Die 1%-Regel für Fahr­ten zur Arbeits­stät­te – und die Berech­nung des Unterschiedsbetrags

Der posi­ti­ve Unter­schieds­be­trag gemäß § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 3 Halb­satz 1 EStG ist bei Anwen­dung der 1 %-Rege­lung auch dann unter Ansatz von 0,03 % des inlän­di­schen Lis­ten­prei­ses des Fahr­zeugs je Kalen­der­mo­nat zu berech­nen, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge im Monat durch­schnitt­lich weni­ger als 15 Fahr­ten zur Betriebs­stät­te unter­nom­men hat.

Die 1%-Regel für Fahr­ten zur Arbeits­stät­te – und die Berech­nung des Unterschiedsbetrags

Fahr­ten eines Gewinn­ermitt­lers zwi­schen Woh­nung und Betriebs­stät­te zäh­len zu des­sen betrieb­li­chen Fahr­ten1. Die mit die­sen Fahr­ten zusam­men­hän­gen­den Auf­wen­dun­gen sind gemäß § 4 Abs. 4 EStG grund­sätz­lich als Betriebs­aus­ga­ben abzugsfähig.

Gemäß § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 1 EStG dür­fen die Auf­wen­dun­gen für die Wege des Steu­er­pflich­ti­gen zwi­schen Woh­nung und Betriebs­stät­te abwei­chend vom Grund­satz den Gewinn nicht min­dern, soweit in den fol­gen­den Sät­zen der Vor­schrift nichts ande­res bestimmt ist.

Wer­den die Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Betriebs­stät­te mit einem zu mehr als 50 % betrieb­lich genutz­ten Kfz zurück­ge­legt, des­sen Pri­vat­nut­zung pau­schal nach der sog. 1 %-Rege­lung gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG zu besteu­ern ist, dür­fen auf­grund der Rück­aus­nah­me des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 3 Halb­satz 1 EStG Auf­wen­dun­gen für die Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Betriebs­stät­te den Gewinn nicht min­dern, soweit sich ein posi­ti­ver Unter­schieds­be­trag zwi­schen 0, 03 % des inlän­di­schen Lis­ten­prei­ses i.S. des § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG des Kfz im Zeit­punkt der Erst­zu­las­sung je Kalen­der­mo­nat für jeden Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter und dem sich nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG (der Ent­fer­nungs­pau­scha­le) erge­ben­den Betrag ergibt. Ermit­telt der Steu­er­pflich­ti­ge den Ent­nah­me­wert für die pri­va­te Nut­zung des Kfz nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 1 oder Satz 3 EStG nach der sog. Fahr­ten­buch­me­tho­de, tre­ten gemäß § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 3 Halb­satz 2 EStG an die Stel­le des mit 0, 03 % des inlän­di­schen Lis­ten­prei­ses ermit­tel­ten Betrags für Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Betriebs­stät­te die auf die­se Fahr­ten ent­fal­len­den tat­säch­li­chen Aufwendungen.

Zweck die­ser Gewinn­zu­rech­nun­gen gemäß § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 3 EStG ist, dass Gewinn­ermitt­ler für Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Betriebs­stät­te nicht mehr als die nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG pro Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter zu berück­sich­ti­gen­den Beträ­ge abzie­hen kön­nen. Dies wird tech­nisch über ein Betriebs­aus­ga­ben­ab­zugs­ver­bot erreicht, das die Auf­wen­dun­gen für die Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te nicht zum Abzug zulässt, soweit die­se die nach der Ent­fer­nungs­pau­scha­le abzugs­fä­hi­gen Beträ­ge über­stei­gen2. Die Gewinn­zu­rech­nung tritt neben die mit der 1 %-Rege­lung nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG besteu­er­te Pri­vat­nut­zung des Kfz3.

