Das ange­kün­dig­te Nicht­er­schei­nen und der neue Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te

Nach § 227 Abs. 1 Satz 1 ZPO kann ein Ter­min nur aus erheb­li­chen Grün­den auf­ge­ho­ben oder ver­tagt wer­den. Ein Anspruch auf Ter­mins­ver­le­gung bzw. Ver­ta­gung besteht nach § 227 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 ZPO unter ande­rem nicht, wenn ein Ver­fah­rens­be­tei­lig­ter ankün­digt, zum Ter­min der münd­li­chen Ver­hand­lung nicht zu erschei­nen und das Gericht nicht dafür hält, dass der Betei­lig­te ohne sein Ver­schul­den am Erschei­nen ver­hin­dert ist.

Das ange­kün­dig­te Nicht­er­schei­nen und der neue Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te

Im vor­lie­gend vom Finanz­ge­richt Köln ent­schie­de­nen Fall hat der Klä­ger aus­drück­lich mit­ge­teilt, dass er nicht am Ter­min teil­neh­men wer­de, weil er dies nicht für erfor­der­lich hal­te bzw. er dem Ver­fah­ren durch sei­ne Teil­nah­me nicht den "Anschein der Ord­nungs­mä­ßig­keit" geben wol­le. Dies recht­fer­tigt eine Ver­le­gung bzw. Ver­ta­gung des Ter­mins eben­so wenig, wie die Bestel­lung der neu­en Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten erst drei Tage vor dem Ter­min. Denn der Wech­sel bzw. die Bestel­lung eines Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten vor der münd­li­chen Ver­hand­lung stellt nur dann einen Grund zur Ter­min­än­de­rung dar, wenn es sich um eine in tat­säch­li­cher oder recht­li­cher Sicht schwie­ri­ge Sache han­delt, der Wech­sel kurz vor der münd­li­chen Ver­hand­lung statt­fin­det und vom Klä­ger nicht ver­schul­det wird oder er zumin­dest aus schutz­wür­di­gen Grün­den erfolgt 1.

Vor­lie­gend wur­de dem Klä­ger die Ladung zu der am 21. März 2011 statt­fin­den­den münd­li­chen Ver­hand­lung am 1. März 2011 per Post­zu­stel­lungs­ur­kun­de zuge­stellt. Er hät­te des­halb die Mög­lich­keit gehabt, einen neu­en Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten so recht­zei­tig zu bestel­len, dass die­ser hin­rei­chend Zeit für die Ein­ar­bei­tung in den Sach- und Rechts­stand gehabt hät­te. Dies gilt ins­be­son­de­re auch vor dem Hin­ter­grund, dass das Gericht bereits im Zusam­men­hang mit der Zurück­wei­sung der "C Ltd." als Pro­zess­be­voll­mäch­tig­tem mit Ver­fü­gung vom 17. Juni 2009 erfolg­los beim Klä­ger ange­fragt hat­te, ob er künf­tig einen neu­en Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten bestel­len wol­le. Schutz­wür­di­ge Grün­de, wes­halb die neu­en Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten erst drei Tage vor der münd­li­chen Ver­hand­lung bestellt wur­den, hat der Klä­ger nicht dar­ge­legt.

Dar­über hin­aus hat der Klä­ger von einer ihm ange­bo­te­nen Ein­sicht in die Ver­fah­rens­ak­ten kei­nen Gebrauch gemacht 2. Denn sowohl dem Klä­ger als auch sei­ner dama­li­gen Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten wur­de die Mög­lich­keit zur Ein­sicht­nah­me in die den Klä­ger und das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren betref­fen­den Akten bereits in der Ver­fü­gung vom 17. Juni 2009 ange­bo­ten. Auf die­se Ver­fü­gung und die dar­in ermög­lich­te Akten­ein­sicht wur­de zudem noch­mals im Beschluss vom 31. August 2009 aus­drück­lich Bezug genom­men. Hier­auf ist kei­ne Reak­ti­on erfolgt und kei­ne Akten­ein­sicht genom­men wor­den. Im Übri­gen ist zu berück­sich­ti­gen, dass auch im Rah­men der münd­li­chen Ver­hand­lung am 21. März 2011 eine Ein­sicht­nah­me in die Akten hät­te erfol­gen kön­nen, wenn die Klä­ger­sei­te – ent­ge­gen ihrer aus­drück­li­chen Ankün­di­gung, nicht erschei­nen zu wol­len – zum Ter­min erschie­nen wäre. Anhalts­punk­te für eine fort­dau­ern­de Unmög­lich­keit der Akten­ein­sicht­nah­me aus von der Klä­ger­sei­te nicht zu ver­tre­ten­den Grün­den sind – eben­so wenig wie ande­re Grün­de, die eine Ter­mins­ver­le­gung bzw. Ver­ta­gung recht­fer­ti­gen könn­ten – weder vor­ge­tra­gen noch sonst ersicht­lich. Eine Ver­le­gung bzw. Ver­ta­gung des Ter­mins kam vor die­sem Hin­ter­grund nicht in Betracht 3.

Die Klä­ger­sei­te kann sich in die­sem Zusam­men­hang auch nicht auf eine Ver­let­zung des recht­li­chen Gehörs beru­fen. Denn trotz der vom Finanz­ge­richt aus­drück­lich ange­bo­te­nen Mög­lich­keit zur Akten­ein­sicht­nah­me hat die Klä­ger­sei­te nicht alle pro­zes­sua­len Mög­lich­kei­ten aus­ge­schöpft hat, um sich recht­li­ches Gehör zu ver­schaf­fen 4. Die Klä­ger­sei­te hat viel­mehr im Schrift­satz vom 18. März 2011 aus­drück­lich und ohne eine die Ver­le­gung des Ter­mins recht­fer­ti­gen­de Begrün­dung ange­kün­digt, zum Ter­min nicht erschei­nen zu wol­len. Damit hat sie bewusst an der münd­li­chen Ver­hand­lung nicht teil­ge­nom­men, obwohl ihr auf­grund der vor­he­ri­gen Mit­tei­lun­gen über die Mög­lich­keit zur Akten­ein­sicht bekannt war, dass die den Klä­ger und das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren betref­fen­den Akten beim Gericht vor­lie­gen und zumin­dest im Ter­min hät­ten ein­ge­se­hen wer­den kön­nen.

Finanz­ge­richt Köln, Urteil vom 21. März 2011 – 7 K 4596/​07

  1. vgl. BFH, Beschluss vom 30.01.2008 – V B 72/​06, BFH/​NV 2008, 812[]
  2. vgl. BFH, Beschluss vom 05.02.2009 – VIII B 95/​08, ZSteu 2009, R339 m.w.N.[]
  3. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 05.02.2009 – VIII B 95/​08, ZSteu 2009, R339 m.w.N.; vom 30.01.1997 – I B 79/​96, BFH/​NV 1997, 671; und vom 30.11.1992 – X B 18/​92, BFH/​NV 1993, 732[]
  4. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 05.02.2009 – VIII B 95/​08, ZSteu 2009, R339 m.w.N.; vom 29.10.2004 – XI B 213/​02, BFH/​NV 2005, 566; und vom 22.12.2003 – VII B 35/​03, BFH/​NV 2004, 652; BFH, Urteil vom 27.06.2006 – VII R 34/​05, BFH/​NV 2006, 2024[]