Sanie­rungs­er­lass – und kei­ne Chan­ce für Alt­fäl­le

Nach zwei aktu­el­len Urtei­le des Bun­des­fi­nanz­hofs darf der sog. Sanie­rungs­er­lass des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen, durch den Sanie­rungs­ge­win­ne steu­er­lich begüns­tigt wer­den soll­ten, für die Ver­gan­gen­heit nicht ange­wen­det wer­den.

Sanie­rungs­er­lass – und kei­ne Chan­ce für Alt­fäl­le

Der Gro­ße Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs hat­te den sog. Sanie­rungs­er­lass mit Beschluss vom 28.11.20161 ver­wor­fen, weil er gegen den Grund­satz der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung ver­stößt. Das Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen hat die Finanz­äm­ter dar­auf­hin ange­wie­sen, den sog. Sanie­rungs­er­lass in allen Fäl­len, in denen die an der Sanie­rung betei­lig­ten Gläu­bi­ger bis (ein­schließ­lich) 8.02.2017 – dem Zeit­punkt der Ver­öf­fent­li­chung des Beschlus­ses des Gro­ßen Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs – end­gül­tig auf ihre For­de­run­gen ver­zich­tet haben, gleich­wohl wei­ter­hin unein­ge­schränkt anzu­wen­den2.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat nun ent­schie­den, dass die­se Anord­nung des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums in glei­cher Wei­se gegen den Grund­satz der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung ver­stößt wie der sog. Sanie­rungs­er­lass selbst. Eine sol­che Rege­lung hät­te nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs nur der Gesetz­ge­ber tref­fen kön­nen.

In den bei­den Urtei­len zugrun­de lie­gen­den Ver­fah­ren hat­ten die Klä­ger mit den jewei­li­gen Finanz­äm­tern dar­über gestrit­ten, ob in ihren Fäl­len die Vor­aus­set­zun­gen für einen Steu­er­erlass vor­lie­gen. Auf die­se Fra­ge ging der Bun­des­fi­nanz­hof in sei­nen bei­den Revi­si­ons­ur­tei­len gar nicht erst ein: Da die Anord­nung des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums gegen den Grund­satz der Gesetz­mä­ßig­keit der Ver­wal­tung ver­stößt, dür­fen Gerich­te den sog. Sanie­rungs­er­lass auch in Alt­fäl­len nicht anwen­den.

Mit dem Gesetz gegen schäd­li­che Steu­er­prak­ti­ken im Zusam­men­hang mit Rech­te­über­las­sun­gen vom 27.06.20173 sind inzwi­schen antrags­ge­bun­de­ne Steu­er­be­frei­ungs­tat­be­stän­de für Sanie­rungs­ge­win­ne geschaf­fen wor­den (§ 3a EStG und § 7b GewStG). Die­se Bestim­mun­gen fin­den jedoch auf Alt­fäl­le kei­ne Anwen­dung.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urtei­le vom 23. August 2017 – I R 52/​14 und X R 38/​15

  1. BFH, Beschluss vom 28.11.2016 – GrS 1/​15
  2. BMF, Schrei­ben vom 27.04.2017, BSt­Bl I 2017, 741
  3. BGBl I 2017, 2074, BSt­Bl I 2017, 1202
  4. BMF, Schrei­ben vom 27.03.2003 – IV A 6‑S 2140−8÷03, BSt­Bl I 2003, 240; ergänzt durch…

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