Auf­he­bung einer Kin­der­geld­fest­set­zung – und die rich­ti­ge Kla­ge­art

Die gegen die Auf­he­bung einer Kin­der­geld­fest­set­zung und auf Wei­ter­ge­wäh­rung des Kin­der­gel­des gerich­te­te Kla­ge ist eine Anfech­tungs­kla­ge.

Auf­he­bung einer Kin­der­geld­fest­set­zung – und die rich­ti­ge Kla­ge­art

Bei der Auf­he­bung einer Kin­der­geld­fest­set­zung fehlt es für eine auf Wei­ter­ge­wäh­rung des Kin­der­gel­des gerich­te­te Ver­pflich­tungs­kla­ge am Rechts­schutz­be­dürf­nis, weil das Rechts­schutz­ziel mit einer Anfech­tungs­kla­ge auf dem pro­zes­su­al ein­fa­che­ren Weg erreicht wer­den kann 1. Wenn die Auf­he­bung einer Steu­er­fest­set­zung ihrer­seits auf­ge­ho­ben wird, lebt die ursprüng­li­che Steu­er­fest­set­zung wie­der auf 2. Ent­spre­chen­des gilt für das Kin­der­geld als Steu­er­ver­gü­tung (§ 31 Satz 3 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes ‑EStG‑, § 155 Abs. 4 der Abga­ben­ord­nung). Die posi­ti­ve Kin­der­geld­fest­set­zung hat als Ver­wal­tungs­akt mit Dau­er­wir­kung Bin­dungs­wir­kung für die Zukunft 3. Dem­ge­gen­über könn­te eine Neu­fest­set­zung nach erfolg­rei­cher Ver­pflich­tungs­kla­ge erst durch die Fami­li­en­kas­se erfol­gen.

Eine Bin­dung der Fami­li­en­kas­se über den Zeit­punkt der Ein­spruchs­ent­schei­dung hin­aus könn­te auch durch eine Ver­pflich­tungs­kla­ge nicht bewirkt wer­den. Das Finanz­ge­richt kann den Anspruch auf Kin­der­geld grund­sätz­lich nur in dem Umfang in zuläs­si­ger Wei­se zum Gegen­stand einer Inhalts­kon­trol­le machen, in dem die Fami­li­en­kas­se den Kin­der­geld­an­spruch gere­gelt hat 4. Im Fal­le des Ein­spruchs gegen einen Auf­he­bungs- oder Ände­rungs­be­scheid reicht die Rege­lungs­wir­kung in zeit­li­cher Hin­sicht bis zum Ende des Monats der Bekannt­ga­be der Ein­spruchs­ent­schei­dung 5.

Unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen ist bei einer an der Ver­nunft und der recht ver­stan­de­nen Inter­es­sen­la­ge aus­ge­rich­te­ten Rechts­schutz (Art.19 Abs. 4 GG) gewäh­ren­den Aus­le­gung 6 der sei­nem Wort­laut nach auf eine "Ver­pflich­tung" gerich­te­te Teil des Antrags dahin zu ver­ste­hen, dass eine Wei­ter­ge­wäh­rung von Kin­der­geld ange­strebt wird.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 3. Juli 2014 – III R 53/​13

  1. vgl. BFH, Urteil vom 20.12 2000 – III R 17/​97, BFH/​NV 2001, 914[]
  2. BFH, Urteil vom 09.12 2004 – VII R 16/​03, BFHE 208, 37, BSt­Bl II 2006, 346[]
  3. BFH, Urteil vom 03.03.2011 – III R 11/​08, BFHE 233, 41, BSt­Bl II 2011, 722[]
  4. BFH, Urteil vom 22.12 2011 – III R 41/​07, BFHE 236, 144, BSt­Bl II 2012, 681[]
  5. BFH, Urteil vom 04.08.2011 – III R 71/​10, BFHE 235, 203, BSt­Bl II 2013, 380[]
  6. vgl. BFH, Urteil vom 27.01.2011 – III R 65/​09, BFH/​NV 2011, 991[]