Steu­er­freie Abge­ord­ne­ten­pau­scha­le nicht für jeder­mann

Im Anschluss an die münd­li­che Ver­hand­lung vom 11. Sep­tem­ber 2008 hat der Bun­des­fi­nanz­hof heu­te in den drei bei ihm anhän­gi­gen Ver­fah­ren, die die Über­tra­gung der steu­er­frei­en Abge­ord­ne­ten­pau­scha­len auf die Klä­ger jener Ver­fah­ren zum Gegen­stand hat­ten, die Revi­sio­nen der Klä­ger zurück­ge­wie­sen.

Steu­er­freie Abge­ord­ne­ten­pau­scha­le nicht für jeder­mann

Abge­ord­ne­te des Deut­schen Bun­des­ta­ges und des Land­tags von Baden-Würt­tem­berg erhal­ten gemäß § 12 Abs. 2 Satz 1 bzw. § 6 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 der jewei­li­gen Abge­ord­ne­ten­ge­set­ze im Rah­men ihrer Amts­aus­stat­tung eine Kos­ten­pau­scha­le zur Abgel­tung bestimm­ter man­dats­be­ding­ter Auf­wen­dun­gen, die als Auf­wands­ent­schä­di­gung nach § 3 Nr. 12 Satz 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes steu­er­frei ist.

In den Streit­fäl­len rüg­ten die Klä­ger, Arbeit­neh­mer aus unter­schied­li­chen Berufs­grup­pen (Geschäfts­füh­rer, Rechts­an­walt und Steu­er­be­ra­ter, Rich­ter am Finanz­ge­richt), die gleich­heits­wid­ri­ge Begüns­ti­gung Abge­ord­ne­ter durch die steu­er­freie Kos­ten­pau­scha­le. Bei ihrer Ver­an­la­gung begehr­ten sie, durch ent­spre­chen­den Ansatz eines pau­scha­len Wer­bungs­kos­ten­ab­zugs in die Begüns­ti­gung ein­be­zo­gen zu wer­den.

Der BFH bestä­tig­te die Ent­schei­dun­gen der Vor­in­stan­zen, wonach den Klä­gern die steu­er­freie Kos­ten­pau­scha­le nicht zuste­he, da sie nicht zu den Abge­ord­ne­ten gehör­ten. Von einer Vor­la­ge der steu­er­frei­en Kos­ten­pau­scha­le an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur Über­prü­fung ihrer Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit sah der BFH ab, da es hier­auf für die Beur­tei­lung der Recht­mä­ßig­keit der ange­foch­te­nen Steu­er­be­schei­de nicht ankam. Der BFH muss­te daher nicht dar­über ent­schei­den, ob und inwie­weit die steu­er­freie Kos­ten­pau­scha­le ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen genügt.

Die von den Klä­gern gerüg­te Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der steu­er­frei­en Kos­ten­pau­scha­le der Abge­ord­ne­ten war nach Auf­fas­sung des BFH in den Streit­fäl­len nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich, da der Gesetz­ge­ber sowohl aus recht­li­chen als auch aus offen­kun­dig tat­säch­li­chen Grün­den dar­an gehin­dert sei, bei einer etwai­gen Neu­re­ge­lung der steu­er­frei­en Kos­ten­pau­scha­le eine für die Klä­ger güns­ti­ge­re Rege­lung zu schaf­fen. Die Ein­be­zie­hung der Klä­ger in die steu­er­freie Kos­ten­pau­scha­le schei­te­re bereits dar­an, dass ande­re Berufs­grup­pen im Hin­blick auf den Zweck der Pau­scha­le, typi­sche man­dats­be­ding­te Auf­wen­dun­gen unter Berück­sich­ti­gung der Beson­der­hei­ten des ver­fas­sungs­recht­lich gere­gel­ten Abge­ord­ne­ten­sta­tus zu erstat­ten, nicht mit den Abge­ord­ne­ten ver­gleich­bar sei­en. Für den Fall, dass die Kos­ten­pau­scha­le nicht rea­li­täts­ge­recht aus­ge­stal­tet sei, kom­me deren Aus­wei­tung auf die Klä­ger erst recht nicht in Betracht, da der Gesetz­ge­ber die Pau­scha­le dann allen­falls auf die tat­säch­lich ent­stan­de­nen man­dats­be­ding­ten Auf­wen­dun­gen der Abge­ord­ne­ten beschrän­ken dür­fe.

Rügt ein Steu­er­pflich­ti­ger, der nicht zu den Abge­ord­ne­ten des Deut­schen Bun­des­ta­ges gehört, im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren eine gleich­heits­wid­ri­ge Begüns­ti­gung der Abge­ord­ne­ten auf­grund der die­sen gewähr­ten steu­er­frei­en Kos­ten­pau­scha­le, so kommt eine Vor­la­ge an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zur Über­prü­fung ihrer Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit man­gels Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit nicht in Betracht.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urtei­le vom 11. Sep­tem­ber 2008 – VI R 13/​06, VI R 63/​04 und VI R 81/​04