Erstat­tungs­be­rech­tig­ter bei zusam­men zur Ein­kom­men­steu­er ver­an­lag­ten Ehe­leu­ten

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat die Fra­ge, auf wes­sen Rech­nung Zah­lun­gen eines der Ehe­gat­ten auf die gemein­sa­me Vor­aus­zah­lungs­schuld der zusam­men zur Ein­kom­men­steu­er ver­an­lag­ten Ehe­leu­te als bewirkt i.S. des § 37 Abs. 2 Satz 1 AO anzu­se­hen sind, bereits mehr­fach beant­wor­tet 1. Die­se Grund­sät­ze las­sen sich aller­dings nicht in glei­cher Wei­se auf durch das Finanz­amt von einem der Ehe­leu­te im Voll­stre­ckungs­weg bei­ge­trie­be­ne Vor­aus­zah­lun­gen anwen­den.

Erstat­tungs­be­rech­tig­ter bei zusam­men zur Ein­kom­men­steu­er ver­an­lag­ten Ehe­leu­ten

In all die­sen Ent­schei­dun­gen des Bun­des­fi­nanz­hofs ging es um von einem der zusam­men ver­an­lag­ten Ehe­leu­te auf die gemein­sa­me Vor­aus­zah­lungs­schuld geleis­te­te "Zah­lun­gen" und um die Fra­ge, ob und auf­grund wel­cher Umstän­de trotz einer von Sei­ten des Zah­len­den nicht aus­drück­lich erklär­ten bestimm­ten Til­gungs­ab­sicht des­sen Wil­le, nur auf die eige­ne Steu­er­schuld zu leis­ten, für das Finanz­amt im Zeit­punkt der Zah­lung erkenn­bar war. Was unter einer "Zah­lung" zu ver­ste­hen ist, ergibt sich aus § 47 AO, der inso­weit auf §§ 224, 224a und 225 AO ver­weist. Die Bei­trei­bung einer Steu­er­for­de­rung im Wege der Voll­stre­ckung in For­de­run­gen des Schuld­ners gemäß §§ 309 ff. AO ist kei­ne "Zah­lung" in die­sem Sin­ne.

Ein nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs gegen­über dem Finanz­amt aus­drück­lich zu äußern­der Til­gungs­wil­le des zah­len­den Ehe­gat­ten, nur auf die eige­ne Steu­er­schuld zu leis­ten, kann dar­über hin­aus bei vom Finanz­amt im Wege der Voll­stre­ckung gegen einen der Ehe­gat­ten bei­ge­trie­be­nen Steu­er­for­de­run­gen nicht gefor­dert wer­den, zumal der betref­fen­de Ehe­gat­te in einem sol­chen Fall die Steu­er­schuld gera­de nicht til­gen will, son­dern hier­zu durch Maß­nah­men der Voll­stre­ckung in ähn­li­cher Wei­se gezwun­gen wird, wie es bei einer zu sei­nen Las­ten vor­ge­nom­me­nen Abfüh­rung von Lohn­steu­er der Fall wäre, in wel­chem eine hälf­ti­ge Erstat­tung an die Ehe­leu­te eben­falls nicht in Betracht käme. Zudem nimmt das Finanz­amt als Voll­stre­ckungs­gläu­bi­ger in einem sol­chen Fall nur einen bestimm­ten Gesamt­schuld­ner und des­sen voll­streck­ba­res Ver­mö­gen zwangs­wei­se in Anspruch, so dass nicht die Rede davon sein kann, es betrei­be die Voll­stre­ckung zugleich "auf Rech­nung" des ande­ren Gesamt­schuld­ners.

Dass nach alle­dem die von einem Gesamt­schuld­ner im Voll­stre­ckungs­weg bei­ge­trie­be­ne Steu­er­for­de­rung nicht als eine auch auf Rech­nung des ande­ren Gesamt­schuld­ners bewirk­te Zah­lung ange­se­hen wer­den kann, ist klar und ein­deu­tig. Die Fra­ge, ob die stän­di­ge Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs zur Fra­ge der Zuord­nung von Zah­lun­gen bei feh­len­der Til­gungs­be­stim­mung gemäß § 37 Abs. 2 AO auch für Fäl­le gilt, in denen nicht die Steu­er­schuld­ner zah­len, son­dern Dritt­schuld­ner im Rah­men der Voll­stre­ckung, ist zu ver­nei­nen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 18. April 2013 – VII B 66/​12

  1. vgl. z.B. BFH, Urtei­le vom 30.09.2008 – VII R 18/​08, BFHE 222, 235, BSt­Bl II 2009, 38; vom 22.03.2011 – VII R 42/​10, BFHE 233, 10, BSt­Bl II 2011, 607, jeweils m.w.N.[]