Der Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schuss als par­tia­ri­sches Dar­le­hen

Zahlt ein Film­pro­duk­ti­ons­fonds dem zum Allein­ver­trieb des Films berech­tig­ten Lizenz­neh­mer einen Ein­mal­be­trag für Medi­en-, Mar­ke­ting- und Kino­start­kos­ten, kann dar­in unge­ach­tet der Bezeich­nung als ver­lo­re­ner Zuschuss die Gewäh­rung eines par­tia­ri­schen Dar­le­hens gese­hen wer­den, wenn mit der Zah­lung eine Erhö­hung der Lizenz­ge­büh­ren ver­bun­den und die Rück­zah­lung des Betra­ges abge­si­chert ist.

Der Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schuss als par­tia­ri­sches Dar­le­hen

Vor­aus­set­zung hier­für ist, dass mit der Zah­lung eine Erhö­hung der Lizenz­ge­büh­ren ver­bun­den und die Rück­zah­lung des Betrags abge­si­chert ist.

In dem vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Urteils­fall hat­te ein Film­pro­duk­ti­ons­fonds in den USA Kino­s­piel­fil­me pro­du­zie­ren las­sen und mit deren Ver­trieb durch Lizenz­ver­trag eine nie­der­län­di­sche Fir­ma betraut. Der Fonds ver­pflich­te­te sich gegen erhöh­te Lizenz­ge­büh­ren zur Leis­tung eines erheb­li­chen Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schus­ses, wobei der Rück­fluss des hin­ge­ge­be­nen Betra­ges durch Bank­ga­ran­ti­en abge­si­chert war. Das Finanz­amt ver­sag­te dem Fonds den sofor­ti­gen Abzug des Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schus­ses als Betriebs­aus­ga­ben und ver­trat die Auf­fas­sung, der hin­ge­ge­be­ne Betrag sei in einem über die Lauf­zeit des Lizenz­ver­tra­ges line­ar auf­zu­lö­sen­den akti­ven Rech­nungs­ab­gren­zungs­pos­ten zu erfas­sen. Es berück­sich­tig­te dem­entspre­chend im Streit­jahr nur einen antei­li­gen Abzug der Kos­ten. Die hier­ge­gen gerich­te­te Kla­ge blieb sowohl vor dem Finanz­ge­richt Mün­chen wie auch letzt­in­stanz­lich vor dem Bun­des­fi­nanz­hof ohne Erfolg:

Der Bun­des­fi­nanz­hof gelang­te zu der Auf­fas­sung, in der Sache lie­ge ein par­tia­ri­sches Dar­le­hen vor, weil sich der Fonds die Gewäh­rung des Zuschus­ses durch erhöh­te Lizenz­zah­lun­gen habe ent­gel­ten las­sen und ange­sichts der gewähl­ten Ver­trags­kon­struk­ti­on kein Aus­fall­ri­si­ko zu tra­gen gehabt habe. Damit schied ein sofor­ti­ger vol­ler Abzug des hin­ge­ge­be­nen Zuschus­ses als Betriebs­aus­ga­be eben­so aus wie die erst­in­stanz­lich vom Finanz­ge­richt Mün­chen 1 ange­nom­me­ne antei­li­ge Berück­sich­ti­gung als akti­ver Rech­nungs­ab­gren­zungs­pos­ten. Auf­grund des im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren gel­ten­den Ver­bö­se­rungs­ver­bo­tes blieb es im Ergeb­nis jedoch beim antei­li­gen Abzug der Kos­ten für das Streit­jahr.

Die vom Finanz­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Aus­le­gung des Lizenz­ver­tra­ges, wonach der Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schuss als pri­va­ter (ver­lo­re­ner) Zuschuss auf­zu­fas­sen ist, ver­letzt die gesetz­li­chen Aus­le­gungs­re­geln sowie die Denk­ge­set­ze, wes­halb der BFH an sie nicht nach § 118 Abs. 2 FGO gebun­den ist.

