Die über­lan­ge Ver­fah­rens­dau­er – als Ver­fah­rens­man­gel

Eine über­lan­ge Ver­fah­rens­dau­er kann nur dann einen Ver­fah­rens­man­gel dar­stel­len, wenn die Klä­ger dar­le­gen, dass es bei einer kür­ze­ren Ver­fah­rens­dau­er zu einer ande­ren Ent­schei­dung des Finanz­ge­richts hät­te kom­men kön­nen1.

Die über­lan­ge Ver­fah­rens­dau­er – als Ver­fah­rens­man­gel

er aus ver­fas­sungs- und men­schen­recht­li­chen Grün­den erfor­der­li­che Rechts­schutz von Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten gegen über­lan­ge Gerichts­ver­fah­ren wird im Übri­gen in ers­ter Linie durch die Mög­lich­keit zur Erhe­bung von Ver­zö­ge­rungs­rü­gen und Ent­schä­di­gungs­kla­gen nach § 198 GVG gewähr­leis­tet. Gemäß § 198 Abs. 3 Satz 1 GVG ist die Dau­er des Ver­fah­rens bei dem mit der Sache befass­ten Gericht zu rügen und hät­te danach mit der Ver­zö­ge­rungs­rü­ge im Finanz­ge­richt-Ver­fah­ren gel­tend gemacht wer­den müs­sen.

Im hier ent­schie­de­nen Fall war zudem offen­sicht­lich, dass kei­ne über­lan­ge Ver­fah­rens­dau­er vor­lag, da die Klä­ger ihrer Mit­wir­kungs­pflicht im Besteue­rungs­ver­fah­ren erst kurz vor der münd­li­chen Ver­hand­lung des Finanz­ge­richt nach­ge­kom­men waren. Sie hat­ten danach selbst zur Ver­zö­ge­rung des Rechts­streits bei­getra­gen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 20. Juli 2017 – VIII B 107/​16

  1. vgl. BFH, Beschlüs­se vom 08.05.2014 – X B 105/​13, BFH/​NV 2014, 1213; vom 09.01.2013 – X B 114/​12, BFH/​NV 2013, 580, unter II. 3., m.w.N. []