Pflicht­ver­an­la­gung bei der Steu­er­klas­sen­kom­bi­na­ti­on III/​V

Die im Ein­kom­men­steu­er­recht bei Ver­wen­dung der Steu­er­klas­sen­kom­bi­na­ti­on III/​V vor­ge­se­he­ne Pflicht zur Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung für Ehe­gat­ten ist ver­fas­sungs­ge­mäß, wie aktu­ell das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf urteil­te.

Pflicht­ver­an­la­gung bei der Steu­er­klas­sen­kom­bi­na­ti­on III/​V

In dem Streit­fall, der dem Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf zur Ent­schei­dung vor­lag, erziel­ten die ver­hei­ra­te­ten Klä­ger im Streit­jahr bei­de Ein­künf­te aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit. Die Ein­künf­te des Klä­gers unter­la­gen wäh­rend des Ver­an­la­gungs­zeit­raums dem Lohn­steu­er­ab­zug nach der Steu­er­klas­se III, die der Klä­ge­rin nach der Steu­er­klas­se V. Das beklag­te Finanz­amt folg­te bei der Ein­kom­men­steu­er­fest­set­zung den Anga­ben der Klä­ger in der Steu­er­erklä­rung. Gleich­wohl leg­ten die Klä­ger Ein­spruch ein und begehr­ten, den Ein­kom­men­steu­er­be­scheid auf­zu­he­ben. Zur Begrün­dung gaben sie an, es kom­me bekann­ter­ma­ßen bei der Steu­er­klas­sen­kom­bi­na­ti­on III/​V zu Steu­er­nach­zah­lun­gen, so auch bei ihnen. Die­se Nach­zah­lung wäre nicht ange­fal­len, wenn sie sich geset­zes­wid­rig ver­hal­ten hät­ten und kei­ne Steu­er­erklä­rung abge­ge­ben hät­ten. Die zutref­fen­de Besteue­rung hän­ge bei der Steu­er­klas­sen­kom­bi­na­ti­on III/​V in ers­ter Linie von der Mit­wir­kungs- und Erklä­rungs­be­reit­schaft der Steu­er­pflich­ti­gen ab. Tat­säch­lich dürf­ten eine gro­ße Anzahl Steu­er­pflich­ti­ger von der Mög­lich­keit der Nicht­ab­ga­be einer ent­spre­chen­den Steu­er­erklä­rung Gebrauch machen. Dies wer­de von Sei­ten der Ver­wal­tung nicht unter­bun­den, obwohl die Aus­ga­be der ent­spre­chen­den Steu­er­kar­ten bekannt sei.

Nach Ansicht des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf war die Steu­er­fest­set­zung nicht auf­grund eines etwai­gen Voll­zugs­de­fi­zits und einer dar­aus abzu­lei­ten­den Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Steu­er­fest­set­zung auf­zu­he­ben. Ob – wie die Klä­ger behaup­ten – eine gro­ße Anzahl Steu­er­pflich­ti­ger von der Mög­lich­keit der Nicht­ab­ga­be der Steu­er­erklä­rung Gebrauch macht, oder ob die Besteue­rung durch das ihr zur Ver­fü­gung ste­hen­de Kon­troll­ma­te­ri­al in aus­rei­chen­dem Maße sicher­ge­stellt wer­de, kön­ne für die Ent­schei­dung dahin­ste­hen. Abge­se­hen davon, dass der Senat kei­nen Anlass habe, anzu­neh­men, dass die­ses Maß der Nicht­er­klä­rung bereits „wesent­li­che“ Erhe­bungs­de­fi­zi­te bzw. „gra­vie­ren­de“ Erhe­bungs­män­gel i.S. der Rspr. des BVerfG zur Fol­ge hat, füh­re dies allein nicht zur Ver­fas­sungs­wid­rig­keit, denn die dar­über hin­aus gehen­den Erfor­der­nis­se, etwa dass die Finanz­ver­wal­tung einen sol­cher­ma­ßen gra­vie­ren­den Erhe­bungs­man­gel aus poli­ti­schen Grün­den in Kauf neh­me, erschei­ne dem Senat fern­lie­gend. Eine voll­stän­di­ge Aus­wer­tung des Kon­troll­ma­te­ri­als – wie sie offen­bar den Klä­gern vor­schwe­be – sei den Finanz­äm­tern weder mög­lich, noch sei sie aus Rechts­grün­den gebo­ten 1.

Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf, Urteil vom 17. März 2010 – 15 K 2978/​08 E

  1. vgl. Seer in Tipke/​Kruse, AO/​FGO, § 85 AO Rn. 21 ff., 24[]