Der Streit um die AdV – und die nicht begrün­de­te Beschwerde

Der Zuläs­sig­keit der Beschwer­de steht nicht ent­ge­gen, dass sie die Antrag­stel­le­rin nicht begrün­det hat.

Der Streit um die AdV – und die nicht begrün­de­te Beschwerde

Eine Beschwer­de nach § 128 FGO, wie sie nach Abs. 3 der Vor­schrift u.a. gegen Ent­schei­dun­gen über die AdV nach § 69 Abs. 3 und 5 FGO gege­ben ist, wenn sie vom Finanz­ge­richt zuge­las­sen wur­de, muss gemäß § 129 Abs. 1 FGO nicht begrün­det wer­den. Es reicht aus, wenn das Begeh­ren des Beschwer­de­füh­rers auf­grund der Antrag­stel­lung und der Begrün­dung des Antrags auf AdV im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren hin­rei­chend deut­lich erkenn­bar ist1.

Die Voll­zie­hung eines ange­foch­te­nen Ver­wal­tungs­akts soll auf Antrag aus­ge­setzt wer­den, wenn ernst­li­che Zwei­fel an der Recht­mä­ßig­keit des Bescheids bestehen oder die Voll­zie­hung für den Betrof­fe­nen eine unbil­li­ge, nicht durch über­wie­gen­de öffent­li­che Inter­es­sen gebo­te­ne Här­te zur Fol­ge hät­te (§ 69 Abs. 2 Satz 2 FGO). Zustän­dig für die AdV ist neben der zustän­di­gen Finanz­be­hör­de auch das Gericht der Haupt­sa­che (§ 69 Abs. 3 Satz 1 FGO). Wird gegen einen Beschluss des Finanz­ge­richt wegen AdV zuläs­si­ger­wei­se Beschwer­de ein­ge­legt, ist der BFH berech­tigt und ver­pflich­tet, die Ent­schei­dung des Finanz­ge­richt in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht in vol­lem Umfang zu über­prü­fen2.

Ernst­li­che Zwei­fel i.S. von § 69 Abs. 2 Satz 2 FGO lie­gen dann vor, wenn bei sum­ma­ri­scher Prü­fung des ange­foch­te­nen Bescheids neben für sei­ne Recht­mä­ßig­keit spre­chen­den Umstän­den gewich­ti­ge Grün­de zuta­ge tre­ten, die Unent­schie­den­heit oder Unsi­cher­heit in der Beur­tei­lung von Rechts­fra­gen oder Unklar­heit in der Beur­tei­lung ent­schei­dungs­er­heb­li­cher Tat­fra­gen bewir­ken. Die Ent­schei­dung hier­über ergeht bei der im AdV-Ver­fah­ren gebo­te­nen sum­ma­ri­schen Prü­fung auf­grund des Sach­ver­halts, der sich aus dem Vor­trag der Betei­lig­ten und der Akten­la­ge ergibt3. Ist die Rechts­la­ge nicht ein­deu­tig, ist im Regel­fall die Voll­zie­hung aus­zu­set­zen4. Ist der Ver­wal­tungs­akt im Zeit­punkt der Ent­schei­dung schon voll­zo­gen, so kann das Gericht ganz oder teil­wei­se die Auf­he­bung der Voll­zie­hung anord­nen (§ 69 Abs. 3 Satz 3 FGO).

Weiterlesen:
Die nach positiver Entscheidung über PKH-Gesuch versäumte Wiedereinsetzungsfrist

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 12. Janu­ar 2021 – II B 61/​19

  1. BFH, Beschluss vom 27.11.2009 – II B 102/​09[]
  2. vgl. BFH, Beschluss vom 16.10.1991 – I B 227/​90, – I B 228/​90, BFH/​NV 1992, 341, unter III. 1., m.w.N.[]
  3. BFH, Beschluss vom 03.09.2018 – VIII B 15/​18, BFH/​NV 2018, 1279, Rz 6, m.w.N.[]
  4. BFH, Beschluss vom 27.11.2009 – II B 102/​09, unter II.B.01., m.w.N.[]