Kein Halb­ab­zugs­ver­bot bei ledig­lich sym­bo­li­schem Kauf­preis

Halb­ein­künf­te­ver­fah­ren und Halb­ab­zugs­ver­bot sind nicht anzu­wen­den, wenn objek­tiv wert­lo­se Antei­le aus buchungs­tech­ni­schen Grün­den zu einem sym­bo­li­schen Kauf­preis (z.B. von 1,- €) ver­äu­ßert wer­den.

Kein Halb­ab­zugs­ver­bot bei ledig­lich sym­bo­li­schem Kauf­preis

Gemäß § 3 Nr. 40 Satz 1 Buchst. c EStG ist die Hälf­te des Ver­äu­ße­rungs­prei­ses i.S. von § 17 Abs. 2 EStG steu­er­frei. Die hier­mit in wirt­schaft­li­chem Zusam­men­hang ste­hen­den Auf­wen­dun­gen sind nur zur Hälf­te abzu­zie­hen; denn nach § 3c Abs. 2 Satz 1 EStG dür­fen Betriebs­ver­mö­gens­min­de­run­gen, Betriebs­aus­ga­ben, Ver­äu­ße­rungs­kos­ten oder Wer­bungs­kos­ten, die mit den dem § 3 Nr. 40 EStG zugrun­de lie­gen­den Betriebs­ver­mö­gens­meh­run­gen oder Ein­nah­men in wirt­schaft­li­chem Zusam­men­hang ste­hen, unab­hän­gig davon, in wel­chem Ver­an­la­gungs­zeit­raum die Betriebs­ver­mö­gens­meh­run­gen oder Ein­nah­men anfal­len, bei der Ermitt­lung der Ein­künf­te nur zur Hälf­te abge­zo­gen wer­den. Ent­spre­chen­des gilt, wenn bei der Ermitt­lung der Ein­künf­te der Wert des Betriebs­ver­mö­gens oder des Anteils am Betriebs­ver­mö­gen oder die Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten oder der an deren Stel­le tre­ten­de Wert min­dernd zu berück­sich­ti­gen sind. Bei steu­er­frei­en Ein­nah­men soll kein dop­pel­ter steu­er­li­cher Vor­teil durch den zusätz­li­chen Abzug von unmit­tel­bar mit die­sen zusam­men­hän­gen­den Auf­wen­dun­gen erzielt wer­den 1.

Fal­len kei­ne Betriebs­ver­mö­gens­meh­run­gen oder Ein­nah­men an, kommt eine hälf­ti­ge Steu­er­be­frei­ung nach § 3 Nr. 40 EStG nicht in Betracht. Fol­ge­rich­tig tritt die nach § 3c Abs. 2 Satz 1 EStG maß­ge­ben­de Bedin­gung dafür, ent­spre­chen­de Auf­wen­dun­gen nur zur Hälf­te zu berück­sich­ti­gen, nicht ein. Denn die­ser Auf­wand steht nicht –wie dies § 3c Abs. 2 Satz 1 EStG schon dem Wort­laut nach für die hälf­ti­ge Kür­zung ver­langt– in wirt­schaft­li­chem Zusam­men­hang mit ledig­lich zur Hälf­te anzu­set­zen­den Ein­nah­men. Flie­ßen kei­ne Ein­nah­men zu, ist § 3c Abs. 2 Satz 1 EStG nicht anzu­wen­den und der Erwerbs­auf­wand in vol­lem Umfang abzieh­bar 2.

Kei­ne Ein­nah­men erzielt, wer objek­tiv wert­lo­se Antei­le zu einem sym­bo­li­schen Kauf­preis (z.B. von 1,- €) ver­äu­ßert. Die Par­tei­en des Ver­äu­ße­rungs­ver­trags ver­ein­ba­ren damit kein Ent­gelt für die Wert­hal­tig­keit der über­tra­ge­nen Antei­le, son­dern wäh­len die­se Gestal­tung regel­mä­ßig aus buchungs­tech­ni­schen Grün­den.