In der Revi­si­ons­in­stanz ist die Aus­le­gung von Ver­trä­gen durch das Finanz­ge­richt nur dar­auf­hin zu über­prü­fen, ob die gesetz­li­chen Aus­le­gungs­re­geln sowie die Denk­ge­set­ze und Erfah­rungs­sät­ze beach­tet wur­den. Ver­letzt die vom Finanz­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Aus­le­gung die­se Maß­stä­be, so ist der BFH als Revi­si­ons­ge­richt an die Aus­le­gung des Finanz­ge­richt nicht gebun­den 2.

Die Aus­le­gung des Finanz­ge­richt, wonach es sich bei der Leis­tung des Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schus­ses um eine Aus­ga­be und nicht um die Aus­rei­chung einer Dar­le­hens­sum­me gemäß § 488 BGB bzw. § 607 BGB in der für den Streit­zeit­raum maß­ge­ben­den Fas­sung (BGB a.F.) unter Ver­ein­ba­rung einer Zweck­be­stim­mung über die Ver­wen­dung der Dar­le­hens­sum­me han­del­te, ver­letzt §§ 133, 157 BGB sowie die Denk­ge­set­ze.

Das Finanz­ge­richt ist im Rah­men der Aus­le­gung des Lizenz­ver­tra­ges zunächst auf der Grund­la­ge sei­ner Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen davon aus­ge­gan­gen, dass die getrof­fe­nen ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen bewirk­ten, dass die als Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schuss aus­ge­reich­te Geld­sum­me wie­der in das Ver­mö­gen der Klä­ge­rin zurück­ge­lang­te. Das Finanz­ge­richt hat aller­dings die Ver­ein­ba­rung eines zweck­ge­bun­de­nen Dar­le­hens des­halb ver­neint, weil die Leis­tung des Ver­mar­kungs­kos­ten­zu­schus­ses ihrem wirt­schaft­li­chen Gehalt nach nicht die Aus­rei­chung von Geld­mit­teln, um die­se zurück­zu­er­hal­ten, son­dern die Unter­stüt­zung der Durch­füh­rung von Wer­be- und Ver­triebs­maß­nah­men bezweckt habe, um die Gewinn­chan­cen der Klä­ge­rin über den Rück­erhalt des ein­ge­setz­ten Kapi­tals hin­aus­ge­hend zu opti­mie­ren.

Die­se Aus­le­gung hält revi­si­ons­ge­richt­li­cher Über­prü­fung nicht stand, denn ihr liegt die Annah­me zugrun­de, die mit einer Ver­wen­dungs­be­din­gung ver­bun­de­ne Hin­ga­be eines bestimm­ten Geld­be­tra­ges schlös­se bei neben die Rück­zah­lung des aus­ge­reich­ten Kapi­tals tre­ten­der Ver­ein­ba­rung erhöh­ter Gewinn­chan­cen in Form varia­bler Lizenz­er­trä­ge bzw. der Rea­li­sie­rung eines ver­blei­ben­den Markt­werts die Annah­me eines ein Dar­le­hens­ver­hält­nis begrün­den­den Gegen­sei­tig­keits­ver­hält­nis­ses aus. Das ist aber nicht der Fall, denn im Rechts­ver­kehr wer­den Dar­le­hen ‑wie ins­be­son­de­re das Bei­spiel von Bau­dar­le­hen zeigt- oft­mals unter der Bedin­gung ver­ge­ben, die Dar­le­hens­mit­tel für einen bestimm­ten Zweck zu ver­wen­den. Der Annah­me eines zweck­ge­bun­de­nen Dar­le­hens steht dabei nicht ent­ge­gen, dass der Ver­wen­dungs­zweck umschrie­ben, die zeit­li­che und/​oder betrags­mä­ßi­ge Ver­wen­dung der hin­ge­ge­be­nen Mit­tel aber in das Ermes­sen des Dar­le­hens­neh­mers gestellt ist. Der Dar­le­hens­neh­mer ist nach § 488 Abs. 1 Satz 2 BGB zur Zah­lung eines Zin­ses ver­pflich­tet. Als sol­cher Zins kommt neben oder anstel­le eines fes­ten Zin­ses eine Gewinn­be­tei­li­gung des Dar­le­hens­ge­bers ‑etwa in Form einer fes­ten Betei­li­gung an Ver­kaufs­ge­win­nen 3- im Rah­men eines sog. par­tia­ri­schen Dar­le­hens in Betracht 4. Bei einem sol­chen Dar­le­hen wei­chen die Par­tei­en von dem Grund­satz ab, dass die lauf­zeit­ab­hän­gi­ge Zins­zah­lung mit dem allein im Risi­ko des Dar­le­hens­neh­mers ste­hen­den wirt­schaft­li­chen Erfolg der durch die Valu­ta ermög­lich­ten Inves­ti­ti­on nichts zu tun haben soll 5. Es ist schließ­lich auch nicht aus­ge­schlos­sen, ein Dar­le­hen zugleich einer­seits mit Zweck­bin­dung und ande­rer­seits mit gewinn­ab­hän­gi­gem Ent­gelt zu ver­ein­ba­ren. Das gilt ins­be­son­de­re, wenn die Zweck­bin­dung ‑wie im Streit­fall die Vor­ga­be, die Dar­le­hens­va­lu­ta für die Bewer­bung etc. der betrof­fe­nen Fil­me ein­zu­set­zen- dazu dient, die Wahr­schein­lich­keit zu erhö­hen, dass ein gewinn­ab­hän­gi­ges Ent­gelt gezahlt wer­den kann.