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Der Bun­des­fi­nanz­hof ging im hier ent­schie­de­nen Fall davon aus, dass ein posi­ti­ver Unter­schieds­be­trag gemäß § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 3 Halb­satz 1 EStG zu ermit­teln ist: Die Fahr­zeu­ge 1 und 2 wur­den im Streit­jahr jeweils zu mehr als 50 % betrieb­lich genutzt und gehör­ten zum (not­wen­di­gen) frei­be­ruf­li­chen Betriebs­ver­mö­gen der Klä­ge­rin. Die Klä­ge­rin hat für ihre Pri­vat­fahr­ten zutref­fend eine pau­scha­le Betriebs­ein­nah­me (Ent­nah­me) nach Maß­ga­be der sog. 1 %-Rege­lung gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG in Höhe von 4.428 € in der Gewinn­ermitt­lung erfasst4.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf5 ist im Streit­fall der Hin­zu­rech­nungs­be­trag gemäß § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 3 Halb­satz 1 EStG für jeden Kalen­der­mo­nat so zu ermit­teln, dass der gesetz­li­che Fak­tor von 0,03 % mit dem Lis­ten­preis des Fahr­zeugs und den Ent­fer­nungs­ki­lo­me­tern mul­ti­pli­ziert und hier­von der Betrag der Ent­fer­nungs­pau­scha­le abge­zo­gen wird. Eine teleo­lo­gi­sche Reduk­ti­on der Rege­lung ist ‑auch im Hin­blick auf die abwei­chen­de Aus­le­gung des § 8 Abs. 2 Satz 3 EStG durch den VI. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs- nicht geboten.

Bei Arbeit­neh­mern gel­ten für Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te mit einem betrieb­li­chen Fahr­zeug des Arbeit­ge­bers die fol­gen­den Grundsätze.

Gemäß § 8 Abs. 2 Satz 2 EStG führt die Über­las­sung eines betrieb­li­chen PKW des Arbeit­ge­bers zur pri­va­ten Nut­zung zu Arbeits­lohn gemäß § 19 EStG, der nach § 8 Abs. 2 Sät­ze 2 bis 5 EStG i.V.m. § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG ent­we­der nach der 1 %-Rege­lung oder nach der Fahr­ten­buch­me­tho­de zu bewer­ten ist6.

Kann das Kfz auch für Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te genutzt wer­den, erhöht sich der auf­grund der Über­las­sung des Fahr­zeugs zur Pri­vat­nut­zung anzu­set­zen­de Arbeits­lohn gemäß § 8 Abs. 2 Satz 3 EStG für jeden Kalen­der­mo­nat um 0, 03 % des Lis­ten­prei­ses i.S. des § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG für jeden Kilo­me­ter der Ent­fer­nung zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te. Der Zuschlag gemäß § 8 Abs. 2 Satz 3 EStG stellt einen Kor­rek­tur­pos­ten für den pau­scha­len Wer­bungs­kos­ten­ab­zug des Arbeit­neh­mers nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG dar7. Denn soweit vom Arbeit­neh­mer Wer­bungs­kos­ten für Wege zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te abge­zo­gen wer­den, han­delt es sich wegen der Kos­ten­tra­gung des Arbeit­ge­bers für den Dienst­wa­gen um den Arbeit­neh­mer tat­säch­lich nicht belas­ten­de Auf­wen­dun­gen. Ein ‑wei­te­rer- geld­wer­ter Vor­teil für Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te wird durch den Zuschlag nach § 8 Abs. 2 Satz 3 EStG hin­ge­gen nicht erfasst, da eine pri­va­te Nut­zung des Dienst­wa­gens mit unter­schied­li­cher Inten­si­tät (für rei­ne Pri­vat­fahr­ten zum einen und für gemischt ver­an­lass­te Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te zum ande­ren) nicht vor­stell­bar ist8.

