Akti­en­tausch – und die Besteue­rung der Bar­ab­fin­dung

Ein Bar­aus­gleich, der anläss­lich eines Akti­en­tau­sches für vor dem 1.01.2009 erwor­be­ne aus­län­di­sche Akti­en gezahlt wird, ist nicht gemäß § 20 Abs. 4a Satz 2 EStG 2009 in eine ein­kom­men­steu­er­pflich­ti­ge Divi­den­de umzu­qua­li­fi­zie­ren, wenn die Antei­le wegen Ablaufs der ein­jäh­ri­gen Ver­äu­ße­rungs­frist bereits steu­er­ent­strickt waren.

Akti­en­tausch – und die Besteue­rung der Bar­ab­fin­dung

Erhält ein Aktio­när einen Bar­aus­gleich anläss­lich eines Akti­en­tau­sches für vor dem 1.01.2009 erwor­be­ne aus­län­di­sche Akti­en, die wegen Ablaufs der ein­jäh­ri­gen Ver­äu­ße­rungs­frist bereits steu­er­ent­strickt waren, ist die Zah­lung nicht in eine ein­kom­men­steu­er­pflich­ti­ge Divi­den­de umzu­qua­lif­zie­ren.

Wird bei einem Akti­en­tausch zusätz­lich ein Bar­aus­gleich gezahlt, unter­liegt die­ser nach § 20 Abs. 4a Satz 2 EStG der Ein­kom­men­steu­er. Die Vor­schrift wur­de mit der Abgel­tungs­teu­er ein­ge­führt und ist erst­mals auf nach dem 31.12 2008 zuflie­ßen­de Kapi­tal­erträ­ge anzu­wen­den.

In dem hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te die Anle­ge­rin im Jahr 2006 Akti­en einer US-ame­ri­ka­ni­schen Fir­ma erwor­ben. Im Jahr 2009 erfolg­te auf­grund der Über­nah­me der Gesell­schaft ein Akti­en­tausch. Zusätz­lich wur­de der Anle­ge­rin auf­grund des Min­der­werts der beim Tausch erhal­te­nen Akti­en eine Bar­ab­fin­dung gezahlt. Das Finanz­amt leg­te die Bar­ab­fin­dung nach § 20 Abs. 4a Satz 2 EStG als Kapi­tal­ertrag i.S. des § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG der Besteue­rung zugrun­de.

Die hier­ge­gen erho­be­ne Kla­ge der Steu­er­pflich­ti­gen vor dem Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf hat­te Erfolg 1. Der Bun­des­fi­nanz­hof bestä­tig­te dies nun und wies die vom Finanz­amt ein­ge­leg­te Revi­si­on als unbe­grün­det zurück:

Nach dem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs setzt § 20 Abs. 4a Satz 2 EStG vor­aus, dass es sich bei dem Bar­aus­gleich um eine steu­er­ba­re Gegen­leis­tung han­delt. Dies war vor­lie­gend nicht der Fall. Da die Anle­ge­rin die ein­ge­tausch­ten Akti­en vor der Ein­füh­rung der Abgel­tungs­teu­er erwor­ben und län­ger als ein Jahr gehal­ten hat­te, unter­lag der Tausch der Akti­en, der einem Ver­äu­ße­rungs­ge­schäft gleich steht, nicht der Besteue­rung (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG a.F. i.V.m. § 52a Abs. 11 Satz 4 EStG). Eine Besteue­rung wür­de dazu füh­ren, dass der Gesetz­ge­ber in ver­fas­sungs­recht­lich unzu­läs­si­ger Wei­se auf bereits steu­er­ent­strick­te Akti­en zugreift.

Erhält der Steu­er­pflich­ti­ge bei einem Akti­en­tausch i.S. des § 20 Abs. 4a Satz 1 EStG zusätz­lich zu ein­ge­tausch­ten Akti­en eine Gegen­leis­tung, gilt die­se gemäß § 20 Abs. 4a Satz 2 EStG als Kapi­tal­ertrag i.S. des § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG. Zwar fin­det die Vor­schrift nach § 52a Abs. 10 Satz 10 EStG erst­mals auf nach dem 31.12 2008 zuflie­ßen­de Kapi­tal­erträ­ge Anwen­dung. Die Anwen­dung des § 20 Abs. 4a Satz 2 EStG setzt jedoch vor­aus, dass es sich um eine steu­er­ba­re Gegen­leis­tung für den Erhalt der Antei­le han­delt, da sich der Rege­lungs­ge­halt der Vor­schrift auf die Umqua­li­fi­zie­rung der Bar­kom­po­nen­te in eine Divi­den­de beschränkt. Sie begrün­det kein Besteue­rungs­recht für bereits steu­er­ent­strick­te Ver­mö­gens­wer­te 2. Andern­falls wür­de die Besteue­rung nach § 20 Abs. 4a Satz 2 EStG auf Ver­mö­gens­be­stän­de zugrei­fen, die nicht der Ein­kom­men­steu­er unter­lie­gen.