Da die vom Finanz­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Aus­le­gung des Lizenz­ver­tra­ges, dass kein Dar­le­hens­ver­hält­nis ver­ein­bart sei, §§ 133, 157 BGB sowie die Denk­ge­set­ze ver­letzt, ist der Bun­des­fi­nanz­hof an sie nicht gebun­den; er ist des­halb frei dar­in, den Lizenz­ver­trag auf der Grund­la­ge der Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt selbst aus­zu­le­gen. Die­se Aus­le­gung ergibt, dass es sich bei der Hin­ga­be des Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schus­ses um die Ver­ein­ba­rung eines par­tia­ri­schen Dar­le­hens han­del­te, bei dem das Dar­lehens­ent­gelt in einer Betei­li­gung an erhöh­ten fixen bzw. varia­blen Lizenz­er­trä­gen bzw. den Erlö­sen aus der Ver­äu­ße­rung eines über die Schluss­zah­lung hin­aus­ge­hen­den Markt­werts bestand.

Gegen die Annah­me, dass die Klä­ge­rin ein par­tia­ri­sches Dar­le­hen hin­ge­ben woll­te, wür­de es spre­chen, wenn kei­ne Rück­erstat­tung des hin­ge­ge­be­nen Gel­des ver­ein­bart wor­den wäre, denn ein sol­cher Rück­for­de­rungs­an­spruch steht nach den gesetz­li­chen Vor­schrif­ten auch dem Inha­ber eines par­tia­ri­schen Dar­le­hens zu 6. So liegt der Streit­fall indes­sen nicht, denn das Finanz­ge­richt hat ‑ohne dass die Klä­ge­rin dies als feh­ler­haft gerügt hät­te- fest­ge­stellt, dass die Erträ­ge des hie­si­gen Fonds gemäß dem Betei­li­gungs­an­ge­bot über die Lauf­zeit von 14 Jah­ren zunächst mit Erlö­sen aus fes­ten Lizenz­zah­lun­gen von … €, einer Ein­mal­zah­lung als Schluss­zah­lung von … € und sons­ti­gem Ertrag (Ertrag aus bedingt rück­zahl­ba­rem Fremd­ka­pi­tal) von … € mit einer fes­ten Gesamt­sum­me von ins­ge­samt 245.325.000 € kon­zi­piert waren und dem zum Stand 31.05.2001 Auf­wen­dun­gen über die Lauf­zeit von … EUR für Her­stel­lungs­kos­ten, … € für den Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schuss, … € für Anlauf­kos­ten, … € für Fremd­ka­pi­tal und … € für lau­fen­de Kos­ten, mit­hin ins­ge­samt 202.593.000 € gegen­über­stan­den. Das Finanz­ge­richt hat zudem fest­ge­stellt, dass die Sum­men für Ertrag und Auf­wand tat­säch­lich sogar gerin­ger aus­fie­len, weil der Fremd­ka­pi­tal­be­darf deut­lich hin­ter dem zunächst ver­an­schlag­ten Bedarf zurück­blieb. Der aus die­sen Fest­stel­lun­gen gezo­ge­ne Schluss des Finanz­ge­richt, dass die ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen vor die­sem Hin­ter­grund wirt­schaft­lich dazu führ­ten, dass die als Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schuss aus­ge­reich­te Geld­sum­me als sol­che wie­der in das Ver­mö­gen der Klä­ge­rin zurück­ge­lang­te, ist inso­weit nicht nur mög­lich, son­dern nahe­lie­gend.