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Die pau­scha­le Ermitt­lung des Kor­rek­tur­be­trags gemäß § 8 Abs. 2 Satz 3 EStG mit dem Fak­tor 0, 03 % je Kalen­der­mo­nat und Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter ist nach der gefes­tig­ten Recht­spre­chung des VI. Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs aber nur gerecht­fer­tigt, soweit sie die dem Wer­bungs­kos­ten­ab­zug nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG zugrun­de­lie­gen­de Typi­sie­rung fol­ge­rich­tig umsetzt und nach­voll­zieht. Der Fak­tor 0, 03 %, auf den § 8 Abs. 2 Satz 3 EStG abstellt, geht von einer durch­schnitt­li­chen Anzahl von 15 Fahr­ten je Monat zur ers­ten Arbeits­stät­te aus. Bei einer deut­lich gerin­ge­ren Anzahl von Fahr­ten steht nach der Recht­spre­chung des VI. Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs die pau­scha­lie­ren­de Ermitt­lung des Kor­rek­tur­be­trags im Wider­spruch zur Grund­an­nah­me der für die Aus­ga­ben­sei­te gel­ten­den Pau­scha­lie­rung des § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG nach der Ent­fer­nungs­pau­scha­le, die eine fahr­ten­be­zo­ge­ne Ermitt­lung des Wer­bungs­kos­ten­ab­zugs vor­sieht und durch den Zuschlag des § 8 Abs. 2 Satz 3 EStG kor­ri­giert wer­den soll. Wird der Dienst­wa­gen in erheb­lich gerin­ge­rem Umfang für Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te genutzt, hängt die Höhe des Zuschlags gemäß § 8 Abs. 2 Satz 3 EStG von der Anzahl der tat­säch­lich durch­ge­führ­ten Fahr­ten ab. Zur Ermitt­lung des Kor­rek­tur­be­trags ist in die­sen Fäl­len eine Ein­zel­be­wer­tung der Fahr­ten mit 0, 002 % des Lis­ten­prei­ses i.S. des § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG je Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter vor­zu­neh­men. Eine tag­ge­naue Ermitt­lung hat der VI. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs bis­lang bejaht, wenn ein Arbeit­neh­mer ein dienst­li­ches Kfz nur ein­mal pro Woche für Fahr­ten zur Arbeit nutzt9. Dem folgt die Finanz­ver­wal­tung mit einer noch wei­ter­ge­hen­den Rege­lung10.

Eine Über­tra­gung die­ser Recht­spre­chung des VI. Senats des BFH auf die Rege­lung des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 3 Halb­satz 1 EStG kommt nicht in Betracht.

Nach dem unmiss­ver­ständ­li­chen Geset­zes­wort­laut ist der Unter­schieds­be­trag für Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Betriebs­stät­te unab­hän­gig von der Anzahl der getä­tig­ten Fahr­ten mit dem Fak­tor „0,03 %“ des Lis­ten­prei­ses je Kalen­der­mo­nat und Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter zu ermit­teln. Für eine fahr­ten­be­zo­ge­ne Ermitt­lung i.S. der Recht­spre­chung des VI. Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs lässt das Gesetz kei­nen Raum. Es han­delt sich bei der für Fahr­zeu­ge des not­wen­di­gen Betriebs­ver­mö­gens anzu­wen­den­den 1 %-Rege­lung des § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 2 EStG um eine grund­sätz­lich zwin­gen­de, grob typi­sie­ren­de und pau­scha­lie­ren­de Bewer­tungs­re­ge­lung, die nur dann nicht gilt, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge von dem in § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 3 EStG vor­ge­se­he­nen Wahl­recht Gebrauch macht und die für das Kfz ins­ge­samt ent­ste­hen­den Auf­wen­dun­gen durch Bele­ge und das Ver­hält­nis der pri­va­ten zu den übri­gen Fahr­ten durch ein ord­nungs­ge­mä­ßes Fahr­ten­buch nach­weist11. Dies gilt auch für die Ermitt­lung des Kür­zungs­be­trags gemäß § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 3 Halb­satz 1 EStG, die glei­cher­ma­ßen pau­scha­lie­rend und typi­sie­rend aus­ge­stal­tet ist. Um die pau­scha­le Ermitt­lung nicht­ab­zugs­fä­hi­ger Betriebs­aus­ga­ben mit 0, 03 % des Lis­ten­prei­ses für Wege­auf­wen­dun­gen zwi­schen Woh­nung und Betriebs­stät­te zu ver­mei­den, räumt das Gesetz dem Steu­er­pflich­ti­gen in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 3 i.V.m. § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 3 EStG nur die Mög­lich­keit ein, ein Fahr­ten­buch zu füh­ren12.

