Bewer­tungs­wahl­recht bei der form­wech­seln­den Umwand­lung

Im Okto­ber 2005 hat der Bun­des­fi­nanz­hof über eine form­wech­seln­de Umwand­lung einer Per­so­nen­ge­sell­schaft (KG) in eine GmbH ent­schie­den und sich mit die­ser Ent­schei­dung gegen den Umwand­lungs­steu­er-Erlass des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums gewandt. Das BMF hat hier­aus die Kon­se­quen­zen gezo­gen: ab sofort sol­len alle ein­schlä­gi­gen Ver­fah­ren, die noch nicht rechts­kräf­tig abge­schlos­sen sind, nur noch nach den Grund­sät­zen des BFH-Urteils und nicht mehr nach dem Umwand­lungs­steu­er-Erlass zu ver­an­la­gen sind.

Bewer­tungs­wahl­recht bei der form­wech­seln­den Umwand­lung

Han­dels­recht­lich beschränkt sich der Form­wech­sel nur auf eine Ände­rung der Rechts­form des Unter­neh­mens­trä­gers unter Wah­rung der recht­li­chen Iden­ti­tät, so dass han­dels­recht­lich beim Form­wech­sel zwin­gend die Buch­wer­te fort­zu­füh­ren sind. Abwei­chend von der han­dels­recht­li­chen Betrach­tung wird der Vor­gang steu­er­recht­lich wie eine Ein­brin­gung des Betriebs­ver­mö­gens einer Per­so­nen­ge­sell­schaft in eine Kapi­tal­ge­sell­schaft behan­delt (§ 25 i.V.m. § 20 UmwStG). Bei der­ar­ti­gen Ein­brin­gungs­vor­gän­gen hat die auf­neh­men­de Kapi­tal­ge­sell­schaft das Wahl­recht, das über­nom­me­ne Betriebs­ver­mö­gen mit dem Buch­wert, dem Teil­wert oder einem Zwi­schen­wert anzu­set­zen (§ 20 Abs. 2 UmwStG). Da für den Form­wech­sel gemäß § 25 UmwStG die Regeln über die Ein­brin­gung ent­spre­chend anzu­wen­den sind, gilt die­ses Wahl­recht auch für den Form­wech­sel. Dies hat der BFH in sei­nem Urteil vom 19. Okto­ber 2005 – I R 38/​04 – aus dem Wort­laut und auch aus der amt­li­chen Begrün­dung des Regie­rungs­ent­wurfs zu § 25 UmwStG (BT-Drucks. 12/​6885, § 25 UmwStG, S. 26) abge­lei­tet.

Die Finanz­ver­wal­tung hat­te dem­ge­gen­über in Tz. 20.30 des BMF-Schrei­bens vom 25. März 1998 – BStBl I S. 268 (sog. Umwand­lungs­steu­er-Erlass) die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass infol­ge des Grund­sat­zes der Maß­geb­lich­keit der Han­dels­bi­lanz für die Steu­er­bi­lanz nach § 5 Abs. 1 Satz 2 EStG in den Fäl­len des Form­wech­sels von einer Per­so­nen­ge­sell­schaft in eine Kapi­tal­ge­sell­schaft auch steu­er­lich zwin­gend die Buch­wer­te fort­zu­füh­ren sind.

Nun­mehr gilt:

Die Grund­sät­ze des genann­ten BFH-Urteils sind in allen noch offe­nen Fäl­len anzu­wen­den.
Tz. 20.30 des BMF-Schrei­bens vom 25. März 1998 (BStBl I S. 267) ist damit über­holt.

BMF-Rund­schrei­ben vom 4. Juli 2006 – IV B 2 – S 1909 – 12/​06