Aus dem Lizenz­ver­trag ergibt sich zudem, dass sich die Klä­ge­rin die Gewäh­rung des Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schus­ses durch eine Betei­li­gung an den erhöh­ten fixen und varia­blen Lizenz­ein­nah­men, an den Schluss­zah­lun­gen bzw. den Erlö­sen aus der Ver­äu­ße­rung eines über die Schluss­zah­lung hin­aus­ge­hen­den Markt­werts hat ent­gel­ten las­sen.

Anders als es die Klä­ge­rin dar­ge­stellt hat, hat sie nicht Wer­be- oder Mar­ke­ting­leis­tun­gen der C als Gegen­leis­tung für die Hin­ga­be des Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schus­ses zuge­sagt bekom­men. Dies ergibt sich aus Ziff. 14 (a) des Lizenz­ver­tra­ges, wonach der von der Klä­ge­rin hin­ge­ge­be­ne Betrag der Unter­stüt­zung der "Bewer­bungs, Rekla­me- und Ver­kaufs­för­de­rungs­rech­te" dien­te. Die C hat sich danach gera­de kei­ner Gegen­leis­tungs­ver­pflich­tung unter­wor­fen, son­dern ihr sind die im Ver­trag beschrie­be­nen Rech­te über­las­sen wor­den.

Im Lizenz­ver­trag ist zwar nicht expli­zit gere­gelt, wel­cher Anteil der Lizenz­zah­lun­gen bzw. der Schluss­zah­lun­gen als Gegen­leis­tung auf die Gewäh­rung des Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schus­ses ent­fällt. Das Finanz­ge­richt hat aller­dings ‑wenn auch im Rah­men der Prü­fung, ob ein akti­ver RAP gebil­det wer­den dür­fe- die den Aus­le­gungs­grund­sät­zen und auch den Denk­ge­set­zen bzw. Erfah­rungs­sät­zen ent­spre­chen­de Über­zeu­gung gewon­nen, dass sich nach dem wirt­schaft­li­chen Gehalt des Lizenz­ver­tra­ges ein Teil der Lizenz- bzw. der Schluss­zah­lun­gen als syn­al­lag­ma­tisch mit der Zah­lung des Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schus­ses ver­knüpft erweist, weil die Klä­ge­rin die fixen Lizenz­ein­nah­men sowie die Schluss­zah­lun­gen in der ver­ein­bar­ten Höhe und ggf. dar­über hin­aus die varia­blen Lizenz­zah­lun­gen sowie einen Erlös aus der Ver­äu­ße­rung eines über die Schluss­zah­lung hin­aus­ge­hen­den Markt­werts nur des­halb erhal­ten soll­te, weil sie sich zur Leis­tung des Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schus­ses ver­pflich­tet hat­te.

