Ver­si­che­rungs­pflicht trotz Akti­en­ge­sell­schaft

Vor­stands­mit­glie­der einer Akti­en­ge­sell­schaft unter­lie­gen nicht der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht. Bis 2003 galt dies für alle Beschäf­ti­gun­gen von Vor­stands­mit­glie­dern. Zum 1. Janu­ar 2004 beschränk­te jedoch der Gesetz­ge­ber die Ver­si­che­rungs­frei­heit von Vor­stands­mit­glie­dern auf Beschäf­ti­gun­gen in dem ent­spre­chen­den Unter­neh­men. Aus Grün­den des Ver­trau­ens­schut­zes blie­ben die zum Stich­tag 6. Novem­ber 2003 ver­si­che­rungs­frei­en Beschäf­ti­gun­gen in ande­ren Unter­neh­men auch wei­ter­hin ver­si­che­rungs­frei.

Ver­si­che­rungs­pflicht trotz Akti­en­ge­sell­schaft

Auf Ver­trau­ens­schutz kann sich nach einem jetzt bekannt gewor­de­nen Urteil des Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts ein Vor­stands­mit­glied aller­dings nicht beru­fen, des­sen AG zu die­sem Stich­tag noch nicht in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen war.

Im kon­kre­ten Fall grün­de­te ein abhän­gig Beschäf­tig­ter aus dem Land­kreis Gie­ßen am 6. Novem­ber 2003 eine Akti­en­ge­sell­schaft mit dem Unter­neh­mens­zweck „Ver­wal­tung des eige­nen Ver­mö­gens“. Als Vor­stands­mit­glied die­ser AG bean­trag­te er im Okto­ber 2004 die Fest­stel­lung der Ren­ten­ver­si­che­rungs­frei­heit hin­sicht­lich sei­ner abhän­gi­gen Beschäf­ti­gung. Die hier­für zustän­di­ge Kran­ken­kas­se lehn­te dies mit der Begrün­dung ab, die AG sei nur zur Umge­hung der Ren­ten­ver­si­che­rungs­pflicht gegrün­det wor­den.

Die Rich­ter sowohl des Sozi­al­ge­richts wie auch in der Beru­fungs­in­stanz des Hes­si­schen Lan­des­so­zi­al­ge­richts ver­nein­ten eben­falls die Ver­si­che­rungs­frei­heit. Auch auf Ver­trau­ens­schutz kön­ne er sich nicht beru­fen. Die Akti­en­ge­sell­schaft sei zum gesetz­li­chen Stich­tag noch nicht in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen gewe­sen. Vor­stands­mit­glie­der einer soge­nann­ten Vor-AG sei­en vor der Geset­zes­än­de­rung hin­sicht­lich ihrer ander­wei­ti­gen Beschäf­ti­gun­gen nicht von der Ver­si­che­rungs­pflicht aus­ge­nom­men gewe­sen. Der Klä­ger sei daher hin­sicht­lich sei­ner abhän­gi­gen Beschäf­ti­gung wei­ter­hin ren­ten­ver­si­che­rungs­pflich­tig.

Hes­si­sches Lan­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 22. Juli 2009 -L 1 KR 129/​07