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Der Bun­des­fi­nanz­hof hat auch kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken hin­sicht­lich die­ser Geset­zes­la­ge. Der pau­scha­lie­ren­den Ermitt­lung des Hin­zu­rech­nungs­be­trags in § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 3 Halb­satz 1 EStG liegt die Annah­me zugrun­de, dass der Steu­er­pflich­ti­ge die Betriebs­stät­te durch­schnitt­lich an min­des­tens 15 Tagen je Monat auf­sucht. Der gesetz­li­chen Typi­sie­rung und Pau­scha­lie­rung liegt damit als Leit­bild kein aty­pi­scher Fall zugrun­de, son­dern die Rege­lung ori­en­tiert sich rea­li­täts­ge­recht an einem typi­schen Fall. Ange­sichts der viel­fäl­ti­gen Lebens­sach­ver­hal­te, die die Abzugs­be­schrän­kung erfasst, des wei­ten Gestal­tungs­spiel­raums des Gesetz­ge­bers und der Mög­lich­keit, Nach­tei­le durch das Füh­ren eines Fahr­ten­buchs ver­mei­den zu kön­nen, erweist sich die Rege­lung damit als ver­fas­sungs­kon­form13.

Eine teleo­lo­gi­sche Reduk­ti­on der Rege­lung des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 3 Halb­satz 1 EStG nach dem Vor­bild des § 8 Abs. 2 Satz 3 EStG, wenn die Betriebs­stät­te an deut­lich weni­ger als 15 Tagen im Monat auf­ge­sucht wird, hält der Bun­des­fi­nanz­hof ange­sichts des­sen nicht für zulässig.

Eine teleo­lo­gi­sche Reduk­ti­on zielt dar­auf ab, den Gel­tungs­be­reich einer Norm mit Rück­sicht auf ihren Geset­zes­zweck gegen­über dem zu weit gefass­ten Wort­laut ein­zu­schrän­ken14. Gegen­über einer vom Wort­laut einer Rechts­norm abwei­chen­den Aus­le­gung ist aller­dings beson­de­re Zurück­hal­tung gebo­ten; sie kann nur in Betracht kom­men, wenn die auf den Wort­laut abge­stell­te Aus­le­gung zu einem sinn­wid­ri­gen Ergeb­nis füh­ren wür­de. Dage­gen ist es nicht Auf­ga­be einer lücken­fül­len­den Inter­pre­ta­ti­on ‑zu der auch die teleo­lo­gi­sche Reduk­ti­on gehört‑, rechts­po­li­ti­sche Feh­ler zu kor­ri­gie­ren, d.h. das Gesetz zu ver­bes­sern, obwohl es sich ‑gemes­sen an sei­nem Zweck- noch nicht als plan­wid­rig unvoll­stän­dig oder zu weit­ge­hend erweist15.

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Die Anwen­dung des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 3 Halb­satz 1 EStG führt aber nicht zu sinn­wid­ri­gen Ergeb­nis­sen, wenn sie auch in Fäl­len ange­wen­det wird, in denen der Steu­er­pflich­ti­ge die Betriebs­stät­te in einem Kalen­der­mo­nat an deut­lich weni­ger als 15 Tagen aufsucht.

