Streit­wert für die Kin­der­geld­kla­ge

Nach § 63 Abs. 2 Satz 2 GKG setzt in der Finanz­ge­richts­bar­keit das Pro­zess­ge­richt den Wert des Streit­ge­gen­stands durch Beschluss fest, wenn ein Betei­lig­ter oder die Staats­kas­se dies bean­tragt oder das Gericht sie für ange­mes­sen erach­tet. Das nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH erfor­der­li­che beson­de­re Rechts­schutz­be­dürf­nis 1 ergibt sich dar­aus, dass der III. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs sei­ne Recht­spre­chung ‑mit Zustim­mung des VI. Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs- bei der Bestim­mung des Streit­werts in Fäl­len vor­lie­gen­der Art geän­dert hat 2.

Streit­wert für die Kin­der­geld­kla­ge

Der Streit­wert ist für Ver­pflich­tungs­kla­gen gegen die Ableh­nung einer Kin­der­geld­fest­set­zung ‑in Abkehr von der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs- nach § 52 Abs. 3 i.V.m. § 47 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 3 GKG zu bestim­men.

Maß­geb­lich für die Streit­wert­ermitt­lung ist das durch den BFH nach § 52 Abs. 3 GKG zu bestim­men­de Klä­ger­inter­es­se.

Im Ver­fah­ren über die Beschwer­de gegen die Nicht­zu­las­sung des Rechts­mit­tels ist der Streit­wert der für das Rechts­mit­tel­ver­fah­ren maß­ge­ben­de Wert (§ 47 Abs. 3 GKG). Nach § 47 Abs. 1 Satz 1 GKG bestimmt sich der Streit­wert im Rechts­mit­tel­ver­fah­ren nach den Anträ­gen des Rechts­mit­tel­füh­rers. Fehlt es ‑wie hier- an Sach­an­trä­gen, weil das Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren allein dar­auf gerich­tet ist, die Zugangs­schran­ke (Nicht­zu­las­sung der Revi­si­on) zur Revi­si­ons­in­stanz zu besei­ti­gen 3, ist nach § 47 Abs. 1 Satz 2 GKG die Beschwer maß­ge­bend.

Die Beschwer des Rechts­mit­tel­füh­rers (hier des Klä­gers) ergibt sich regel­mä­ßig aus dem (gan­zen) Umfang des Unter­lie­gens in der Vor­in­stanz, d.h. aus einem Ver­gleich der dort gestell­ten Anträ­ge und der Ent­schei­dung des Finanz­ge­richt 4. Dem­nach ist bei unver­än­der­tem Streit­ge­gen­stand und vol­lem Unter­lie­gen des Klä­gers in der Vor­in­stanz der Streit­wert des Rechts­mit­tel­ver­fah­rens mit dem Streit­wert des ers­ten Rechts­zugs iden­tisch 5.

Der Streit­wert des ers­ten finanz­ge­richt­li­chen Rechts­zugs bestimmt sich nach § 52 Abs. 1 GKG. Danach ist, soweit nichts ande­res bestimmt ist, der Streit­wert nach der sich aus dem Antrag des Klä­gers für ihn erge­ben­den Bedeu­tung der Sache nach Ermes­sen zu bestim­men. Betrifft der Antrag des Klä­gers ‑wie im Streit­fall- eine bezif­fer­te Geld­leis­tung oder einen hier­auf gerich­te­ten Ver­wal­tungs­akt, ist deren Höhe maß­ge­bend (§ 52 Abs. 3 GKG); die­se Rege­lung geht § 52 Abs. 1 GKG vor 6.

Im Streit­fall betrifft der Antrag des Klä­gers in der Vor­in­stanz einen auf eine bezif­fer­te Geld­leis­tung gerich­te­ten Ver­wal­tungs­akt (§ 52 Abs. 3 GKG). Für den Streit­wert sind aus­schließ­lich die Kin­der­geld­an­sprü­che des Streit­zeit­raums maß­geb­lich.

