Beschränk­te Abzieh­bar­keit von Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat jetzt in meh­re­ren Urtei­len die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit der beschränk­ten Abzieh­bar­keit von Bei­trä­gen zur gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung, von sons­ti­gen Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen sowie des Grund­frei­be­trags 2005 bestä­tigt.

Beschränk­te Abzieh­bar­keit von Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen

Im zeit­li­chen Gel­tungs­be­reich des Alters­ein­künf­te­ge­set­zes geleis­te­te Bei­trä­ge zu den gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­run­gen und zu berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen sind als Son­der­aus­ga­ben nur beschränkt abzieh­bar. Hier­ge­gen bestehen kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken.

Es ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den, dass Alters­vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen i.S. des § 10 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a EStG i.d.F. des Alters­ein­künf­te­ge­set­zes nicht als Frei­be­trag auf der Lohn­steu­er­kar­te ein­ge­tra­gen wer­den kön­nen.

Bei­trä­ge zur gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung[↑]

Der Bun­des­fi­nanz­hof hält an sei­ner bereits 2006 ver­tre­te­nen Auf­fas­sung 1 fest, dass im Anwen­dungs­be­reich des Alters­ein­künf­te­ge­set­zes (Alt­Ein­kG) ab dem 1. Janu­ar 2005 geleis­te­te Bei­trä­ge zu den gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­run­gen und ande­re Alters­vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen ledig­lich in beschränk­tem Umfang als Son­der­aus­ga­ben abge­zo­gen wer­den kön­nen.

Die Rege­lung über die begrenz­te Abzieh­bar­keit von sons­ti­gen Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen (§ 10 Abs. 1 Nr. 3, Abs. 4 EStG i.d.F. des Alters­ein­künf­te­ge­set­zes) ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den.

Im Alt­Ein­kG beur­teilt der Gesetz­ge­ber auf Alters­vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen beru­hen­de Ren­ten­ein­nah­men ab dem Jahr 2005 abwei­chend von der bis dahin gel­ten­den Rechts­la­ge als steu­er­ba­re Ein­nah­men. Die Alters­vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen sind nach Auf­fas­sung des BFH begriff­lich daher im Wesent­li­chen Erwerbs­auf­wen­dun­gen; der Gesetz­ge­ber habe die­se Auf­wen­dun­gen aber durch eine gesetz­li­che Son­der­re­ge­lung dem Son­der­aus­ga­ben­ab­zug zuge­ord­net („Dop­pel­na­tur“ der Alters­vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen).

Der Bun­des­fi­nanz­hof hält dies für ver­fas­sungs­ge­mäß. Ab dem Jahr 2025 sei­en sol­che Auf­wen­dun­gen von Son­der­fäl­len abge­se­hen in vol­lem Umfang als Son­der­aus­ga­ben steu­er­wirk­sam zu berück­sich­ti­gen. Auch die bis dahin gel­ten­de Über­gangs­re­ge­lung sei nicht zu bean­stan­den. Nach die­ser sei­en zwar im Jahr 2005 nur 60 % der Alters­vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen anzu­set­zen, wobei die­ser Pro­zent­satz jähr­lich um 2 % bis auf 100 % anstei­ge. Die­se gesetz­li­che Neu­re­ge­lung sei hin­nehm­bar, weil in jedem Ein­zel­fall gewähr­leis­tet wer­den müs­se, dass Ren­ten­ein­nah­men, die auf bereits ver­steu­er­tem Ein­kom­men beru­hen, nicht erneut der Besteue­rung unter­wor­fen wer­den dür­fen. Ob eine unzu­läs­si­ge Dop­pel­be­steue­rung vor­lie­ge, wer­de aber erst in den Jah­ren geprüft, in denen die Ren­ten­ein­nah­men zuflös­sen.

Sons­ti­ge Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen[↑]

Dar­über hin­aus hält der Bun­des­fi­nanz­hof auch die Rege­lung über die Abzieh­bar­keit von sons­ti­gen Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen für ver­fas­sungs­ge­mäß.

Der im Jahr 2005 im Fall der Zusam­men­ver­an­la­gung zu berück­sich­ti­gen­de Grund­frei­be­trag ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den.

