes betrof­fen war. In der Fol­ge­zeit absol­vier­te er die Meis­ter­prü­fung zum Kraft­fahr­zeug­tech­ni­ker und schloss eine Fort­bil­dung zum Betriebs­wirt ab. Im Rah­men sei­ner der­zei­ti­gen Tätig­keit als Kraft­fahr­zeugsach­ver­stän­di­ger im Innen­dienst begut­ach­tet er am Bild­schirm Karos­se­rie­schä­den.

Im Jahr 2005 bean­trag­te der jetzt im Rhein­gau-Tau­nus-Kreis leben­de Mann von der Bun­des­agen­tur für Arbeit die För­de­rung der beruf­li­chen Wei­ter­bil­dung zum staat­lich geprüf­ten Kraft­fahr­zeug­tech­ni­ker. Er wol­le beruf­lich viel­sei­ti­ger ein­setz­bar sein. Auch sei ihm die der­zei­ti­ge Tätig­keit am PC wegen sei­ner Augen­pro­ble­me auf Dau­er nicht zumut­bar. Die Bun­des­agen­tur lehn­te eine För­de­rung ab. Das Sozi­al­ge­richt wies die hier­ge­gen erho­be­ne Kla­ge mit der Begrün­dung ab, dass der berufs­tä­ti­ge Klä­ger einen Berufs­ab­schluss habe und nicht von Arbeits­lo­sig­keit bedroht sei. Der Klä­ger ver­folg­te sein Ziel wei­ter vor dem Lan­des­so­zi­al­ge­richt.

Nach Auf­fas­sung des Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts sehe das Beruf­li­che Reha­bi­li­tie­rungs­ge­setz vor, dass den als Ver­folg­te aner­kann­ten Per­so­nen die Kos­ten für Wei­ter­bil­dun­gen erstat­tet wer­den. Dabei muss – anders als nach dem Recht der Arbeits­för­de­rung (SGB III) – die Wei­ter­bil­dung nicht zur Abwen­dung von Arbeits­lo­sig­keit not­wen­dig sein. Auf­grund des ein­deu­ti­gen Wort­lau­tes des Beruf­li­chen Reha­bi­li­tie­rungs­ge­set­zes kön­ne die Bun­des­agen­tur die För­de­rung auch nicht mit dem Argu­ment ableh­nen, dass der Wei­ter­bil­dungs­an­spruch ufer­los sei.

Der Geset­zes­be­grün­dung sei ledig­lich inso­weit eine Ein­schrän­kung zu ent­neh­men, als die Wei­ter­bil­dung für die Betrof­fe­nen im Hin­blick auf deren Alter noch sinn­voll sein müs­se. Da der 46-jäh­ri­ge Klä­ger bis zum Errei­chen der Regel­al­ters­gren­ze noch min­des­tens 20 Jah­re Arbeit vor sich habe, sei hier­von aus­zu­ge­hen.

Hes­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 6. Febru­ar 2013 – L 6 AL 107/​10