Wer­bungs­kos­ten für die eigen­ge­nutz­te Woh­nung

Die Kos­ten für die eigen­ge­nutz­te Woh­nung sind ein­kom­men­steu­er­lich grund­sätz­lich nicht abzugs­fä­hig.

Wer­bungs­kos­ten für die eigen­ge­nutz­te Woh­nung

Vom Ver­mie­ter auf­ge­wen­de­te Miet­auf­wen­dun­gen sind nicht als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung (§ 21 EStG) zu berück­sich­ti­gen.

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall war die Ehe­frau des Klä­gers Allein­ei­gen­tü­me­rin eines mit einem Wohn­haus bebau­ten Grund­stücks in A. Das Haus wies zwei Woh­nun­gen auf. In der Erd­ge­schoss­woh­nung ging der Klä­ger einer frei­be­ruf­li­chen Tätig­keit nach. Das Ober­ge­schoss wur­de von der Fami­lie des Klä­gers bewohnt. Nach dem Aus­zug der Kin­der und auf­grund des Ver­kehrs­lärms an der bis­he­ri­gen Woh­nung ent­schlos­sen sich der Klä­ger und sei­ne Ehe­frau "ins Grü­ne" umzu­zie­hen. Sie mie­te­ten des­halb ein Haus in B zu einer Kalt­mie­te von 3.000 DM (= 1.533, 88 €) monat­lich und zogen zum 1.12 1999 dort­hin um. Anschlie­ßend ver­mie­te­te die Klä­ge­rin ab dem 1.02.2002 sowohl das Erd­ge­schoss als auch das Ober­ge­schoss des Hau­ses in A. Im Streit­jahr 2004 erklär­te die Ehe­frau des Klä­gers bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung Ein­nah­men aus der Ver­mie­tung des Hau­ses in A in Höhe von rund 18.600 € (Mie­ten und Neben­kos­ten). Die Aus­ga­ben in Höhe von rund 24.600 € ent­hiel­ten u.a. eine Posi­ti­on "nega­ti­ve Eigen­mie­te" in Höhe von 9.000 €. Ins­ge­samt ergab sich hier­aus ein Ver­lust in Höhe von rund 6.000 €, der zunächst erklä­rungs­ge­mäß ver­an­lagt wur­de. Im Streit­jahr 2005 mach­te die Ehe­frau des Klä­gers eben­falls 9.000 € "nega­ti­ve Eigen­mie­te" als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus der Ver­mie­tung des Objek­tes gel­tend. Bei der Ver­an­la­gung 2005 ver­sag­te das Finanz­amt die Aner­ken­nung der Posi­ti­on "nega­ti­ve Eigen­mie­te". Gleich­zei­tig änder­te es die unter Vor­be­halt der Nach­prü­fung ste­hen­de Ver­an­la­gung für 2004 ent­spre­chend und ver­sag­te auch dort die Berück­sich­ti­gung der nega­ti­ven Eigen­mie­te. Zu Recht, wie nun der Bun­des­fi­nanz­hof befand:

Nach § 9 Abs. 1 Satz 1 EStG sind Wer­bungs­kos­ten Auf­wen­dun­gen zur Erwer­bung, Siche­rung und Erhal­tung von Ein­nah­men. Sie sind nach § 9 Abs. 1 Satz 2 EStG bei der Ein­kunfts­art Ver­mie­tung und Ver­pach­tung abzu­zie­hen, wenn sie durch sie ver­an­lasst sind. Eine der­ar­ti­ge Ver­an­las­sung liegt vor, wenn (objek­tiv) ein wirt­schaft­li­cher Zusam­men­hang mit der auf Ver­mie­tung und Ver­pach­tung gerich­te­ten Tätig­keit besteht und (sub­jek­tiv) die Auf­wen­dun­gen zur För­de­rung der Nut­zungs­über­las­sung gemacht wer­den 1.

Auf­wen­dun­gen für das pri­va­te Woh­nen gehö­ren hin­ge­gen seit dem Weg­fall der Nut­zungs­wert­be­steue­rung für die eigen­ge­nutz­te Woh­nung in § 21 Abs. 2 EStG a.F. mit Wir­kung vom Ver­an­la­gungs­zeit­raum 1987 grund­sätz­lich zu den nicht abzieh­ba­ren Kos­ten der Lebens­füh­rung. Unver­zicht­ba­re Auf­wen­dun­gen der Lebens­füh­rung sind durch Berück­sich­ti­gung des steu­er­li­chen Exis­tenz­mi­ni­mums im Rah­men des Grund­frei­be­trags nach § 32a Abs. 1 EStG pau­schal abge­gol­ten oder sind als Son­der­aus­ga­be oder außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung abzieh­bar 2. Sie sind damit nach § 12 Nr. 1 Satz 1 und 2 EStG vom Wer­bungs­kos­ten­ab­zug nach § 9 EStG grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen, es sei denn, der Gesetz­ge­ber hat einen Abzug für einen betrieb­li­chen oder beruf­li­chen Mehr­auf­wand zuge­las­sen, wie z.B. im Fall einer beruf­lich ver­an­lass­ten dop­pel­ten Haus­halts­füh­rung (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 EStG) 2. Es ist auch seit Abschaf­fung des § 10e EStG im Ein­kom­men­steu­er­ge­setz kei­ne Vor­schrift ersicht­lich, nach der die Auf­wen­dun­gen für das selbst­ge­nutz­te Ein­fa­mi­li­en­haus, das kein Bau­denk­mal i.S. des § 10f EStG ist und nicht in einem Sanie­rungs­ge­biet oder Ent­wick­lungs­be­reich liegt, oder den pri­va­ten Wohn­be­darf eines Steu­er­pflich­ti­gen steu­er­min­dernd zu berück­sich­ti­gen sind. Dies ist auf­grund der ein­deu­ti­gen gesetz­li­chen Rege­lun­gen zwi­schen Recht­spre­chung, Finanz­ver­wal­tung und Schrift­tum auch nicht wei­ter strei­tig 3.

