"Big Bro­ther" ist Arbeit

"Big Bro­ther" ist Arbeit. Zumin­dest aus Sicht des Finanz­ge­richts Köln. Denn das stuf­te jetzt das Preis­geld des Gewin­ners einer Big-Bro­ther-Staf­fel als ein­kom­men­steu­er­pflich­tig ein.

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Damit folg­ten die Köl­ner Finanz­rich­ter nicht der Auf­fas­sung des Klä­gers, wonach die Gewinn­sum­me als sog. Spiel­ge­winn wie ein Lot­te­rie­ge­winn steu­er­frei blei­ben müs­se. Das blo­ße "Sich-Fil­men-las­sen" an sich füh­re zwar noch nicht zu einer steu­er­ba­ren Leis­tung im Sin­ne des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes. Durch das Hin­zu­tre­ten der wei­te­ren Ver­pflich­tun­gen des Klä­gers zur Teil­nah­me am Ein­spiel­film, Foto­shoo­ting, Inter­views und Pres­se­ter­mi­nen, wer­de die Gren­ze der nicht steu­er­ba­ren "Spiel­tä­tig­keit" im Streit­fall aller­dings über­schrit­ten.

Im Ergeb­nis gleich – wenn auch mit ande­rer Begrün­dung – hat­te auch bereits vor zwei Jah­ren der Bun­des­fi­nanz­hofs ent­schie­den, der für das Preis­geld aus der Fern­seh­pro­duk­ti­on "Mein gro­ßer, dicker, pein­li­cher Ver­lob­ter" ent­schie­den hat, dass die­ses schon des­halb der Ein­kom­men­steu­er unter­lie­ge, weil es Gegen­stand eines ent­gelt­li­chen Ver­tra­ges sei und weder eine Ver­äu­ße­rung noch einen ver­äu­ße­rungs­ähn­li­chen Vor­gang betref­fe 1.

Nach § 22 Nr. 3 EStG sind sons­ti­ge Ein­künf­te (§ 2 Abs. 1 Nr. 7 EStG) Ein­künf­te aus Leis­tun­gen, soweit sie weder zu ande­ren Ein­kunfts­ar­ten noch zu den Ein­künf­ten i.S. der Num­mern 1, 1a, 2 oder 4 der Vor­schrift gehö­ren, z.B. Ein­künf­te aus gele­gent­li­chen Ver­mitt­lun­gen. Eine ein­kom­men­steu­er­pflich­ti­ge sons­ti­ge Leis­tung im Sin­ne des § 22 Nr. 3 EStG ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs jedes Tun, Dul­den oder Unter­las­sen, das weder eine Ver­äu­ße­rung noch einen ver­äu­ße­rungs­ähn­li­chen Vor­gang im pri­va­ten Bereich betrifft 2, Gegen­stand eines ent­gelt­li­chen Ver­tra­ges sein kann und eine Gegen­leis­tung aus­löst. Ent­schei­dend ist danach, ob die Gegen­leis­tung – das Ent­gelt – durch das Ver­hal­ten des Steu­er­pflich­ti­gen ver­an­lasst ist; dafür genügt schon die Annah­me einer für das Ver­hal­ten gewähr­ten Gegen­leis­tung 3.

Die Finanz­ver­wal­tung hat­te sich in der Fol­ge die­ser Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ange­schlos­sen und die Finanz­äm­ter ange­wie­sen, Preis­gel­der für die Teil­nah­me an einer Fern­seh­sen­dung dann als ein­kom­men­steu­er­pflich­tig zu behan­deln, wenn das Preis­geld und die Leis­tung des Kan­di­da­ten in einem Gegen­sei­tig­keits­ver­hält­nis ste­hen 4.

Finanz­ge­richt Köln, Urteil vom 29. Okto­ber 2009 – 15 K 2917/​06

  1. BFH, Urteil vom 28.11.2007 – IX R 39/​06[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 26.10.2004 – IX R 53/​02, BFHE 207, 305, BSt­Bl II 2005, 167, m.w.N.[]
  3. BFH, Urteil vom 21.90.2004 – IX R 13/​02, BFHE 207, 284, BSt­Bl II 2005, 44, m.w.N.[]
  4. BMF, Schrei­ben vom 30.05.2008 – IV C 3 – S 2257/​08/​10001, BSt­Bl I, 2008, 645[]