Die Abzugs­fä­hig­keit von Ver­si­che­rungs­bei­trä­gen

Risi­ko- und Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­run­gen sowie Unfall­ver­si­che­run­gen gehö­ren nicht zum sozi­al­hil­fe­recht­li­chen Exis­tenz­mi­ni­mum, denn die­se Ver­si­che­run­gen die­nen gera­de nicht der Siche­rung der blo­ßen Exis­tenz, son­dern pri­mär dem Schutz und dem Erhalt von Ver­mö­gen und Lebens­stan­dard.

Die Abzugs­fä­hig­keit von Ver­si­che­rungs­bei­trä­gen

So hat das Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Ehe­paa­res ent­schie­den und deren Kla­ge auf Berück­sich­ti­gung ihrer Bei­trä­ge zur Risi­ko- und Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­rung sowie zur Unfall­ver­si­che­rung beim Son­der­aus­ga­ben­ab­zug abge­wie­sen. Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge sind nur im Rah­men eines bestimm­ten Höchst­be­trags als Son­der­aus­ga­ben steu­er­lich abzugs­fä­hig. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts hielt in einer Ent­schei­dung vom Febru­ar 2008 den Son­der­aus­ga­ben­ab­zug von Bei­trä­gen zur Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung für nicht aus­rei­chend und ver­pflich­te­te den Gesetz­ge­ber, die­je­ni­gen Bei­trä­ge zum Abzug zuzu­las­sen, die dem Steu­er­pflich­ti­gen und sei­ner Fami­lie eine sozi­al­hil­fe­glei­che Kran­ken- und Pfle­ge­ver­sor­gung ermög­li­chen.

Die Klä­ger vor dem Finanz­ge­richt sind Ehe­gat­ten, deren gemein­sa­mer Höchst­be­trag zum Son­der­aus­ga­ben­ab­zug bereits durch die Bei­trä­ge zur gesetz­li­chen Kran­kenund Pfle­ge­ver­si­che­rung über­schrit­ten war. Das beklag­te Finanz­amt berück­sich­tig­te daher kei­ne Bei­trä­ge der Klä­ger zur Risi­ko- und Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­rung sowie zur Unfall­ver­si­che­rung. Mit ihrer Kla­ge vor dem Finanz­ge­richt begehr­ten die Klä­ger, auch die ande­ren Ver­si­che­rungs­bei­trä­ge in vol­lem Umfang zum Son­der­aus­ga­ben­ab­zug zuzu­las­sen.

Nach Auf­fas­sung des Finanz­ge­richts Baden-Würt­tem­berg sei­en Bei­trä­ge zur Risi­ko- und Kapi­tal­le­bens­ver­si­che­rung sowie zur Unfall­ver­si­che­rung nicht not­wen­dig, um die Min­dest­vor­aus­set­zun­gen eines men­schen­wür­di­gen Daseins für die Klä­ger zu schaf­fen. Zum Abschluss sol­cher Ver­si­che­run­gen besteht – im Unter­scheid zur Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung – kei­ne gesetz­li­che Ver­pflich­tung. Sie gehö­ren nicht zum sozi­al­hil­fe­recht­li­chen Exis­tenz­mi­ni­mum, denn die­se Ver­si­che­run­gen die­nen gera­de nicht der Siche­rung der blo­ßen Exis­tenz der Klä­ger, son­dern pri­mär dem Schutz und dem Erhalt von deren Ver­mö­gen und Lebens­stan­dard. Die abdeck­ten Risi­ken Alter, Inva­li­di­tät und Tod wer­den von den klas­si­schen Alters­vor­sor­ge­sys­te­men wie der gesetz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung, den berufs­stän­di­schen Ver­sor­gungs­ein­rich­tun­gen und der Beam­ten­ver­sor­gung typi­scher­wei­se abge­deckt.

Gegen die­ses Urteil ist Revi­si­on ein­ge­legt wor­den beim Bun­de­fi­nanz­hof (AZ: X R 5 /​13).

Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Gerichts­be­scheid vom 31. Janu­ar 2013 – 9 K 242/​12