Pfle­ge­stu­fe 0 als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung

Bewoh­ner eines Alten­wohn­heims kön­nen die vom Heim­trä­ger in Rech­nung gestell­ten Pfle­ge­sät­ze für die sog. Pfle­ge­stu­fe 0 bei der Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung abzie­hen. Dies hat der Bun­des­fi­nanz­hof in einem jetzt ver­öf­fent­lich­ten Urteil ent­schie­den.

Pfle­ge­stu­fe 0 als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung

Im Streit­fall zog die 1927 gebo­re­ne Klä­ge­rin in ein Alten- und Pfle­ge­heim. Die AOK wies ihren Antrag auf Leis­tun­gen für voll­sta­tio­nä­re Pfle­ge nach dem Elf­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch (SGB XI) ab, weil der Hil­fe­be­darf nicht min­des­tens andert­halb Stun­den täg­lich betra­gen habe. Die Vor­aus­set­zun­gen für eine Zuord­nung zur Pfle­ge­stu­fe I sei­en daher nicht gege­ben.

Im Jahr 1999 zahl­te die Klä­ge­rin an den Heim­trä­ger 14 981 DM für Unter­kunft und Ver­pfle­gung sowie 12 401 DM für Pfle­ge­leis­tun­gen. Der Betrag für die Pfle­ge­leis­tun­gen ent­sprach dem vom Heim­trä­ger mit dem Sozi­al­hil­fe­trä­ger ver­ein­bar­ten Pfle­ge­satz für die sog. Pfle­ge­stu­fe 0. Damit wur­den pfle­ge­ri­sche Leis­tun­gen mit einem Zeit­auf­wand unter 45 Minu­ten abge­gol­ten. Pfle­ge­sät­ze der Pfle­ge­stu­fe 0 haben Pfle­ge­be­dürf­ti­ge, die kei­nen Anspruch auf Sozi­al­hil­fe haben, selbst zu tra­gen. Erst ab Pfle­ge­stu­fe I über­nimmt die Pfle­ge­kas­se die Pfle­ge­kos­ten.

Das Finanz­amt ließ die Kos­ten für die Pfle­ge­leis­tun­gen bei der Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung der Klä­ge­rin nicht zum Abzug als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung zu. Auf­wen­dun­gen wegen Pfle­ge­be­dürf­tig­keit sei­en nur bei Per­so­nen zu berück­sich­ti­gen, die durch den medi­zi­ni­schen Dienst der Pfle­ge­kas­se min­des­tens der Pfle­ge­stu­fe I zuge­ord­net wor­den sei­en.

Der BFH führ­te aus, dass die Zuord­nung zu einer der Pfle­ge­stu­fen im Sin­ne der §§ 14, 15 SGB XI (Pfle­ge­stu­fen I bis III) nicht Vor­aus­set­zung für den Abzug von Pfle­ge­auf­wen­dun­gen als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung ist. Auch bei einem gerin­ge­ren Grad der Pfle­ge­be­dürf­tig­keit sind Pfle­ge­auf­wen­dun­gen abzieh­bar, wenn die Pfle­ge­be­dürf­tig­keit nach­ge­wie­sen und Pfle­ge­leis­tun­gen tat­säch­lich ange­fal­len sind. Wer­den einem Heim­be­woh­ner Pfle­ge­sät­ze in Rech­nung gestellt, die der Heim­trä­ger mit dem Sozi­al­hil­fe­trä­ger für einen Pfle­ge­be­darf unter­halb der Pfle­ge­stu­fe I (Pfle­ge­stu­fe 0) ver­ein­bart hat, ist davon aus­zu­ge­hen, dass der Heim­be­woh­ner pfle­ge­be­dürf­tig war und das Heim ent­spre­chend erfor­der­li­che Pfle­ge­leis­tun­gen erbracht hat. Denn der Pfle­ge­stu­fe 0 wer­den Per­so­nen zuge­ord­net, die auf Pfle­ge­leis­tun­gen ange­wie­sen sind, deren Pfle­ge­be­dürf­tig­keit aber (noch) nicht den in §§ 14, 15 SGB XI für die Zuord­nung zur Pfle­ge­stu­fe I fest­ge­leg­ten Umfang erreicht. Die geson­dert in Rech­nung gestell­ten Pfle­ge­auf­wen­dun­gen sind unab­hän­gig davon als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung abzieh­bar, ob der Steu­er­pflich­ti­ge wegen sei­ner Pfle­ge­be­dürf­tig­keit in das Heim umge­zo­gen oder erst nach dem Umzug pfle­ge­be­dürf­tig gewor­den ist.

Wer in einem Wohn- und Pfle­ge­heim unter­ge­bracht ist, kann die ihm geson­dert in Rech­nung gestell­ten Pfle­ge­sät­ze, die das Heim mit dem Sozi­al­hil­fe­trä­ger für pfle­ge­be­dürf­ti­ge Per­so­nen der sog. Pfle­ge­stu­fe 0 ver­ein­bart hat, als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung abzie­hen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 10. Mai 2007 – III R 39/​05