Die Kosten des Beigeladenen – und die Billigkeitsentscheidung über ihre Erstattungsfähigkeit

Im Rahmen der Billigkeitsentscheidung über die Erstattungsfähigkeit der außergerichtlichen Kosten des Beigeladenen gemäß § 139 Abs. 4 der Finanzgerichtsordnung ist die Erstattungsfähigkeit nicht allein deshalb zu bejahen, weil der Beigeladene mit einer Entscheidung ohne mündliche Verhandlung einverstanden war.

Die Kosten des Beigeladenen – und die Billigkeitsentscheidung über ihre Erstattungsfähigkeit

Ein Grund dafür, die außergerichtlichen Kosten des Beigeladenen gemäß § 139 Abs. 4 FGO aus Billigkeitsgründen dem in der Sache unterlegenen Finanzamt aufzuerlegen, besteht nicht, wenn der Beigeladene weder eigene Sachanträge gestellt noch das Verfahren sonst durch eigene Beiträge wesentlich gefördert hat1.

Soweit der Bundesfinanzhof in früheren Entscheidungen eine wesentliche Verfahrensförderung bereits in einem Einverständnis eines Beigeladenen mit einer Entscheidung ohne mündliche Verhandlung gemäß § 90 Abs. 2 FGO gesehen hat2, hält er daran für das vorliegende Verfahren nicht fest.

Eine wesentliche Förderung des Verfahrens erfordert einen aktiven Beitrag zur sachlichen Förderung des Prozesses durch Sachvortrag oder Rechtsausführungen und sollte nicht unter rein prozessökonomischen Aspekten beurteilt werden3.

Da es sich bei der Entscheidung nach § 139 Abs. 4 FGO um eine gerichtliche Ermessensentscheidung handelt, scheidet zu dieser Frage eine Anrufung des Großen Senats des Bundesfinanzhofs nach § 11 Abs. 2 FGO aus4.

Bundesfinanzhof, Urteil vom 11. März 2026 – I R 13/25 (I R 4/13)

  1. s. hierzu z.B. BFH, Urteile vom 15.06.2016 – II R 24/15, BFHE 254, 60, BStBl II 2017, 128; vom 11.04.2019 – IV R 1/17, BFHE 264, 13, BStBl II 2019, 501[]
  2. BFH, Urteile vom 19.05.1993 – I R 124/91, BFHE 172, 37, BStBl II 1993, 889; vom 01.07.2009 – I R 76/08, BFHE 225, 566, BStBl II 2010, 1061; ebenso BFH, Urteile vom 20.06.2001 – VI R 169/97, BFH/NV 2001, 1443; vom 03.07.2014 – III R 41/12, BFHE 247, 125; vom 15.06.2016 – II R 24/15, BFHE 254, 60, BStBl II 2017, 128[]
  3. ablehnend auch Brandis in Tipke/Kruse, § 139 FGO Rz 172; Böwing-Schmalenbrock in Gosch, FGO § 139 Rz 488[]
  4. vgl. BFH, Beschluss vom 17.11.2011 – IV S 15/10, BFHE 235, 122, BStBl II 2012, 246, m.w.N.[]