Degres­si­ve AfA auf eine Ein­la­ge

Nach einer Ein­la­ge kann degres­si­ve AfA nur in Anspruch genom­men wer­den, wenn deren (Ursprungs-)Voraussetzungen auch im Ein­la­ge­jahr vor­lie­gen1.

Degres­si­ve AfA auf eine Ein­la­ge

Mit dem Ein­la­ge­vor­gang beginnt eine neue AfA mit einer neu­en AfA-Bemes­sungs­grund­la­ge. Soweit die (Ursprungs-)Voraussetzungen für die degres­si­ve AfA gemäß § 7 Abs. 5 Satz 1 Nr. 2 EStG im Ein­la­ge­jahr nicht vor­lie­gen, steht dem Steu­er­pflich­ti­gen seit­her nur noch linea­re AfA zu. Der Bun­des­fi­nanz­hof folgt inso­weit der Rechts­auf­fas­sung der Finanz­ver­wal­tung2.

Die Ein­la­ge ist ein anschaf­fungs­ähn­li­cher Vor­gang; sie ist der in § 7 Abs. 5 Satz 1 EStG genann­ten Anschaf­fung gleich­zu­stel­len. Nach die­ser Vor­schrift muss die Anschaf­fung bis zum Ende des Jah­res der Fer­tig­stel­lung erfol­gen; damit ist degres­si­ve AfA nach einer Ein­la­ge nur mög­lich, wenn das Gebäu­de bis zum Ende des Jah­res der Fer­tig­stel­lung in ein Betriebs­ver­mö­gen ein­ge­legt wird. Dar­an fehlt es. Eine Anknüp­fung an den ers­ten Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­vor­gang ist nicht mehr mög­lich, da der nach­fol­gen­de anschaf­fungs­ähn­li­che Vor­gang das Wirt­schafts­gut in eine ande­re steu­er­li­che Sphä­re des Steu­er­pflich­ti­gen über­führt und als neu­er selb­stän­di­ger Abset­zungs­tat­be­stand zu beur­tei­len ist.

Die Ein­la­ge führt als anschaf­fungs­ähn­li­cher Vor­gang zu einer neu­en Bemes­sungs­grund­la­ge in Höhe des Ein­la­ge­wer­tes. Das gilt nach dem BFH-Urteil vom 20. April 20053 auch dann, wenn, wie hier, die Ein­la­ge nicht nach § 6 Abs. 1 Nr. 5 Satz 1 Halb­satz 1 EStG zum Teil­wert, son­dern nach § 6 Abs. 1 Nr. 5 Satz 1 Halb­satz 2 Buchst. a, Satz 2 EStG bewer­tet wird. Da bei Eröff­nung eines Betrie­bes nach § 6 Abs. 1 Nr. 6 EStG die Regeln über die Ein­la­ge­be­wer­tung nach Nr. 5 ent­spre­chend anzu­wen­den sind, gilt dies auch für den hier vor­lie­gen­den Fall der Betriebs­er­öff­nung.

Etwas ande­res folgt nicht aus dem Urteil in BFHE 210, 481, BSt­Bl II 2006, 51, in dem der Bun­des­fi­nanz­hof nach einer Ände­rung der Nut­zungs­ver­hält­nis­se an einem Gebäu­de den Über­gang in eine ande­re degres­si­ve AfA-Rei­he mit ande­ren Staf­fel­sät­zen für mög­lich erach­te­te. Der hier ent­schei­den­de anschaf­fungs­ähn­li­che Vor­gang fehl­te. Ande­rer­seits hat der Bun­des­fi­nanz­hof nach einer eben­falls als anschaf­fungs­ähn­lich zu qua­li­fi­zie­ren­den Ent­nah­me4 degres­si­ve AfA für unzu­läs­sig gehal­ten.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 18.Mai 2010 – X R 7/​08

  1. Abgren­zung zu BFH, Urteil vom 15.02.2005 – IX R 32/​03, BFHE 210, 481, BSt­Bl II 2006, 51
  2. so auch Schmidt/​Kulosa, EStG, 29. Aufl., § 7 Rz 160; Wald­hoff, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 7 Rz F 26; a.A. Nol­de in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 7 EStG Rz 495
  3. BFH, Urteil vom 20.04.2005 – X R 53/​04, BFHE 210, 100, BSt­Bl II 2005, 698
  4. BFH, Beschluss vom 02.07.1992 – IX B 169/​91, BFHE 168, 298, BSt­Bl II 1992, 909