Für die vor­ge­nann­te Annah­me spricht in Über­ein­stim­mung mit der Wür­di­gung des Finanz­ge­richt bereits, dass der C nach Ziff. 14 (b) des Lizenz­ver­tra­ges ein eigen­stän­di­ges und ggf. ein­klag­ba­res Leis­tungs­recht auf die Gewäh­rung des Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schus­ses zustand. Ein an die Stel­le der Klä­ge­rin tre­ten­der Inves­tor wür­de sich nicht zu einer der­ar­tig umfas­sen­den Leis­tung bereit erklä­ren, ohne dafür eine den Rück­fluss der aus­ge­reich­ten Geld­sum­me sicher­stel­len­de Gegen­leis­tungs­ver­pflich­tung zu erhal­ten.

Für die Annah­me eines par­tia­ri­schen Dar­le­hens spricht vor allem aber maß­geb­lich, dass die Klä­ge­rin hin­sicht­lich des gewähr­ten Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schus­ses kein Aus­fall­ri­si­ko zu tra­gen hat­te. Das Finanz­ge­richt hat dazu zu Recht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass eine ordent­li­che Kün­di­gung des Lizenz­ver­tra­ges nicht vor­ge­se­hen und ein Been­di­gungs­recht im Fal­le von Leis­tungs­stö­run­gen nach Ziff. 21 (a) des Lizenz­ver­tra­ges allein der C ein­ge­räumt war. Ein Aus­fall­ri­si­ko konn­te aber inso­weit nicht ent­ste­hen, denn die die Amor­ti­sa­ti­on der Inves­ti­tio­nen der Klä­ge­rin bewir­ken­den Leis­tun­gen in Form (erhöh­ter) fixer Lizenz­zah­lun­gen und der Schluss­zah­lun­gen waren auch für den Fall der ordent­li­chen Been­di­gung des Lizenz­ver­tra­ges zu leis­ten und die erhöh­ten Zah­lun­gen waren zudem durch eine Bank­ga­ran­tie bis zum Schluss der Lauf­zeit des Ver­tra­ges abge­si­chert. Dazu hat das Finanz­ge­richt fest­ge­stellt, dass die von der Klä­ge­rin nach Ziff. 14 (b) des Lizenz­ver­tra­ges zuge­sag­te Zah­lung des Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schus­ses in die Risi­ko­be­wer­tung der über die Fer­tig­stel­lungs­ga­ran­tie erfol­gen­den Absi­che­rung ein­be­zo­gen war, indem die Gebühr für die Garan­tie gemäß Ziff. 11 der Garan­tie­ver­ein­ba­rung pro­zen­tu­al nach den direk­ten Her­stel­lungs­kos­ten (davon 5 %) und den MM & R‑Kosten (hier­von 2 %) bemes­sen wur­de.

Für die vor­ge­nann­te Aus­le­gung spre­chen aber auch die außer­halb des Ver­trags­schlus­ses lie­gen­den Umstän­de des Streit­fal­les: So hat die Klä­ge­rin in ihrem Schrei­ben vom 13.03.2001 an das Baye­ri­sche Staats­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen selbst aus­ge­führt, eine Amor­ti­sa­ti­on des Zuschus­ses erfol­ge durch die Erhö­hung der fixen Lizenz­ge­büh­ren und die Erhö­hung der Gewinn­chan­cen in Form varia­bler Lizenz­zah­lun­gen bzw. einer Mehr­erlös­be­tei­li­gung. Für die syn­al­lag­ma­ti­sche Ver­knüp­fung der Leis­tung des Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schus­ses mit der Zusa­ge erhöh­ter fixer Lizenz­ein­nah­men bzw. der Betei­li­gung an Gewinn­chan­cen in Form varia­bler Lizenz­zah­lun­gen bzw. einer Mehr­erlös­be­tei­li­gung spricht zudem, dass gegen­über dem Finanz­ge­richt erklärt wur­de, es hät­ten ursprüng­lich zwei Model­le zum Abschluss von Lizenz­ver­trä­gen zur Dis­po­si­ti­on gestan­den: einer­seits ein Modell ohne Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schuss mit nied­ri­gen Lizenz­er­trä­gen, ande­rer­seits ein Modell mit Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schuss und erhöh­ten Lizenz­er­trä­gen. Schließ­lich hat die Klä­ge­rin vor dem Finanz­ge­richt ‑wenn auch nur hin­sicht­lich der erhöh­ten fixen und varia­blen Lizenz­ge­büh­ren und nicht für die Schluss­zah­lun­gen- ein­ge­räumt, dass die­se wegen der Leis­tung des Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schus­ses erhöht wur­den.

