Betei­li­gungs­er­werb an einer grund­stücks­be­sit­zen­den Per­so­nen­ge­sell­schaft – und der anschlie­ßen­de Wohnunsverkauf

Erwirbt ein Steu­er­pflich­ti­ger eine Betei­li­gung an einer grund­stücks­be­sit­zen­den Per­so­nen­ge­sell­schaft und ver­äu­ßert die­se zwei Woh­nun­gen inner­halb der zehn­jäh­ri­gen Ver­äu­ße­rungs­frist nach Bei­tritt, ist über die Fra­ge, ob er den Ein­künf­t­e­tat­be­stand des § 22 Nr. 2 i.V.m. § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG ver­wirk­licht hat, nicht im Ver­fah­ren der geson­der­ten und ein­heit­li­chen Fest­stel­lung von Ein­künf­ten zu entscheiden.

Betei­li­gungs­er­werb an einer grund­stücks­be­sit­zen­den Per­so­nen­ge­sell­schaft – und der anschlie­ßen­de Wohnunsverkauf

Nach § 179 Abs. 1 AO wer­den die Besteue­rungs­grund­la­gen abwei­chend von § 157 Abs. 2 AO durch Fest­stel­lungs­be­scheid geson­dert fest­ge­stellt, soweit dies in die­sem Gesetz oder sonst in den Steu­er­ge­set­zen bestimmt ist.

Ein­künf­te, an denen i.S. von § 180 Abs. 1 Nr. 2 Buchst. a AO Meh­re­re betei­ligt sind, lie­gen ‑unter wei­te­ren Vor­aus­set­zun­gen- nur dann vor, wenn meh­re­re Per­so­nen „gemein­sam“ den Tat­be­stand der Ein­kunfts­er­zie­lung ver­wirk­li­chen [1]. Dar­an fehlt es im Streitfall.

Nach dem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs [2] ver­wirk­li­chen Gesell­schaf­ter einer Per­so­nen­ge­sell­schaft den Tat­be­stand des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG auch dann nicht gemein­sam, wenn sie einer grund­stücks­be­sit­zen­den Gesell­schaft bei­tre­ten (was nach Auf­fas­sung des Finanz­amts eine „Anschaf­fung“ im Sin­ne die­ser Bestim­mung ist) und die Gesell­schaft selbst inner­halb der Spe­ku­la­ti­ons­frist nach Bei­tritt ein Grund­stück ver­äu­ßert [3].

Nach die­sen Maß­stä­ben ist der Anteils­er­werb des Klä­gers an der grund­stücks­be­sit­zen­den Gesell­schaft ‑als der die „Anschaf­fung“ kon­sti­tu­ie­ren­de Teil­akt- nicht „in der Ein­heit der Gesell­schaft“, son­dern als indi­vi­du­el­le Anla­ge­ent­schei­dung aus­schließ­lich von dem ein­zel­nen Gesell­schaf­ter ver­wirk­licht wor­den [4]. Der im Jahr 2003 erfolg­te indi­vi­du­el­le Anteils­er­werb durch den Betei­lig­ten zu 2 ist davon unab­hän­gig getrennt zu beur­tei­len. Dem­entspre­chend ist ein etwai­ger Gewinn oder Ver­lust aus Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­ten (§ 23 Abs. 3 Satz 1 EStG) jeweils für den ein­zel­nen Betei­lig­ten anhand sei­ner indi­vi­du­el­len Anschaf­fungs­kos­ten zu ermitteln.

„In der Ein­heit der Per­so­nen­ge­sell­schaft“ sind ledig­lich die Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­te im Streit­jahr getä­tigt wor­den. Allein der Umstand, dass die Woh­nun­gen ver­äu­ßert wor­den sind, reicht aber für die Annah­me, dass „an den Ein­künf­ten meh­re­re Per­so­nen betei­ligt“ sind, nicht aus.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 21. Janu­ar 2014 – IX R 9/​13

  1. BFH, Urtei­le vom 11.07.1985 – IV R 61/​83, BFHE 144, 151, BStBl II 1985, 577; vom 13.07.1994 – X R 7/​91, BFH/​NV 1995, 303; Klein/​Ratschow, AO, 11. Aufl., § 180 Rz 7[]
  2. BFH, BFH/​NV 1995, 303[]
  3. vgl. auch BFH, Urteil vom 13.10.1993 – X R 49/​92, BFHE 172, 315, BStBl II 1994, 86[]
  4. vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 1995, 303[]