Die Auf­la­ge im Steu­er­straf­ver­fah­ren gegen einen Gesell­schaf­ter – und ihre Zah­lung durch die GbR

Die Zah­lung der gegen einen Gesell­schaf­ter im Steu­er­straf­ver­fah­ren fest­ge­setz­ten Auf­la­ge durch eine GbR ermög­licht kei­nen Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug bei der Per­so­nen­ge­sell­schaft. Denn die von der GbR für den Gesell­schaf­ter gezahl­te Auf­la­ge nach § 153a StPO gehört zu den nicht­ab­zieh­ba­ren Kos­ten der pri­va­ten Lebens­füh­rung des Gesell­schaf­ters (§ 12 Nr. 4 EStG) und min­dert den Gewinn der GbR nicht.

Die Auf­la­ge im Steu­er­straf­ver­fah­ren gegen einen Gesell­schaf­ter – und ihre Zah­lung durch die GbR

Zu den nicht­ab­zugs­fä­hi­gen Aus­ga­ben i.S. des § 12 Nr. 4 EStG gehö­ren neben den in einem Straf­ver­fah­ren fest­ge­setz­ten Geld­stra­fen unter ande­rem auch Leis­tun­gen zur Erfül­lung von Auf­la­gen und Wei­sun­gen, soweit die Auf­la­gen nicht ledig­lich der Wie­der­gut­ma­chung des durch die Tat ver­ur­sach­ten Scha­dens die­nen. Zu die­sen Leis­tun­gen gehö­ren auch Auf­wen­dun­gen zur Erfül­lung einer Auf­la­ge, nach wel­cher Zah­lun­gen an die Staats­kas­se oder an eine gemein­nüt­zi­ge Ein­rich­tung zu leis­ten sind -§ 153a Abs. 1 Nr. 2 StPO- 1. Die­se Zah­lun­gen haben im Gegen­satz zu scha­dens­wie­der­gut­ma­chen­den Auf­la­gen i.S. des § 153a Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 StPO, die ledig­lich eine zivil­recht­li­che Scha­dens­er­satz­pflicht nach­zeich­nen, fina­len Sank­ti­ons­cha­rak­ter 2 und sind ein der Geld­stra­fe ver­gleich­ba­res Übel, bei dem die Bezie­hung zur Per­son des Täters im Vor­der­grund steht 3. Auf­grund die­ser Täter­be­zo­gen­heit ist uner­heb­lich, ob die ver­meint­li­che Straf­tat im Zusam­men­hang mit der Tätig­keit für ein Unter­neh­men stand 4.

Die Zah­lung einer Auf­la­ge nach § 153a Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 StPO darf nach § 12 Nr. 4 EStG den Gewinn steu­er­recht­lich nicht min­dern. Über­nimmt eine Per­so­nen­ge­sell­schaft für ihren Gesell­schaf­ter die Zah­lung einer sol­chen Auf­la­ge, schei­det ein Abzug als Betriebs­aus­ga­be auch dann aus, wenn die frag­li­che Straf­tat im Zusam­men­hang mit dem Unter­neh­men der Gesell­schaft stand 5, selbst wenn die Gesell­schaft durch die Über­nah­me der Zah­lung einen Scha­den im Hin­blick auf ihren Ruf und ihr Anse­hen in der Öffent­lich­keit ver­hin­dern möch­te. Dies gilt bei frei­be­ruf­li­chen Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten umso mehr. Denn die­se wer­den durch das Enga­ge­ment, die Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten der ein­zel­nen Gesell­schaf­ter, also durch deren Per­sön­lich­keit geprägt. Gera­de mit der Per­so­nen­be­zo­gen­heit ist aber eben­so ein mög­li­ches straf­recht­li­ches Ver­schul­den ver­bun­den. Inso­fern ist der Wer­tung des § 12 Nr. 4 EStG auch auf der Ebe­ne der Gesell­schaft Vor­rang vor dem Scha­dens­ab­wen­dungs­in­ter­es­se der Gesell­schaft ein­zu­räu­men.