Schließ­lich sind auch kei­ne Anhalts­punk­te erkenn­bar, die dafür sprä­chen, dass die Klä­ge­rin ohne die Gewäh­rung des Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schus­ses Lizenz­ein­nah­men und Schluss­zah­lun­gen in der ver­ein­bar­ten Höhe hät­te erzie­len kön­nen.

Da die Klä­ge­rin der C nach den vor­ste­hen­den Aus­füh­run­gen ein par­tia­ri­sches Dar­le­hen gewährt hat, waren im Streit­jahr weder in Höhe des vol­len Betra­ges des Ver­mark­tungs­kos­ten­zu­schus­ses Betriebs­aus­ga­ben anzu­set­zen noch war der Betrag nach Maß­ga­be des § 5 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 EStG antei­lig aktiv abzu­gren­zen. Viel­mehr hät­te die Klä­ge­rin die Dar­le­hens­hin­ga­be im Rah­men eines ergeb­nis­neu­tra­len Aktiv­tau­sches erfas­sen und das Dar­le­hen man­gels Aus­fall­ri­si­kos inso­weit in vol­ler Höhe akti­vie­ren müs­sen 7. Die von den Betei­lig­ten zu den Vor­aus­set­zun­gen eines akti­ven RAP auf­ge­wor­fe­nen Rechts­fra­gen sind somit nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich. Auch auf die Fra­ge, ob das Finanz­amt im Rah­men der Gewinn­ermitt­lung an die recht­li­che Beur­tei­lung gebun­den ist, die der vom Steu­er­pflich­ti­gen auf­ge­stell­ten Bilanz (und deren ein­zel­nen Ansät­zen) zugrun­de liegt, wenn die­se Beur­tei­lung aus der Sicht eines ordent­li­chen und gewis­sen­haf­ten Kauf­manns im Zeit­punkt der Bilanz­auf­stel­lung ver­tret­bar war, kommt es nach der ohne eine Über­gangs­lö­sung erfolg­ten Auf­ga­be des sub­jek­ti­ven Feh­ler­be­griffs durch den Beschluss des Gro­ßen Bun­des­fi­nanz­hofs des BFH vom 31.01.2013 – GrS 1/​10 8 nicht mehr an.

Da der Bun­des­fi­nanz­hof nach § 96 Abs. 1 Satz 2 FGO an einer Ver­bö­se­rung des ange­foch­te­nen Fest­stel­lungs­be­schei­des gehin­dert ist, ist es ihm ver­wehrt, den vom Finanz­amt für das Streit­jahr im Rah­men eines akti­ven RAP antei­lig gewinn­min­dernd berück­sich­tig­ten Betrag zu Las­ten der Klä­ge­rin zu kor­ri­gie­ren. Des­halb war die Revi­si­on nach § 126 Abs. 4 FGO zurück­zu­wei­sen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 21. Mai 2015 – IV R 25/​12

  1. FG Mün­chen, Urteil vom 23.05.2012 – 1 K 3735/​09[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 22.01.2004 – IV R 32/​03, BFH/​NV 2004, 1092, m.w.N.[]
  3. vgl. Ball­haus in BGB-RGRK, 12. Aufl., Vor § 607 Rz 67[]
  4. BFH, Urteil vom 27.01.1982 – I R 112/​78[]
  5. MünchKommBGB/K.P. Ber­ger, 6. Aufl., § 488 Rz 158[]
  6. BFH, Urteil vom 28.10.1981 – I R 25/​79, BFHE 134, 421, BSt­Bl II 1982, 186[]
  7. vgl. zu Film­för­der­kre­di­ten BFH, Urteil vom 20.09.1995 – X R 225/​93, BFHE 178, 434, BSt­Bl II 1997, 320[]
  8. BFHE 240, 162, BSt­Bl II 2013, 317[]