Feri­en­woh­nun­gen – und die Ein­künf­te­er­zie­lungs­ab­sicht

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist bei einer Feri­en­woh­nung grund­sätz­lich und typi­sie­rend von der Absicht des Steu­er­pflich­ti­gen aus­zu­ge­hen, einen Ein­nah­men­über­schuss zu erwirt­schaf­ten, wenn sie aus­schließ­lich an Feri­en­gäs­te ver­mie­tet und in der übri­gen Zeit hier­für bereit­ge­hal­ten wird und das Ver­mie­ten die orts­üb­li­che Ver­mie­tungs­zeit von Feri­en­woh­nun­gen ‑abge­se­hen von Ver­mie­tungs­hin­der­nis­sen- nicht erheb­lich (d.h. um min­des­tens 25 %) unter­schrei­tet 1.

Feri­en­woh­nun­gen – und die Ein­künf­te­er­zie­lungs­ab­sicht

Lie­gen die genann­ten Vor­aus­set­zun­gen bei einer Feri­en­im­mo­bi­lie nicht vor, ist die Ver­mie­tung mit einer auf Dau­er aus­ge­rich­te­ten Ver­mie­tungs­tä­tig­keit nicht ver­gleich­bar; die Ein­künf­te­er­zie­lungs­ab­sicht muss dann durch eine Pro­gno­se über­prüft wer­den 2.

Auf der Grund­la­ge die­ser Recht­spre­chung ist die Fra­ge der Über­schuss­erzie­lungs­ab­sicht vom Finanz­ge­richt unter Berück­sich­ti­gung der Umstän­de des Ein­zel­fal­les zu beant­wor­ten. Hat das Finanz­ge­richt die maß­geb­li­chen Ein­zel­fall­um­stän­de in sei­ner Ent­schei­dung berück­sich­tigt, kommt der Ent­schei­dung kei­ne Bedeu­tung für die All­ge­mein­heit mehr zu. Dies gilt auch für die Fra­ge, ob die Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs zur Annah­me einer ertrag­steu­er­lich unbe­acht­li­chen Lieb­ha­be­rei bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar ist 3.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 5. Janu­ar 2016 – IX B 106/​15

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 24.08.2006 – IX R 15/​06, BFHE 215, 112, BSt­Bl II 2007, 256; vom 19.08.2008 – IX R 39/​07, BFHE 222, 478, BSt­Bl II 2009, 138[]
  2. s. die Recht­spre­chung zusam­men­fas­send: BFH, Beschluss vom 14.01.2010 – IX B 146/​09, BFH/​NV 2010, 869, m.w.N., sowie BFH, Urtei­le vom 16.04.2013 – IX R 22/​12, BFH/​NV 2013, 1552, und – IX R 26/​11, BFHE 241, 261, BSt­Bl II 2013, 613[]
  3. vgl. z.B. BVerfG, Beschlüs­se vom 28.10.1986 – 1 BvR 325/​86; und vom 18.11.1986 – 1 BvR 330/​86, HFR 1988, 34[]