Beruf­li­cher Unfall­scha­den und die unter­blie­be­ne Repa­ra­tur

Erlei­det ein nicht­selb­stän­dig täti­ger Steu­er­pflich­ti­ger mit sei­nem pri­va­ten PKW auf einer Fahrt zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te einen Unfall und ver­äu­ßert er das Unfall­fahr­zeug in nicht repa­rier­tem Zustand, bemisst sich der als Wer­bungs­kos­ten abzieh­ba­re Betrag nach der Dif­fe­renz zwi­schen dem rech­ne­risch ermit­tel­ten fik­ti­ven Buch­wert vor dem Unfall und dem Ver­äu­ße­rungs­er­lös.

Beruf­li­cher Unfall­scha­den und die unter­blie­be­ne Repa­ra­tur

In dem jetzt vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Rechts­streit erlitt der Klä­ger auf dem Weg zwi­schen Arbeits­stät­te und Woh­nung einen Ver­kehrs­un­fall. An sei­nem Fahr­zeug ent­stand ein erheb­li­cher Scha­den. Die Repa­ra­tur­kos­ten hät­ten ca. 10.000 DM betra­gen. Der Wagen hat­te nach den Anga­ben des Klä­gers vor dem Unfall einen Zeit­wert von 11.500 DM. Der Klä­ger ver­äu­ßer­te das Fahr­zeug jedoch in nicht repa­rier­tem Zustand für 3.500 DM. Die Dif­fe­renz von 8.000 DM zwi­schen dem Zeit­wert vor Unfall und dem Ver­äu­ße­rungs­er­lös mach­te der Klä­ger als Wer­bungs­kos­ten gel­tend.

Der Bun­des­fi­nanz­hof bestä­tig­te nun, dass für die Berech­nung des als Wer­bungs­kos­ten abzieh­ba­ren Sub­stanz­scha­dens (bei unter­blie­be­ner Repa­ra­tur) nicht vom Zeit­wert des Fahr­zeugs vor dem Unfall, son­dern von den um fik­ti­ve Abset­zun­gen für Abnut­zung gemin­der­ten Anschaf­fungs­kos­ten (fik­ti­ver Buch­wert) aus­zu­ge­hen ist. Das ergibt sich für den Bun­des­fi­nanz­hof aus § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 7 EStG. Nach die­ser Vor­schrift sind Abset­zun­gen für Abnut­zung (AfA) und für Sub­stanz­ver­rin­ge­rung sowie erhöh­te Abset­zun­gen Wer­bungs­kos­ten. Die Vor­schrift ver­weist in vol­lem Umfang auf die Vor­schrift über Abset­zung für Abnut­zung oder Sub­stanz­ver­rin­ge­rung in § 7 EStG. Nach der Sys­te­ma­tik des § 7 EStG war im Streit­fall eine Abset­zung für außer­ge­wöhn­li­che Abnut­zung gege­ben, für deren Bewer­tung vom Buch­wert aus­zu­ge­hen ist.

Bei der Ermitt­lung der Ein­künf­te des Klä­gers aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit ist der Wert­ver­lust sei­nes PKW in Höhe der Dif­fe­renz zwi­schen den Zeit­wer­ten vor und nach dem Unfall nicht als Wer­bungs­kos­ten abzu­zie­hen.

Erlei­det ein nicht­selb­stän­dig täti­ger Steu­er­pflich­ti­ger mit sei­nem pri­va­ten PKW auf einer Fahrt zwi­schen Woh­nung und Arbeits­stät­te einen Unfall, so kann er den dadurch ent­stan­de­nen Scha­den zwar als –durch die Ein­künf­te­er­zie­lung aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit ver­an­lass­ten– Fahrt­auf­wand nach § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG abzie­hen 1. Die­ser Abzug ist aber –wenn das Fahr­zeug wie hier nach dem Unfall unre­pa­riert ver­äu­ßert wird– ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Klä­ger nicht mit der Dif­fe­renz zwi­schen den Wie­der­be­schaf­fungs­wer­ten für den PKW vor und nach dem Unfall zu bemes­sen, son­dern mit der Dif­fe­renz zwi­schen dem rech­ne­ri­schen Buch­wert vor dem Unfall (Anschaf­fungs­kos­ten abzüg­lich fik­ti­ver Abset­zung für Abnut­zung –AfA – ) und dem Ver­äu­ße­rungs­er­lös.

