Beweis­kraft einer Post­zu­stel­lungs­ur­kun­de

Gemäß § 418 i.V.m. § 182 Abs. 1 Satz 2 ZPO erbringt die Post­zu­stel­lungs­ur­kun­de als öffent­li­che Urkun­de den vol­len Beweis der in ihr bezeug­ten Tat­sa­chen. Der Gegen­be­weis kann nach § 418 Abs. 2 ZPO nur durch den Beweis der Unrich­tig­keit der in der Zustel­lungs­ur­kun­de bezeug­ten Tat­sa­chen geführt wer­den1.

Beweis­kraft einer Post­zu­stel­lungs­ur­kun­de

Die Beweis­kraft der Post­zu­stel­lungs­ur­kun­de nach § 418 i.V.m. § 182 Abs. 1 Satz 2 ZPO erstreckt sich nicht nur auf das Ein­le­gen des Schrift­stücks in den Brief­kas­ten, son­dern ins­be­son­de­re auch dar­auf, dass der Post­be­diens­te­te unter der ange­ge­be­nen Anschrift weder den Adres­sa­ten per­sön­lich noch eine zur Ent­ge­gen­nah­me einer Ersatz­zu­stel­lung in Betracht kom­men­de Per­son ange­trof­fen hat2.

Der­ar­ti­ge Grün­de, die ein Fehl­ver­hal­ten der Post­zu­stel­le­rin bei der Zustel­lung und damit eine Falsch­be­ur­kun­dung in der Post­zu­stel­lungs­ur­kun­de bele­gen3, hat die Klä­ge­rin mit ihrer Behaup­tung, die Post­zu­stel­le­rin habe kei­ne Zustel­lung durch per­sön­li­che Über­ga­be des Schrift­stücks ver­sucht, nicht schlüs­sig vor­ge­tra­gen4.

Es trifft im Übri­gen nicht zu, dass nur eine ord­nungs­ge­mä­ße Zustel­lung eine Rechts­mit­tel­frist in Lauf set­zen wür­de. Selbst wenn sich die form­ge­rech­te Zustel­lung eines Doku­ments nicht nach­wei­sen lässt oder es unter Ver­let­zung zwin­gen­der Zustel­lungs­vor­schrif­ten zuge­gan­gen ist, gilt es nach § 53 Abs. 2 FGO i.V.m. § 189 ZPO in dem Zeit­punkt als zuge­stellt, in dem das Doku­ment der Per­son, an die die Zustel­lung dem Gesetz gemäß gerich­tet war oder gerich­tet wer­den konn­te, tat­säch­lich zuge­gan­gen ist5. Mit der fin­gier­ten Zustel­lung begin­nen die pro­zes­sua­len Fris­ten zu lau­fen6.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 6. Dezem­ber 2011 – XI B 44/​11

  1. BFH, Beschlüs­se vom 24.04.2007 – VIII B 249/​05, BFH/​NV 2007, 1465; und vom 16.06.2009 – V E 1/​09, BFH/​NV 2009, 1658
  2. vgl. BVerfG, Beschluss vom 03.06.1991 – 2 BvR 511/​89, NJW 1992, 224; BFH, Beschlüs­se vom 04.07.2008 – IV R 78/​05, BFH/​NV 2008, 1860; vom 03.11.2010 – I B 104/​10, BFH/​NV 2011, 809
  3. vgl. BVerwG, Beschluss vom 16.05.1986 – 4 CB 8/​86, NJW 1986, 2127; BFH, Beschlüs­se in BFH/​NV 2008, 1860; und in BFH/​NV 2011, 809
  4. vgl. auch BFH, Beschluss vom 10.11.2003 – VII B 366/​02, BFH/​NV 2004, 509
  5. vgl. z.B. BFH, Beschlüs­se vom 17.11.2008 – VII B 148/​08, BFH/​NV 2009, 777; vom 18.08.2009 – X B 14/​09, ZSteu 2009, R1144, m.w.N.
  6. vgl. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2009, 777