Der Bun­des­fi­nanz­hof ver­kennt nicht, dass es sich bei den Rege­lun­gen in § 8 Abs. 2 Satz 3 EStG und § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 Satz 3 EStG im Kern um ver­gleich­ba­re Wer­bungs­kos­ten- und Betriebs­aus­ga­ben­ab­zugs­ver­bo­te han­delt16. Schließ­lich wird ‑auf­grund der für den Unter­halt des Fahr­zeugs unab­hän­gig von der Lauf­leis­tung anfal­len­den Gesamt­kos­ten- bei Ansatz des Fak­tors 0, 03 % die Dif­fe­renz zwi­schen dem Betrag der Ent­fer­nungs­pau­scha­le und dem Betrag der nicht abzugs­fä­hi­gen Betriebs­aus­ga­ben umso grö­ßer, je weni­ger Fahr­ten im Monat unter­nom­men wer­den; sie wird hin­ge­gen umso klei­ner, je mehr Fahr­ten unter­nom­men wer­den. Sach­lich rich­tig wäre es aber, wenn der nicht­ab­zugs­fä­hi­ge Teil der Kos­ten gerin­ger wür­de, je weni­ger Fahr­ten unter­nom­men wer­den17.

Gleich­wohl sind die oben dar­ge­leg­ten Vor­aus­set­zun­gen für eine teleo­lo­gi­sche Reduk­ti­on nicht gege­ben. Denn für Gewinn­ermitt­ler, die ohne­hin Auf­zeich­nungs- und Auf­be­wah­rungs­pflich­ten unter­lie­gen18, ist es weder unver­hält­nis­mä­ßig noch unzu­mut­bar, die Füh­rung eines Fahr­ten­bu­ches zu ver­lan­gen, um die Nach­tei­le der pau­scha­len Betriebs­aus­ga­ben­kür­zung in Höhe von 0, 03 % des Lis­ten­prei­ses pro Monat und Ent­fer­nungs­ki­lo­me­ter zu ver­mei­den, die sich bei weni­ger als 15 monat­li­chen Fahr­ten von der Woh­nung zur Betriebs­stät­te erge­ben. Dies gilt auch, obwohl in die­sem Fall die Anfor­de­run­gen an ein ord­nungs­ge­mä­ßes Fahr­ten­buch ins­ge­samt zu erfül­len sind und das Wahl­recht zur Fahr­ten­buch­me­tho­de ein­heit­lich aus­zu­üben ist19. Da der Steu­er­pflich­ti­ge die­ses gesetz­li­che Wahl­recht hat, stel­len sich bei der Anwen­dung des Geset­zes kei­ne sinn­wid­ri­gen Ergeb­nis­se ein und es bedarf kei­ner lücken­fül­len­den Ergän­zung des Geset­zes durch den Bundesfinanzhof.

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Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 12. Juni 2018 – VIII R 14/​15