Dies folgt aus der Rege­lung in § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 7 EStG zur Abzieh­bar­keit von "Abset­zun­gen für Abnut­zung und für Sub­stanz­ver­rin­ge­rung und erhöh­te Abset­zun­gen" als Wer­bungs­kos­ten.

Die Vor­schrift nimmt damit zum einen für die AfA auf § 7 Abs. 1 Satz 1 EStG Bezug; danach ist bei Wirt­schafts­gü­tern, deren Ver­wen­dung oder Nut­zung zur Ein­künf­te­er­zie­lung sich erfah­rungs­ge­mäß auf einen Zeit­raum von mehr als einem Jahr –wie bei Kraft­fahr­zeu­gen– erstreckt, jeweils für ein Jahr (nur) der Teil der Anschaf­fungs- und Her­stel­lungs­kos­ten abzu­set­zen, der bei gleich­mä­ßi­ger Ver­tei­lung die­ser Kos­ten auf die Gesamt­dau­er der Ver­wen­dung oder Nut­zung auf ein Jahr ent­fällt.

Zum ande­ren nimmt sie durch ihren Ver­weis auf "erhöh­te Abset­zun­gen" auf die Rege­lung in § 7 Abs. 1 Satz 6 EStG (heu­te § 7 Abs. 1 Satz 7 EStG) zur Zuläs­sig­keit einer AfaA Bezug.

Die­se AfaA ist auf­grund des sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hangs mit der AfA-Rege­lung in Satz 1 der Vor­schrift nach dem Wert zu bestim­men, um den der im Jahr des Scha­dens­ein­tritts vor­han­de­ne Rest­buch­wert des geschä­dig­ten Wirt­schafts­guts durch das schä­di­gen­de Ereig­nis gemin­dert wird 2. Für ein bereits nach § 7 Abs. 1 Satz 1 EStG abge­schrie­be­nes Kfz –wie das im Streit­fall betrof­fe­ne Fahr­zeug– kommt danach eine AfaA nicht mehr in Betracht 3.

Dem­entspre­chend ist die Höhe des steu­er­lich absetz­ba­ren Unfall­scha­dens auch im Streit­fall, in dem es um ein Kfz des Pri­vat­ver­mö­gens geht, nach Maß­ga­be des § 7 Abs. 1 Satz 6 (heu­te Satz 7) EStG mit der Dif­fe­renz zwi­schen dem rech­ne­risch ermit­tel­ten fik­ti­ven Buch­wert vor dem Unfall (Anschaf­fungs­kos­ten abzüg­lich fik­ti­ver AfA) und dem Wert des Fahr­zeugs nach dem Unfall zu bemes­sen 4.

Die frü­he­re Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs, wonach die Dif­fe­renz zwi­schen Zeit­wert vor und nach dem Unfall als Wer­bungs­kos­ten abge­zo­gen wer­den konn­te 5 ist mit­hin durch neue­re Recht­spre­chung auch im Bereich der Über­schus­s­ein­künf­te über­holt 6.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 21. August 2012 – VIII R 33/​09

  1. BFH, Urteil vom 28.10.1994 – VI R 54/​94, BFH/​NV 1995, 668, m.w.N.[]
  2. Nol­de in Herrmann/​Heuer/​Raupach –HHR – , § 7 EStG Rz 259, m.w.N.[]
  3. Blümich/​Brandis, § 7 EStG Rz 399[]
  4. BFH, Beschluss vom 09.01.2002 – VI B 222/​01, unter Bezug­nah­me auf BFH, Urteil vom 24.11.1994 – IV R 25/​94, BFHE 176, 379, BSt­Bl II 1995, 318; HHR/​Nolde, § 7 EStG Rz 259[]
  5. BFH, Urtei­le vom 09.11.1979 – VI R 156/​77, BFHE 129, 143, BSt­Bl II 1980, 71, und vom 19.03.1982 – VI R 25/​80, BFHE 135, 479, BSt­Bl II 1982, 442[]
  6. vgl. BFH, Urteil vom 30.06.1995 – VI R 26/​95, BFHE 178, 171, BSt­Bl II 1995, 744, m.w.N.[]