Unter­halts­höchst­be­trag – und sei­ne Berech­nung bei gleich­ge­stell­ten Personen

Bei der Berech­nung des Unter­halts­höchst­be­trags nach § 33a Abs. 1 EStG sind kei­ne fik­ti­ven Ein­künf­te einer nach § 33a Abs. 1 Satz 3 EStG gesetz­lich Unter­halts­be­rech­tig­ten gleich­ge­stell­ten Per­son anzusetzen.

Unter­halts­höchst­be­trag – und sei­ne Berech­nung bei gleich­ge­stell­ten Personen

Erwach­sen dem Steu­er­pflich­ti­gen Auf­wen­dun­gen für den Unter­halt einer dem Steu­er­pflich­ti­gen oder sei­nem Ehe­gat­ten gegen­über gesetz­lich unter­halts­be­rech­tig­ten Per­son, so wird auf Antrag die Ein­kom­men­steu­er dadurch ermä­ßigt, dass die Auf­wen­dun­gen bis zu 7.680 € (im Jahr 2009) und bis zu 8.004 € (in den Jah­ren 2010 bis 2012) im Kalen­der­jahr vom Gesamt­be­trag der Ein­künf­te abge­zo­gen wer­den (§ 33a Abs. 1 Satz 1 EStG). Der Unter­halts­höchst­be­trag erhöht sich ab dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2010 gemäß § 33a Abs. 1 Satz 2 EStG i.d.F. des Bür­gEntlG KV um den Betrag der im jewei­li­gen Ver­an­la­gungs­zeit­raum nach § 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG für die Absi­che­rung der unter­halts­be­rech­tig­ten Per­son auf­ge­wand­ten Bei­trä­ge; dies gilt nicht für Kran­ken- und Pfle­ge­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge, die bereits (beim Unter­halts­ver­pflich­te­ten) nach § 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 EStG anzu­set­zen sind. Der gesetz­lich unter­halts­be­rech­tig­ten Per­son gleich­ge­stellt ist eine Per­son, wenn bei ihr zum Unter­halt bestimm­te inlän­di­sche öffent­li­che Mit­tel mit Rück­sicht auf die Unter­halts­leis­tun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen gekürzt wer­den (§ 33a Abs. 1 Satz 3 EStG i.d.F. des Bür­gEntlG KV, § 33a Abs. 1 Satz 2 EStG a.F.).

Davon ist aus­zu­ge­hen, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge mit einer erwerbs­fä­hi­gen leis­tungs­be­rech­tig­ten, d.h. hilfs­be­dürf­ti­gen (§§ 7 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3, 9 Abs. 1 SGB II) Per­son in einem gemein­sa­men Haus­halt so zusam­men­lebt, dass nach ver­stän­di­ger Wür­di­gung der wech­sel­sei­ti­ge Wil­le anzu­neh­men ist, Ver­ant­wor­tung für­ein­an­der zu tra­gen und für­ein­an­der ein­zu­ste­hen (§ 7 Abs. 3 Nr. 3 Buchst. c SGB II). Denn bei Per­so­nen, die in einer sol­chen Bedarfs­ge­mein­schaft leben, bestimmt sich die Hilfs­be­dürf­tig­keit des Leis­tungs­be­rech­tig­ten gemäß § 9 Abs. 2 Satz 1 SGB II auch nach dem Ein­kom­men und Ver­mö­gen des Part­ners. Dem liegt der Gedan­ke zugrun­de, dass inner­halb einer Bedarfs­ge­mein­schaft aus „einem Topf“ gewirt­schaf­tet wird [1], die hilfs­be­dürf­ti­ge Per­son mit­hin von den ande­ren Mit­glie­dern der Bedarfs­ge­mein­schaft Leis­tun­gen zum Lebens­un­ter­halt erhält [2]. Hat ein Mit­glied der Bedarfs­ge­mein­schaft ein Ein­kom­men, das den zur Deckung des eige­nen (sozi­al­recht­li­chen) Lebens­un­ter­halts­be­darfs benö­tig­ten Umfang über­steigt, wird der Über­schuss folg­lich auf den Bedarf des Leis­tungs­be­rech­tig­ten ange­rech­net und min­dert des­sen Ansprü­che nach dem SGB II.

Seit der Ände­rung der Vor­schrift durch das Steu­er­än­de­rungs­ge­setz 2001 [3] ‑Erset­zung des Wor­tes „soweit“ durch „wenn“- ist nicht erfor­der­lich, dass bean­trag­te Sozi­al­leis­tun­gen tat­säch­lich gekürzt oder abge­lehnt wur­den; es reicht aus, dass die unter­hal­te­ne Per­son wegen der Unter­halts­leis­tun­gen kei­nen Anspruch auf Sozi­al­leis­tun­gen hat [4].

Auf­grund des­sen kann beim Vor­lie­gen einer Bedarfs­ge­mein­schaft regel­mä­ßig davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass dem gleich­ge­stell­ten Unter­halts­emp­fän­ger i.S. des § 33a Abs. 1 Satz 3 EStG i.d.F. des Bür­gEntlG KV (§ 33a Abs. 1 Satz 2 EStG a.F.) zum Unter­halt bestimm­te inlän­di­sche öffent­li­che Mit­tel mit Rück­sicht auf die Unter­halts­leis­tun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen gekürzt wer­den [5]. Auf die Höhe der Kür­zung kommt es nicht an [6].

