Unter­halts­zah­lun­gen – und der Nach­weis der Bedürf­tig­keit des Unter­halts­emp­fän­gers

Erwach­sen einem Steu­er­pflich­ti­gen Auf­wen­dun­gen für den Unter­halt einer dem Steu­er­pflich­ti­gen oder sei­nem Ehe­gat­ten gegen­über gesetz­lich unter­halts­be­rech­tig­ten Per­son, so wird auf Antrag die Ein­kom­men­steu­er dadurch ermä­ßigt, dass die Auf­wen­dun­gen bis zu 8.004 EUR im Kalen­der­jahr vom Gesamt­be­trag der Ein­künf­te abge­zo­gen wer­den (§ 33a Abs. 1 Satz 1 EStG in der für das Streit­jahr 2010 gel­ten­den Fas­sung).

Unter­halts­zah­lun­gen – und der Nach­weis der Bedürf­tig­keit des Unter­halts­emp­fän­gers

Vor­aus­set­zung ist, dass weder der Steu­er­pflich­ti­ge noch eine ande­re Per­son Anspruch auf einen Frei­be­trag nach § 32 Abs. 6 EStG oder auf Kin­der­geld für die unter­hal­te­ne Per­son hat und die unter­hal­te­ne Per­son kein oder nur gerin­ges Ver­mö­gen besitzt (§ 33a Abs. 1 Satz 4 EStG in der für das Streit­jahr 2010 gel­ten­den Fas­sung).

Hat die unter­hal­te­ne Per­son ande­re Ein­künf­te und Bezü­ge i.S. des § 32 Abs. 4 Sät­ze 2 und 4 EStG, so ver­min­dert sich der Betrag von 8.004 EUR um den Betrag, um den die­se Ein­künf­te und Bezü­ge den Betrag von 624 EUR im Kalen­der­jahr über­stei­gen, sowie um die von der unter­hal­te­nen Per­son als Aus­bil­dungs­hil­fe aus öffent­li­chen Mit­teln oder von För­de­rungs­ein­rich­tun­gen, die hier­für öffent­li­che Mit­tel erhal­ten, bezo­ge­nen Zuschüs­se (§ 33a Abs. 1 Satz 5 EStG in der für das Streit­jahr 2010 gel­ten­den Fas­sung).

Die gesetz­li­che Unter­halts­be­rech­ti­gung i.S. des § 33a Abs. 1 Satz 1 EStG knüpft an die zivil­recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen des Unter­halts­an­spruchs an 1.

Die Bedürf­tig­keit des Unter­halts­emp­fän­gers i.S. des § 1602 BGB ist daher Vor­aus­set­zung für die Annah­me einer Unter­halts­be­rech­ti­gung i.S. des § 33a Abs. 1 Satz 1 EStG. Sie kann nicht im Wege einer typi­sie­ren­den Betrach­tungs­wei­se unter­stellt wer­den, son­dern ist kon­kret fest­zu­stel­len 2.

Bedürf­tig ist gemäß § 1602 BGB nur, wer außer­stan­de ist, sich selbst zu unter­hal­ten. Bei voll­jäh­ri­gen Per­so­nen ist dies nur dann der Fall, wenn die­se weder Ein­künf­te aus einer Erwerbs­tä­tig­keit erzie­len noch Ver­mö­gen haben. Mög­li­che Ein­künf­te aus einer unter­las­se­nen Erwerbs­tä­tig­keit ste­hen der Bedürf­tig­keit ent­ge­gen, falls eine Erwerbs­tä­tig­keit zumut­bar ist. Ins­be­son­de­re für voll­jäh­ri­ge Per­so­nen besteht eine gene­rel­le Erwerbs­ob­lie­gen­heit, es sei denn, die­ser kann auf­grund beson­de­rer Umstän­de, wie z.B. Krank­heit, Behin­de­rung oder Arbeits­lo­sig­keit, trotz ord­nungs­ge­mä­ßer Bemü­hun­gen um eine Beschäf­ti­gung nicht Fol­ge geleis­tet wer­den 3.

Daher ist eine Per­son im arbeits­fä­hi­gen Alter, die die zum Bestrei­ten des Lebens­un­ter­halts zur Ver­fü­gung ste­hen­den Quel­len, ins­be­son­de­re ihre Arbeits­kraft, nicht aus­schöpft, grund­sätz­lich nicht unter­stüt­zungs­be­dürf­tig 4.

Die­se Grund­sät­ze gel­ten auch für Unter­halts­leis­tun­gen an nicht in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land unbe­schränkt steu­er­pflich­ti­ge Per­so­nen, da nach § 33a Abs. 1 Satz 6 Halb­satz 2 EStG in der für das Streit­jahr 2010 gel­ten­den Fas­sung für die Fra­ge der gesetz­li­chen Unter­halts­pflicht inlän­di­sche Maß­stä­be her­an­zu­zie­hen sind.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 12. Juli 2017 – VI R 42/​15

  1. BFH, Urtei­le vom 05.05.2010 – VI R 29/​09, BFHE 230, 12, BSt­Bl II 2011, 116; vom 15.04.2015 – VI R 5/​14, BFHE 250, 350, BSt­Bl II 2016, 148[]
  2. BFH, Urtei­le vom 27.07.2011 – VI R 62/​10, BFH/​NV 2012, 170; in BFHE 250, 350, BSt­Bl II 2016, 148[]
  3. BFH, Urtei­le in BFHE 230, 12, BSt­Bl II 2011, 116; in BFHE 250, 350, BSt­Bl II 2016, 148[]
  4. BFH, Urtei­le in BFH/​NV 2012, 170; in BFHE 250, 350, BSt­Bl II 2016, 148[]