Nach die­sen Grund­sät­zen kann die Auf­la­ge des Gesell­schaf­ters zur Ein­stel­lung des gegen ihn gerich­te­ten Straf­ver­fah­rens wegen Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung den Gewinn der Klä­ge­rin nicht als Betriebs­aus­ga­be min­dern. Die Auf­la­ge zur Zah­lung eines Gesamt­be­tra­ges von 51.000 EUR ist ins­ge­samt eine sol­che nach § 153a Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 StPO und damit eine Auf­la­ge i.S. des § 12 Nr. 4 EStG. Denn es han­delt sich weder bei der Zah­lung an die Staats­kas­se noch bei der an die gemein­nüt­zi­ge Ein­rich­tung um Geld­zah­lun­gen zur Wie­der­gut­ma­chung eines ein­ge­tre­te­nen Ver­mö­gens­scha­dens. Die Höhe der zu zah­len­den Auf­la­ge wur­de nach den wirt­schaft­li­chen Ver­hält­nis­sen des Gesell­schaf­ters bemes­sen und ori­en­tiert sich gera­de nicht an der Höhe des Scha­dens aus der Steu­er­hin­ter­zie­hung des Man­dan­ten. Daher ver­bleibt es bei dem vom Finanz­amt fest­ge­stell­ten lau­fen­den Gewinn der Klä­ge­rin aus selb­stän­di­ger Arbeit.

Aus der Ent­schei­dung des VI. Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs vom 07.07.2004 6 folgt kei­ne abwei­chen­de Beur­tei­lung. Zum einen ist der VI. Senat inzwi­schen mit sei­nem Urteil vom 14.11.2013 7 von sei­ner in BFHE 208, 104, BSt­Bl II 2005, 367 geäu­ßer­ten Rechts­auf­fas­sung abge­rückt. Außer­dem stellt sich die Fra­ge, ob die Über­nah­me von Ver­war­nungs­gel­dern durch den Arbeit­ge­ber zu Arbeits­lohn führt, im Streit­fall nicht. Adres­sat der Auf­la­ge ist nicht ein Arbeit­neh­mer der Klä­ge­rin, son­dern ein Mit­un­ter­neh­mer. Daher ist es für den Streit­fall uner­heb­lich, ob die Straf­auf­la­gen ‑wären sie gegen einen Arbeit­neh­mer fest­ge­setzt wor­den- zu Arbeits­lohn füh­ren wür­den. Vor­lie­gend geht es zudem aus­schließ­lich um den Abzug der Straf­auf­la­gen als Betriebs­aus­ga­ben. Bezüg­lich des Wer­bungs­kos­ten­ab­zugs geht auch der VI. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs 8 davon aus, dass Auf­la­gen nach § 153a Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 StPO in kei­nem Fall abzieh­bar sind.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. Sep­tem­ber 2014 – VIII R 21/​11

  1. BFH, Urtei­le vom 22.07.1986 – VIII R 93/​85, BFHE 147, 346, BSt­Bl II 1986, 845, unter 1.d; vom 22.07.2008 – VI R 47/​06, BFHE 222, 448, BSt­Bl II 2009, 151, unter II. 2.b[]
  2. BFH, Urteil vom 15.01.2009 – VI R 37/​06, BFHE 224, 140, BSt­Bl II 2010, 111, unter II. 2.c[]
  3. BFH, Urtei­le in BFHE 147, 346, BSt­Bl II 1986, 845, mit wei­te­ren Aus­füh­run­gen; vom 14.04.1986 – IV R 260/​84, BFHE 146, 411, BSt­Bl II 1986, 518[]
  4. BFH, Urteil vom 31.07.1991 – VIII R 89/​86, BFHE 165, 260, BSt­Bl II 1992, 85[]
  5. BFH, Urteil in BFHE 165, 260, BSt­Bl II 1992, 85[]
  6. BFH, Urteil vom 07.07.2004 – VI R 29/​00, BFHE 208, 104, BSt­Bl II 2005, 367[]
  7. BFH, Urteil vom 14.11.2013 – VI R 36/​12, BFHE 243, 520, BSt­Bl II 2014, 278[]
  8. BFH, Urteil in BFHE 222, 448, BSt­Bl II 2009, 151[]