Künst­li­che Befruch­tung als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung

Unter Abkehr von sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung hat der Bun­des­fi­nanz­hof jetzt die Auf­wen­dun­gen einer unver­hei­ra­te­ten Frau für künst­li­che Befruch­tun­gen mit dem Samen ihres Lebens­part­ners zum Abzug als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung nach § 33 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes zuge­las­sen.

Künst­li­che Befruch­tung als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung

Die seit zwölf Jah­ren in einer nicht­ehe­li­chen Part­ner­schaft leben­de Klä­ge­rin hat­te im Jahr 1999 fast 24 000 DM auf­ge­wen­det für Maß­nah­men zur Ste­ri­li­täts­be­hand­lung durch sog. In-vitro-Fer­ti­li­sa­ti­on – IVF – (Ver­ei­ni­gung einer Eizel­le mit einer Samen­zel­le außer­halb des Kör­pers) und anschlie­ßen­den Embryo­trans­fer – ET – (Ein­füh­rung des Embry­os in die Gebär­mut­ter). Die „Stän­di­ge Kom­mis­si­on In-vitro-Fer­ti­li­sa­ti­on und Embryo­trans­fer“ der zustän­di­gen Ärz­te­kam­mer hat­te eine Ste­ri­li­täts­be­hand­lung „mit­tels IVF/​ET“ befür­wor­tet. Die gesetz­li­che Kran­ken­kas­se über­nahm die Kos­ten nicht, da nach § 27a Abs. 1 Nr. 3 des Fünf­ten Sozi­al­ge­setz­bu­ches (SGB V) nur mit­ein­an­der ver­hei­ra­te­te Per­so­nen Anspruch auf Maß­nah­men zur Her­bei­füh­rung einer Schwan­ger­schaft haben. Die­se Beschrän­kung ist, wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt im Febru­ar ent­schie­den hat, ver­fas­sungs­ge­mäß. Einen Abzug der Auf­wen­dun­gen als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung lehn­te das Finanz­amt ab.

Der BFH hat­te bis­her Auf­wen­dun­gen einer nicht ver­hei­ra­te­ten, emp­fäng­nis­un­fä­hi­gen Frau für Ste­ri­li­täts­be­hand­lun­gen durch IVF auch dann nicht als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung berück­sich­tigt, wenn sie in einer fes­ten Part­ner­schaft leb­te. Davon ist der BFH jetzt abge­rückt. Zur Begrün­dung ver­wies er dar­auf, dass die Emp­fäng­nis­un­fä­hig­keit einer Frau unab­hän­gig von ihrem Fami­li­en­stand eine Krank­heit sei. Die Emp­fäng­nis­un­fä­hig­keit wer­de durch die künst­li­che Befruch­tung zwar nicht beho­ben, son­dern nur umgan­gen. Die steu­er­li­che Abzieh­bar­keit set­ze aber kei­ne Hei­lung vor­aus, son­dern las­se es genü­gen, wenn Auf­wen­dun­gen die Krank­heit erträg­li­cher mach­ten, wie dies z.B. bei Auf­wen­dun­gen für Zahn­ersatz, Bril­len, Pro­the­sen oder Roll­stüh­le aner­kannt sei. Auch die für ver­hei­ra­te­te Frau­en mög­li­cher­wei­se inten­si­ve­re Zwangs­la­ge oder Inter­es­sen des Kin­des­wohls, dem es am bes­ten ent­spre­che, wenn die Eltern mit­ein­an­der ver­hei­ra­tet sei­en, recht­fer­tig­ten es nicht, den steu­er­li­chen Abzug der Auf­wen­dun­gen zu ver­sa­gen. Die Auf­wen­dun­gen sei­en zu berück­sich­ti­gen, soweit die Maß­nah­men zur Ste­ri­li­täts­be­hand­lung in Über­ein­stim­mung mit den Richt­li­ni­en der ärzt­li­chen Berufs­ord­nun­gen vor­ge­nom­men wür­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 10.05.07 – III R 47/​05