Das Finanz­ge­richt kann den Anspruch auf Kin­der­geld grund­sätz­lich nur in dem zeit­li­chen Umfang in zuläs­si­ger Wei­se zum Gegen­stand einer Inhalts­kon­trol­le machen, in dem die Fami­li­en­kas­se den Kin­der­geld­an­spruch gere­gelt hat (zeit­li­cher Rege­lungs­um­fang). Dabei umfasst ein mit einer Ver­pflich­tungs­kla­ge ange­grif­fe­ner Ableh­nungs­be­scheid eine Rege­lung des Kin­der­geld­an­spruchs ab dem Monat der Ableh­nung bis längs­tens zum Ende des Monats der Bekannt­ga­be der Ein­spruchs­ent­schei­dung 7.

Die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung, wonach sich der Streit­wert in Kin­der­geld­an­ge­le­gen­hei­ten ‑wie bean­tragt- nach dem Jah­res­be­trag des Kin­der­gelds zuzüg­lich der Sum­me des im Streit befind­li­chen Kin­der­gelds bis zur Ein­rei­chung der Kla­ge rich­te 8, hat der III. Senat des Bun­des­fi­nanzhhofs ‑mit Zustim­mung des VI. Senats des BFH- durch Beschluss vom 02.10.2014 9 auf­ge­ge­ben.

Der V. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs schließt sich ‑im Hin­blick auf die zwi­schen­zeit­lich ein­ge­tre­te­nen Ände­run­gen in der Recht­spre­chung 10- der geän­der­ten Auf­fas­sung aus den im Beschluss des BFH vom 02.10.2014 9 genann­ten Grün­den an.

Für die Bestim­mung des Streit­werts ist die Höhe des Kin­der­gelds nach § 66 Abs. 1 Satz 1 EStG in der für den Streit­zeit­raum gel­ten­den Fas­sung maß­geb­lich.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 18. Novem­ber 2014 – V S 30/​14

  1. z.B. BFH, Beschluss vom 17.11.2011 – IV S 15/​10, BFHE 235, 122, BSt­Bl II 2012, 246, m.w.N.[]
  2. BFH, Beschluss vom 02.10.2014 – III – S 2/​14[]
  3. Gräber/​Ruban, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 116 Rz 3[]
  4. Bran­dis in Tipke/​Kruse, Abga­ben­ord­nung, Finanz­ge­richts­ord­nung, Vor § 135 FGO Rz 114; Gräber/​Ratschow, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., Vor § 135 Rz 103[]
  5. vgl. z.B. BFH, Beschluss vom 19.04.2012 – II E 3/​12, BFH/​NV 2012, 1167, unter Rz 8, m.w.N.[]
  6. BFH, Beschluss in BFH/​NV 2012, 1167, unter Rz 9 f.[]
  7. stän­di­ge Recht­spre­chung, z.B. BFH, Urteil vom 24.07.2013 – XI R 24/​12, BFH/​NV 2013, 1920, unter Rz 19, und BFH, Beschluss vom 12.11.2013 – VI B 94/​13, BFH/​NV 2014, 176, unter Rz 6 f., für Ableh­nungs­be­schei­de; BFH, Urteil vom 05.07.2012 – V R 58/​10, BFH/​NV 2012, 1953, unter Rz 14, für Auf­he­bungs­be­schei­de[]
  8. vgl. BFH, Beschlüs­se in BFHE 192, 19, BSt­Bl II 2000, 544; vom 14.12 2001 – VI B 285/​01, BFH/​NV 2002, 534; und vom 28.10.2011 – III S 25/​11, Zeit­schrift für Steu­ern und Recht 2011, R1274-R1275[]
  9. BFH, Beschluss vom 02.10.2014 – III S 2/​14[][]
  10. vgl. dazu BFH, Beschluss vom 02.10.2014 – III S 2/​14[]