Danach unter­liegt der bei dem Akti­en­tausch gezahl­te Bar­aus­gleich in Höhe von ins­ge­samt 16.548, 54 EUR nicht der Besteue­rung. Die Anle­ge­rin hat den Bar­aus­gleich für den Mehr­wert der ein­ge­tausch­ten X‑Aktien erhal­ten, die sie vor dem 1.01.2009 ange­schafft hat­te und bei denen die Ver­äu­ße­rungs­frist nach § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG a.F. i.V.m. § 52a Abs. 11 Satz 4 EStG zum Zeit­punkt des Akti­en­tauschs und der Bar­zu­zah­lung bereits abge­lau­fen war. Der Wert­ge­halt der Akti­en unter­lag danach nicht mehr der Besteue­rung, so dass die Umqua­li­fi­zie­rung nach § 20 Abs. 4a Satz 2 EStG nicht greift. Ob im vor­lie­gen­den Fall die Vor­aus­set­zun­gen des § 20 Abs. 4a Satz 1 EStG beim Tausch der Akti­en ‑wie vom Finanz­ge­richt ange­nom­men- erfüllt waren, kann danach offen­blei­ben.

Die­se Aus­le­gung ist auch aus ver­fas­sungs­recht­li­chen Grün­den gebo­ten, da die Besteue­rung des Bar­aus­gleichs zu einem ver­fas­sungs­recht­lich unzu­läs­si­gen Zugriff des Fis­kus auf bereits steu­er­ent­strick­te Ver­mö­gens­po­si­tio­nen füh­ren wür­de.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (BVerfG) zur Unzu­läs­sig­keit von rück­wir­ken­den Geset­zen ver­stößt eine Besteue­rung gegen die ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­sät­ze des Ver­trau­ens­schut­zes und ist nich­tig, soweit sie auf Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de zugreift, die nach der zuvor gel­ten­den Rechts­la­ge bereits steu­er­ent­strickt waren und bis zum Zeit­punkt der Ver­kün­dung der neu­en gesetz­li­chen Rege­lung steu­er­frei rea­li­siert wor­den sind oder steu­er­frei hät­ten rea­li­siert wer­den kön­nen 3. Danach wür­de die Umqua­li­fi­zie­rung des Bar­aus­gleichs gemäß § 20 Abs. 4a Satz 2 EStG in einen nach § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG zu besteu­ern­den Kapi­tal­ertrag zu einer ver­fas­sungs­recht­lich unzu­läs­si­gen Besteue­rung der Akti­en der Anle­ge­rin füh­ren, für die die ein­jäh­ri­ge Hal­te­frist des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG a.F. zum Zeit­punkt der Ver­kün­dung des Jah­res­steu­er­ge­set­zes 2009 am 24.12 2008, mit dem die Rege­lung des § 20 Abs. 4a EStG ein­ge­führt wur­de, bereits abge­lau­fen war.

Hin­rei­chend gewich­ti­ge Grün­de, die geeig­net wären, die nach­träg­li­che ein­kom­men­steu­er­recht­li­che Belas­tung der bereits steu­er­ent­strick­ten Akti­en durch die Besteue­rung des Bar­aus­gleichs zu recht­fer­ti­gen, sind nicht erkenn­bar. Die Rege­lung des § 20 Abs. 4a EStG soll­te nach der Geset­zes­be­grün­dung dazu füh­ren, die Abgel­tungs­teu­er für Steu­er­pflich­ti­ge und quel­len­steu­er­ab­zugs­ver­pflich­te­te Kre­dit­in­sti­tu­te bei einem Akti­en­tausch prak­ti­ka­bel aus­zu­ge­stal­ten 4. Hier­aus ergibt sich jedoch kei­ne Recht­fer­ti­gung für den steu­er­li­chen Zugriff auf den Bar­aus­gleich beim Tausch end­gül­tig steu­er­ent­strick­ter Akti­en. Ein sol­cher ist ange­sichts der durch § 32d Abs. 4 EStG geschaf­fe­nen Mög­lich­keit, den Steu­er­ein­be­halt im Fest­set­zungs­ver­fah­ren rück­gän­gig zu machen, auch nicht erfor­der­lich.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 20. Okto­ber 2016 – VIII R 10/​13

  1. FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 11.12.2012 – 10 K 4059/​10 E[]
  2. so auch Jachmann/​Lindenberg in Lade­mann, EStG, § 20 EStG Rz 803; Bei­nert, GmbH-Rund­schau 2012, 291, 295 f.; im Ergeb­nis eben­so Buge in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 20 EStG Rz 585; Jochum, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 20 Rz Fa 25; Dötsch/​Werner in Dötsch/​Pung/​Möhlenbrock, Kom­men­tar zum KStG und EStG, § 20 EStG Rz 299a; von Beckerath in Kirch­hof, EStG, 15. Aufl., § 20 Rz 160; Schmid­t/We­ber-Grel­let, EStG, 35. Aufl., § 20 Rz 163; Blümich/​Ratschow, § 20 EStG Rz 434; Wüllenk­em­per, EFG 2013, 522 f.; Schießl in Widmann/​Mayer, Umwand­lungs­recht, § 13 UmwStG Rz 379; Bron, Deut­sches Steu­er­recht ‑DStR- 2014, 353, 355 f.; a.A. Tros­sen in Rödder/​Herlinghaus/​van Lishaut, UmwStG, 2. Aufl., Anh. 11 Rz 103; Stein­lein, DStR 2009, 509, 510 f.; Ben­ecke und Schnit­ger, Die Unter­neh­mens­be­steue­rung 2011, 1, 11[]
  3. z.B. BVerfG, Beschluss vom 07.07.2010 2 BvL 14/​02, 2 BvL 2/​04, 2 BvL 13/​05, BVerfGE 127, 1, 21 ff.[]
  4. BT-Drs. 16/​10189, S. 50; BT-Drs. 16/​11108, S. 16[]

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