Auf der Grund­la­ge von § 12 Nr. 1 EStG sowie der Ent­schei­dung des Gro­ßen Senats des Bun­des­fi­nanz­hofs 4 ist es daher abzu­leh­nen, die Miet­auf­wen­dun­gen ‑auch nur teil­wei­se- zum Wer­bungs­kos­ten­ab­zug zuzu­las­sen. Unab­hän­gig davon, dass nach den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt aus­lö­sen­des Moment für das Ent­ste­hen der Miet­auf­wen­dun­gen in ers­ter Linie die pri­va­te Ent­schei­dung zum Umzug und die Nut­zung der ange­mie­te­ten Woh­nung für eige­ne Wohn­zwe­cke ‑der Umzug "ins Grü­ne"- und nicht die Ver­mie­tung der zuvor genutz­ten Woh­nung war, hat das Finanz­ge­richt die Miet­auf­wen­dun­gen in der strei­ti­gen Höhe dem exis­ten­ti­el­len und unab­ding­ba­ren Wohn­be­darf und damit der steu­er­lich nicht abzieh­ba­ren pri­va­ten Lebens­füh­rung des Klä­gers und sei­ner Ehe­frau zuge­ord­net. Die Auf­wen­dun­gen hat es nach Maß­ga­be des sub­jek­ti­ven Net­to­prin­zips über die Steu­er­frei­stel­lung des Exis­tenz­mi­ni­mums und damit den steu­er­li­chen Grund­frei­be­trag (§ 32a Abs. 1 EStG) als abge­gol­ten behan­delt und damit einen ‑zusätz­li­chen- Abzug als Wer­bungs­kos­ten in der gel­tend gemach­ten Höhe nicht für erfor­der­lich gehal­ten.

Die steu­er­li­che Berück­sich­ti­gung der Kos­ten für die eigen­ge­nutz­te Woh­nung ist ‑wie vom Finanz­ge­richt zutref­fend aus­ge­führt- auch nicht von Ver­fas­sung wegen gebo­ten, wenn wegen der Ver­mie­tung der eige­nen Woh­nung eine ande­re Woh­nung ange­mie­tet wird. Kos­ten der Haus­halts­füh­rung zäh­len grund­sätz­lich zu den Aus­ga­ben für die all­ge­mei­ne Lebens­füh­rung des Steu­er­pflich­ti­gen und sei­ner Fami­lie. Die­se wer­den von dem über Art. 1 Abs. 1 i.V.m. Art.20 Abs. 1 GG, Art. 3 Abs. 1 GG und Art. 6 Abs. 1 GG gewähr­leis­te­ten sub­jek­ti­ven Net­to­prin­zip erfasst und sind steu­er­lich über den Grund­frei­be­trag abge­gol­ten 5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 11. Febru­ar 2014 – IX R 24/​13

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, vgl. u.a. BFH, Urteil vom 11.12 2012 – IX R 28/​12, BFH/​NV 2013, 914, unter II. 2.a, m.w.N.[]
  2. vgl. BFH, Beschluss in BFHE 227, 1, BSt­Bl II 2010, 672, unter C.III. 4.a[][]
  3. vgl. u.a. FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 02.12 2009 – 7 K 978/​07 E; bestä­tigt durch BFH, Beschluss vom 17.03.2010 – X B 10/​10, BFH/​NV 2012, 953; und durch BVerfG, Nicht­an­nah­me­be­schluss vom 13.04.2012 – 2 BvR 642/​12; FG Düs­sel­dorf, Urteil vom 04.06.2013 10 K 734/​11 E, EFG 2013, 1023, unter 2.; BMF, Schrei­ben vom 06.07.2010, BSt­Bl I 2010, 614, Rz 4; Berg­kem­per in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 9 EStG Rz 750, Stich­wort "Woh­nung"; Fis­se­ne­wert in Herrmann/​Heuer/​Raupach, § 12 EStG Rz 34; Schmidt/​Loschelder, EStG, 32. Aufl., § 12 Rz 13 und Rz 25, Stich­wort "Woh­nungs­kos­ten"; Blümich/​Thürmer, § 12 EStG Rz 130, Stich­wort "Woh­nung"; Arndt, in: Kirchhof/​Söhn/​Mellinghoff, EStG, § 12 Rz B 150, Stich­wort "Woh­nung"[]
  4. BFH, Beschluss in BFHE 227, 1, BSt­Bl II 2010, 672[]
  5. vgl. u.a. BVerfG, Beschluss vom 13.02.2008 – 2 BvL 1/​06, BVerfGE 120, 125, unter D.II. 1., m.w.N.; BFH, Beschluss in BFHE 227, 1, BSt­Bl II 2010, 672, unter C.III. 4.a[]