Erstat­tung von Anwalts­ge­büh­ren durch die Fami­li­en­kas­se

Die Fra­ge, ob die Hin­zu­zie­hung eines Bevoll­mäch­tig­ten im Sin­ne des § 77 Abs. 2 EStG not­wen­dig war, ist aus der Sicht eines ver­stän­di­gen Bür­gers vom Wis­sens- und Erkennt­nis­stand des Rechts­be­helfs­füh­rers zu beur­tei­len 1. Bei der Ent­schei­dung hier­über sind die zu § 139 Abs. 3 Satz 3 FGO ent­wi­ckel­ten Kri­te­ri­en ent­spre­chend her­an­zu­zie­hen 2. Regel­mä­ßig sind dabei kei­ne all­zu stren­gen Maß­stä­be anzu­le­gen 3.

Erstat­tung von Anwalts­ge­büh­ren durch die Fami­li­en­kas­se

Ein ver­stän­di­ger Bür­ger wird aller­dings nicht einen Anwalt beauf­tra­gen, son­dern die erfor­der­li­chen Nach­wei­se selbst ein­rei­chen, wenn nicht ernst­lich anzu­neh­men ist, dass der Wech­sel im kin­der­geld­recht­li­chen Sta­tus des Kin­des kin­der­geld­schäd­lich gewe­sen sein könn­te 4. Die Not­wen­dig­keit einer Hin­zu­zie­hung ist zu ver­nei­nen, wenn alle erfor­der­li­chen Hin­wei­se von der Fami­li­en­kas­se in all­ge­mein ver­ständ­li­cher Form gege­ben wor­den sind und wenn danach die kin­der­geld­be­rech­tig­te Per­son die inter­es­sie­ren­den bzw. abge­frag­ten Daten und Unter­la­gen zumut­bar selbst (oder mit Hil­fe des erwach­se­nen Kin­des) hät­te ein­rei­chen kön­nen 5. Anders ver­hält es sich indes­sen, wenn die Fami­li­en­kass den Kin­der­geld­be­rech­tig­ten durch ihre Vor­ge­hens­wei­se in ver­fah­rens­recht­li­cher Hin­sicht mit erheb­li­chen Unsi­cher­hei­ten belas­tet und nicht klar erkenn­bar ist, ob die gefor­der­te Her­ein­ga­be von Unter­la­gen die recht­li­chen Belan­ge des Kin­der­geld­be­rech­tig­ten in vol­lem Umfang zu wah­ren ver­mag 6.

Es besteht mit­hin, so das Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, kei­ne Not­wen­dig­keit zur Hin­zu­zie­hung eines Bevoll­mäch­tig­ten für die Ein­rei­chung einer Stu­di­en­be­schei­ni­gung oder Mit­tei­lung der Fort­dau­er des Stu­di­ums.

Finanz­ge­richt Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 15. Febru­ar 2010 – 3 K 4247/​09

  1. vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2003, 25[]
  2. vgl. FG Mün­chen, Urteil vom 25.07.2007 – 4 K 29/​04, EFG 2007, 1704[]
  3. vgl. FG B‑W., Urteil vom 10.12.2007 – 3 K 181/​07, m.w.N.[]
  4. vgl. BFH, Urteil in BFH/​NV 2003, 25, zum Wech­sel der Aus­bil­dung[]
  5. vgl. FG Ham­burg, Urteil vom 20.04.2004 – III 465/​03, EFG 2004, 1621; FG Mün­chen, Urteil vom 28.09.2005 – 10 K 3486/​05; Sächs. FG, Urteil vom 15.07.2009 – 5 K 569/​08 (Kg) []
  6. FG B‑W., Urteil vom 29.04.23009 – 4 K 5505/​08, EFG 2009, 1337[]