  1. BFH, Beschluss vom 20.08.2015 – III B 108/​14, BFH/​NV 2015, 1575, Rz 11, m.w.N.[]
  2. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 12.06.2002 – XI R 55/​01, BFHE 199, 342, BStBl II 2002, 751; vom 22.09.2010 – VI R 57/​09, BFHE 231, 139, BStBl II 2011, 359, Rz 15; in BFH/​NV 2015, 1575, Rz 12[]
  3. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2015, 1575, Rz 11, m.w.N.[]
  4. s. zur Anwen­dung und Recht­fer­ti­gung der 1 %-Rege­lung BFH, Urteil vom 09.11.2017 – III R 20/​16, BFHE 260, 113, BStBl II 2018, 278, Rz 11 bis 14[]
  5. FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 27.08.2014 – 7 K 2207/​14 F[]
  6. BFH, Urteil vom 30.11.2016 – VI R 2/​15, BFHE 256, 116, BStBl II 2017, 1014, Rz 11, m.w.N.[]
  7. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. BFH, Urtei­le vom 04.04.2008 – VI R 68/​05, BFHE 221, 17, BStBl II 2008, 890; in BFHE 231, 139, BStBl II 2011, 359[]
  8. BFH, Urtei­le in BFHE 221, 17, BStBl II 2008, 890; in BFHE 231, 139, BStBl II 2011, 359[]
  9. BFH, Ent­schei­dun­gen vom 04.04.2008 – VI R 85/​04, BFHE 221, 11, BStBl II 2008, 887; in BFHE 221, 17, BStBl II 2008, 890; vom 31.01.2011 – VI B 130/​10, BFH/​NV 2010, 792[]
  10. BMF, Schrei­ben vom 01.04.2011 – IV C 5–S 2334/​08/​10010, BStBl I 2011, 301, unter 2.2, für die Jah­re ab 2011[]
  11. BFH, Urteil in BFHE 260, 113, BStBl II 2018, 278, Rz 11, 16[]
  12. s. FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 24.07.2014 – 11 K 1586/​13 F, EFG 2014, 1770; BMF, Schrei­ben vom 18.11.2009 – IV C 6‑S 2177/​07/​10004, BStBl I 2009, 1326, Rz 8; Blümich/​Wied, § 4 EStG Rz 813; Schmidt/​Loschelder, EStG, 37. Aufl., § 4 Rz 584; Mey­er in Beck’scher Online-Kom­men­tar EStG, § 4 Rz 2767.7; Spil­ker, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 4 Rz L 56; wohl auch Bode in Kirch­hof, EStG, 17. Aufl., § 4 Rz 212; für eine tag­ge­naue Ermitt­lung beim Gewinn­ermitt­ler wie im Rah­men des § 8 Abs. 2 Satz 3 EStG hin­ge­gen Scho­ber in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 4 EStG Rz 1372; Schiffers/​Köster/​Rindelaub, eKom­men­tar Stoll­fuß EStG, § 4 Rz 200; Sei­fert in Korn, § 4 EStG Rz 1037.1; Hal­ler­bach in Kanzler/​Kraft/​Bäuml/​Marx/​Hechtner, EStG, 3. Aufl., § 4 Rz 711[]
  13. vgl. zu den ver­fas­sungs­recht­li­chen Maß­stä­ben der Typi­sie­rungs- und Pau­scha­lie­rungs­be­fug­nis: BVerfG, Beschlüs­se vom 29.03.2017 – 2 BvL 6/​11, BVerfGE 145, 106, Rz 127; vom 06.07.2010 – 2 BvL 13/​09, BVerfGE 126, 268, Rz 46 bis 48[]
  14. BFH, Urtei­le vom 20.03.2003 – IV R 42/​00, BFHE 202, 438, BStBl II 2003, 798; vom 04.12 2001 – III R 47/​00, BFHE 197, 233, BStBl II 2002, 195; vom 20.11.2006 – VIII R 47/​05, BFHE 216, 103, BStBl II 2008, 69[]
  15. BFH, Urteil vom 07.04.1992 – VIII R 79/​88, BFHE 168, 111, BStBl II 1992, 786, Rz 32, m.w.N.[]
  16. BFH, Urteil in BFHE 231, 139, BStBl II 2011, 359, Rz 14 ff.[]
  17. Frotscher/​Watrin in Frotscher/​Geurts, EStG, § 4 Rz 750[]
  18. vgl. z.B. zur Gewinn­ermitt­lung gemäß § 4 Abs. 3 EStG BFH, Urtei­le vom 12.12 2017 – VIII R 5/​14, BFH/​NV 2018, 602; – VIII R 6/​14, BFH/​NV 2018, 606[]
  19. s. auch FG Düs­sel­dorf, Urteil in EFG 2014, 1770, Rz 42; ande­re Auf­fas­sung zur Rege­lung des § 8 Abs. 2 Satz 3 EStG für Arbeit­neh­mer: BFH, Urteil in BFHE 221, 17, BStBl II 2008, 890, unter 2.e[]