Zu den sons­ti­gen Vor­sor­ge­auf­wen­dun­gen i.S. des § 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG in der ab dem Jahr 2005 gel­ten­den Fas­sung gehö­ren Bei­trä­ge zu Arbeits­lo­sen­ver­si­che­run­gen, zu bestimm­ten Erwerbs- und Berufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­run­gen, zu Kranken‑, Pfle­ge-, Unfall- und Haft­pflicht­ver­si­che­run­gen sowie bestimm­te Risi­ko­le­bens­ver­si­che­run­gen und vor dem Jahr 2005 abge­schlos­se­ne pri­va­te Ren­ten- und Lebens­ver­si­che­run­gen. Sol­che Bei­trä­ge kön­nen (vor­be­halt­lich der soge­nann­ten Güns­ti­ger­prü­fung gem. § 10 Abs. 4a EStG) jähr­lich mit ins­ge­samt höchs­tens 2.400 €, in bestimm­ten Fäl­len nur bis zu 1.500 € abge­zo­gen wer­den.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs hat der Gesetz­ge­ber bei die­ser Neu­re­ge­lung in sach­ge­rech­ter Wei­se danach dif­fe­ren­ziert, ob ein Steu­er­pflich­ti­ger die Auf­wen­dun­gen für sei­nen Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz in vol­lem Umfang allein tra­gen muss oder ob sich des­sen Arbeit­ge­ber hier­an durch Bei­trags­zah­lun­gen oder durch Bei­hil­fen im Krank­heits­fall betei­ligt.

Eine wei­ter­ge­hen­de steu­er­li­che Frei­stel­lung gebie­te auch nicht die Steu­er­frei­heit des Exis­tenz­mi­ni­mums. Nach dem Beschluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts 2 sei die unzu­rei­chen­de steu­er­li­che Berück­sich­ti­gung die­ser Auf­wen­dun­gen bis zum 31. Dezem­ber 2009 hin­zu­neh­men. Die Auf­wen­dun­gen für die übri­gen in § 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG genann­ten Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge berühr­ten nicht die Steu­er­frei­heit des Exis­tenz­mi­ni­mums. Dies gilt nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs auch für die zwangs­wei­se zu leis­ten­den Bei­trä­ge zur Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung, denn sie dien­ten nicht der Exis­tenz­si­che­rung, son­dern der Erlan­gung einer Lohn­er­satz­leis­tung.

Grund­frei­be­trag[↑]

Eben­falls hält der Bun­des­fi­nanz­hof den im Jahr 2005 im Fall der Zusam­men­ver­an­la­gung zu berück­sich­ti­gen­den Grund­frei­be­trags für ver­fas­sungs­ge­mäß.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts darf das Exis­tenz­mi­ni­mum nicht der Ein­kom­mens­be­steue­rung unter­wor­fen wer­den. Dies wird durch den Grund­frei­be­trag berück­sich­tigt. Mess­grö­ße hier­für ist das staat­lich garan­tier­te Sozi­al­hil­fe­ni­veau. Hier­zu legt die Bun­des­re­gie­rung alle zwei Jah­re einen Bericht über das Exis­tenz­mi­ni­mum vor. Das säch­li­che Exis­tenz­mi­ni­mum beträgt danach bei Ehe­gat­ten im Jahr 2005 12.240 €.

Nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist die­se Berech­nung nicht zu bean­stan­den. Dass der Grund­frei­be­trag für zusam­men zu ver­an­la­gen­de Ehe­gat­ten im Jahr 2005 den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen ent­spricht, erge­be sich auch dar­aus, dass der für Ehe­gat­ten im Jahr 2005 gel­ten­de Grund­frei­be­trag von 15.329 € erheb­lich höher sei als das von der Bun­des­re­gie­rung ermit­tel­te säch­li­che Exis­tenz­mi­ni­mum.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urtei­le vom 18. Novem­ber 2009 – X R 34/​07 und X R 6/​08;
Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 09. Dezem­ber 2009 – X R 28/​07

  1. BFH, Beschluss vom 01.02.2006 – X R 166/​05[]
  2. BVerfG, Beschluss vom 13.02.2008 – 2 BvL 1/​06, BVerfGE 120, 125[]