Einkünfte durch Substanzausbeute

Einkünfte gemäß § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 6, § 21 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG erzielt, wer einem anderen zeitlich begrenzt unbewegliches Vermögen gegen Entgelt zum Gebrauch oder zur Nutzung überlässt. So hat der Bundesfinanzhof in ständiger Rechtsprechung1 und in Übereinstimmung mit der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs2 die zeitlich begrenzte Überlassung von Grundstücken zur Hebung der darin ruhenden Bodenschätze (sog. Ausbeuteverträge) grundsätzlich als Pachtverträge beurteilt und Einnahmen daraus zu den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung gezählt3.

Einkünfte durch Substanzausbeute

Nur in besonderen Ausnahmefällen können danach Ausbeuteverträge als Veräußerungsvorgänge angesehen werden, wenn es sich nämlich z.B. um einen zeitlich begrenzten Abbau und die Lieferung einer festbegrenzten Menge an Bodensubstanz handelt4. Ein solcher Ausnahmefall ist indes nicht gegeben, wenn der Vertrag wesentliche veräußerungs-atypische Elemente enthält5. Entscheidend kommt es steuerrechtlich daher darauf an, ob sich der zu beurteilende Sachverhalt als Überlassung zur Frucht“gewinnung“ und damit als Nutzung (s. § 21 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG: „z.B. … Mineralgewinnungsrecht“6) darstellt oder als Übertragung des überlassenen Gegenstands/Rechts und damit als (außerhalb des § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG nicht steuerbarer) Veräußerungsvorgang.

Ob und inwieweit bei Substanzausbeuteverträgen eine zeitlich begrenzte, unter § 21 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG fallende entgeltliche Nutzungsüberlassung eines Grundstücks/teils und/oder eine entgeltliche, aber nicht steuerbare Übertragung von Bodensubstanz gegeben ist, hat das Finanzgericht als Tatsacheninstanz zu beurteilen. Dabei ist maßgebend auf den wirtschaftlichen Gehalt der zugrundeliegenden Vereinbarung/en abzustellen, wie er sich nach dem Gesamtbild der gestalteten Verhältnisse des Einzelfalls unter Berücksichtigung des wirklichen Willens der Vertragsparteien ergibt7.

Bundesfinanzhof, Urteil vom 24. Oktober 2012 – IX R 6/12

  1. z.B. BFH, Urteile vom 24.11.1992 – IX R 30/88, BFHE 170, 71, BStBl II 1993, 296; vom 21.07.1993 – IX R 9/89, BFHE 172, 498, BStBl II 1994, 231, m.w.N.[]
  2. z.B. BGH, Urteile vom 07.02.1973 – VIII ZR 205/71, WM 1973, 386, MDR 1973, 386: Sandausbeute; vom 10.11.1999 – XII ZR 24/97, WM 2000, 545, MDR 2000, 202: Kiesausbeute, m.w.N.[]
  3. s.a. BFH, Beschluss vom 04.12.2006 – GrS 1/05, BFHE 216, 168, BStBl II 2007, 508, unter C.II.2.c dd; Urteil vom 21.06.2012 – IV R 54/09, BFHE 238, 194, BStBl II 2012, 692, unter II.1. b[]
  4. vgl. BFH, Urteile vom 12.12.1969 – VI R 197/67, BFHE 97, 542, BStBl II 1970, 210; in BFHE 172, 498, BStBl II 1994, 231, und in BFH/NV 2003, 1175, m.w.N.[]
  5. vgl. dazu BFH, Urteile in BFHE 97, 542, BStBl II 1970, 210; vom 27.06.1978 – VIII R 12/72, BFHE 125, 528, BStBl II 1979, 38; s.a. BFH, Urteil vom 26.05.1976 – I R 74/73, BFHE 119, 485, BStBl II 1976, 721[]
  6. dazu Weber-Grellet, Finanz-Rundschau 2007, 515, 516 f.[]
  7. einhellige Auffassung; BFH, Beschlüsse vom 28.09.2010 – IX B 65/10, BFH/NV 2011, 43; vom 03.01.2006 – IX B 162/04, BFH/NV 2006, 738, m.w.N. zur BFH-Rechtsprechung[]