Wei­te­re Abzugs­vor­aus­set­zun­gen benennt § 33a Abs. 1 Satz 3 EStG i.d.F. des Bür­gEntlG KV (§ 33a Abs. 1 Satz 2 EStG a.F.) nicht. Der Wort­laut der Vor­schrift ist inso­weit ein­deu­tig. Aus Sys­te­ma­tik, Norm­zweck und Ent­ste­hungs­ge­schich­te ergibt sich nichts Abwei­chen­des. Viel­mehr nimmt das Gesetz die im Sozi­al­recht ange­leg­te ‑im Tat­be­stand der Bedarfs­ge­mein­schaft gere­gel­te- Ver­mu­tung, dass Lebens­part­ner ein­an­der bei Bedürf­tig­keit unter­hal­ten, auf [7] und stellt Unter­halts­leis­tun­gen an Per­so­nen, die wegen der Kürzung/​Versagung von Sozi­al­leis­tun­gen an Ein­kom­men und Ver­mö­gen des Lebens­part­ners teil­ha­ben, in der steu­er­li­chen Rechts­fol­ge Zuwen­dun­gen an gesetz­lich Unter­halts­be­rech­tig­te gleich. § 33a Abs. 1 Satz 3 EStG i.d.F. des Bür­gEntlG KV (§ 33a Abs. 1 Satz 2 EStG a.F.) unter­stellt für die­sen Fall eine der gesetz­li­chen Unter­halts­pflicht gleich­zu­set­zen­de kon­kre­te Bei­stands­ver­pflich­tung [8]. Damit soll zum einen der Ein­heit­lich­keit der Rechts­ord­nung Rech­nung getra­gen wer­den [9]. Zum ande­ren ent­fällt durch die Gleich­stel­lung bei­der Per­so­nen­krei­se die bis dahin auf­wän­di­ge Prü­fung, ob und in wel­cher Höhe der Steu­er­pflich­ti­ge gegen­über gesetz­lich nicht unter­halts­be­rech­tig­ten Per­so­nen aus sitt­li­chen Grün­den unter­halts­ver­pflich­tet ist [10].

Die Fra­ge, ob sich der gleich­ge­stell­te erwerbs­fä­hi­ge Unter­halts­emp­fän­ger einer zumut­ba­ren Erwerbs­tä­tig­keit ver­wei­gert und des­halb eine Kür­zung von Sozi­al­leis­tun­gen zu ver­ge­gen­wär­ti­gen hat, stellt sich folg­lich im Rah­men von § 33a Abs. 1 Satz 3 EStG i.d.F. des Bür­gEntlG KV (§ 33a Abs. 1 Satz 2 EStG a.F.) nicht. Denn auch in einem sol­chen Fall ver­weist ihn der Tat­be­stand der Bedarfs­ge­mein­schaft auf Ein­kom­men und Ver­mö­gen sei­nes Lebens­part­ners. Eine Anrech­nung fik­ti­ver Ein­künf­te kommt im Rah­men der sozi­al­recht­lich ange­leg­ten Zwangs­läu­fig­keit eben­falls nicht in Betracht [11]. Eine sol­che ist dem Sozi­al­recht ohne­hin fremd [12].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 9. März 2017 – VI R 16/​16

  1. z.B. BSG, Urteil vom 13.11.2008 – B 14 AS 2/​08 R, BSGE 102, 76[]
  2. Mecke, in Eicher, SGB II, 3. Aufl.2013, § 9 Rz 30; Scho­ch, in Mün­der, SGB II, 5. Aufl.2013, § 7 Rz 41; vgl. auch BFH, Urteil vom 19.06.2002 – III R 28/​99, BFHE 199, 355, BStBl II 2002, 753[]
  3. vom 20.12 2001, BStBl I 2002, 4[]
  4. BT-Drs. 14/​6877, 26; BFH, Urteil vom 29.05.2008 – III R 23/​07, BFHE 222, 250, BStBl II 2009, 363, m.w.N.; Blümich/​Heger K., § 33a EStG Rz 148; Mel­ling­hoff in Kirch­hof, EStG, 16. Aufl., § 33a Rz 13; Schmidt/​Loschelder, EStG, 36. Aufl., § 33a Rz 20[]
  5. BMF, Schrei­ben vom 07.06.2010 – IV C 4‑S 2285/07/0006:001, BStBl I 2010, 582, Tz 5; Blümich/​Heger K., § 33a EStG Rz 148; Pfirr­mann in HHR, § 33a EStG Rz 77[]
  6. BT-Drs. 14/​6877, 26[]
  7. BFH, Urtei­le vom 19.05.2004 – III R 11/​03, BFHE 206, 248, BStBl II 2004, 1051; in BFHE 222, 250, BStBl II 2009, 363, sowie BFH, Urteil vom 17.12 2009 – VI R 64/​08, BFHE 227, 491, BStBl II 2010, 343, m.w.N.[]
  8. BFH, Urteil vom 18.03.2004 – III R 50/​02, BFHE 205, 278, BStBl II 2004, 594[]
  9. BT-Drs. 13/​1686, 42; BFH, Urteil vom 23.10.2002 – III R 57/​99, BFHE 201, 31, BStBl II 2003, 187[]
  10. BT-Drs. 13/​1686, 42[]
  11. a.A. HHR/​Pfirrmann, § 33a EStG Rz 75, 77[]
  12. Thie, in Mün­der, SGB II, 5. Aufl.2013, § 9 Rz 11[]

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