Vom bloß sym­bo­lisch ange­setz­ten Kauf­preis zu unter­schei­den sind Fäl­le, in denen Ver­äu­ße­rungs­ein­nah­men erzielt wer­den, auch wenn die­se von gerin­ger Höhe sind und der Ver­äu­ße­rer ins­ge­samt einen Ver­lust erlei­det. Hier sind Halb­ein­künf­te­ver­fah­ren und Halb­ab­zugs­ver­bot anzu­wen­den 3. Damit wird nicht etwa eine Gering­fü­gig­keits­gren­ze für die Anwen­dung des Halb­ab­zugs­ver­bots ein­ge­führt. Es geht nicht dar­um, ab wel­cher Höhe ein Ver­äu­ße­rungs­preis als für die Anwen­dung des Halb­ab­zugs­ver­bots erheb­lich zu erach­ten wäre, son­dern dar­um, ob ein einem Ver­äu­ße­rungs­preis von 0,- € gleich­zu­set­zen­der Kauf­preis für die Über­nah­me wert­lo­ser Antei­le im Rechts­ver­kehr aus buchungs­tech­ni­schen Grün­den ledig­lich sym­bo­li­sche Bedeu­tung zukommt.

Auch wenn einem Kauf­preis ledig­lich sym­bo­li­sche Funk­ti­on zukommt, liegt gleich­wohl eine ent­gelt­li­che Ver­äu­ße­rung i.S. von § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG vor; denn die­se ist auch dann anzu­neh­men, wenn objek­tiv wert­lo­se Antei­le ohne Gegen­leis­tung zwi­schen frem­den Drit­ten über­tra­gen wer­den 4.

Im hier ent­schie­de­nen Streit­fall führt der sym­bo­li­sche Kauf­preis von 1,- € nicht zu Ein­nah­men. Der sym­bo­li­sche Kauf­preis von 1,- € ist einem Ver­äu­ße­rungs­preis von 0,- € gleich zu erach­ten.

Der Preis von 1,- € wur­de nicht als Ent­gelt für die Wert­hal­tig­keit der über­tra­ge­nen Antei­le ver­ein­bart. Viel­mehr waren die Antei­le wert­los. Vor die­sem Hin­ter­grund haben die Ver­trags­par­tei­en die Gestal­tung "Ver­äu­ße­rung für 1,- €" aus buchungs­tech­ni­schen Grün­den gewählt. Das FG hat auch kei­ne Anhalts­punk­te für eine schenk­wei­se Über­las­sung der Antei­le fest­ge­stellt.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 6. April 2011 – IX R 61/​10

  1. BFH, Urteil vom 06.07.2005 – XI R 61/​04, BFHE 210, 332, BSt­Bl II 2006, 163[]
  2. BFH, Urtei­le vom 25.06.2009 – IX R 42/​08, BFHE 225, 445, BSt­Bl II 2010, 220; vom 14.07.2009 – IX R 8/​09, BFH/​NV 2010, 399; BFH, Beschluss vom 18.03.2010 – IX B 227/​09, BFHE 229, 177, BSt­Bl II 2010, 627[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 06.04.2011 – IX R 40/​10[]
  4. BFH, Urtei­le vom 18.08.1992 – VIII R 13/​90, BFHE 169, 90, BSt­Bl II 1993, 34; sowie vom 01.08.1996 – VIII R 4/​92, BFH/​NV 1997, 215; Schmid­t/We­ber-Grel­let, EStG, 29. Aufl., § 17 Rz 96, 100, jeweils m.w.N.; Ebling in Blü­mich, § 17 EStG Rz 131, m.w.N.; Gosch in Kirch­hof, EStG, 10. Aufl., § 17 Rz 40; Eilers/​R. Schmidt in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 17 EStG Rz 80, m.w.N.[]

Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.