Spen­den­ab­zug für "Schmier­gel­der"?

Nach § 10b Abs. 1 Satz 1 EStG sind Aus­ga­ben zur För­de­rung bestimm­ter als beson­ders för­de­rungs­wür­dig aner­kann­ter gemein­nüt­zi­ger Zwe­cke inner­halb einer gesetz­lich fest­ge­leg­ten Ober­gren­ze als Son­der­aus­ga­ben abzieh­bar. Die erkenn­ba­re Aus­rich­tung der För­de­rung auf einen die­ser steu­er­be­güns­tig­ten Zwe­cke ist das ent­schei­den­de Kri­te­ri­um für den Spen­den­ab­zug.

Spen­den­ab­zug für "Schmier­gel­der"?

Das ist auch der eigent­li­che Grund dafür, dass als Spen­den i.S. des § 10b Abs. 1 Satz 1 EStG nach herr­schen­der Mei­nung nur Auf­wen­dun­gen in Betracht kom­men, die der Steu­er­pflich­ti­ge unent­gelt­lich und frei­wil­lig geleis­tet hat 1.

Eine Spen­de muss ohne die Erwar­tung eines beson­de­ren Vor­teils gege­ben wer­den; die Spen­den­mo­ti­va­ti­on muss im Vor­der­grund ste­hen 2. Die Unent­gelt­lich­keit ist für die Spen­de und damit für den Spen­den­ab­zug kon­sti­tu­ti­ves Merk­mal. Die steu­er­li­che Ent­las­tung der Spen­de ist nur gerecht­fer­tigt, wenn sie weder pri­vat- noch grup­pen­nüt­zig, son­dern aus­schließ­lich fremd­nüt­zig, d.h. zur För­de­rung des Gemein­wohls ver­wen­det wird 3. Ein Spen­den­ab­zug ist daher nicht nur aus­ge­schlos­sen, wenn die Aus­ga­ben zur Erlan­gung einer Gegen­leis­tung des Emp­fän­gers erbracht wer­den, son­dern schon dann, wenn die Zuwen­dun­gen an den Emp­fän­ger unmit­tel­bar und ursäch­lich mit einem von die­sem oder einem Drit­ten gewähr­ten Vor­teil zusam­men­hän­gen, ohne dass der Vor­teil unmit­tel­bar wirt­schaft­li­cher Natur sein muss 4. Eine Auf­tei­lung der Zah­lung in ein ange­mes­se­nes Ent­gelt und eine den Nut­zen über­stei­gen­de "unent­gelt­li­che" Leis­tung schei­det bei einer ein­heit­li­chen Gegen­leis­tung aus 5; denn auch im Fal­le einer Teil­ent­gelt­lich­keit fehlt der Zuwen­dung ins­ge­samt die gefor­der­te Unei­gen­nüt­zig­keit.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 9. Dezem­ber 2014 – X R 4/​11

  1. BFH, Urteil vom 19.12 1990 – X R 40/​86, BFHE 163, 197, BSt­Bl II 1991, 234[]
  2. BFH, Urteil vom 25.11.1987 – I R 126/​85, BFHE 151, 544, BSt­Bl II 1988, 220[]
  3. BFH, Urteil vom 02.08.2006 – XI R 6/​03, BFHE 214, 378, BSt­Bl II 2007, 8, unter II. 1.a; Fischer, Gemein­nutz und Eigen­nutz am Bei­spiel der steu­er­li­chen Sport­för­de­rung, in: Fest­schrift für Offer­haus, S. 608; Gese­rich, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 10b Rz A 47 ff., B 110 ff.; Seer, Deut­sche Steu­er­ju­ris­ti­sche Gesell­schaft 26 [2003] S. 32[]
  4. BFH, Urteil in BFHE 163, 197, BSt­Bl II 1991, 234[]
  5. BFH, Urteil in BFHE 214, 378, BSt­Bl II 2007, 8, unter II. 1.a; Blümich/​Hofmeister, § 10b EStG Rz 18[]