Getrennt­le­ben – und die Til­gungs­be­stim­mung bei der Ein­kom­men­steu­er­vor­aus­zah­lung

Eine ein­mal getrof­fe­ne Til­gungs­be­stim­mung kann nicht rück­wir­kend geän­dert wer­den.

Getrennt­le­ben – und die Til­gungs­be­stim­mung bei der Ein­kom­men­steu­er­vor­aus­zah­lung

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs ist nach § 36 Abs. 2 Nr. 1 EStG der­je­ni­ge anrech­nungs­be­rech­tigt, auf des­sen Rech­nung, nicht aber der­je­ni­ge, auf des­sen Kos­ten gezahlt wor­den ist. Es kommt also nicht dar­auf an, von wem und mit wes­sen Mit­teln gezahlt wor­den ist, son­dern nur dar­auf, wes­sen Steu­er­schuld nach dem Wil­len des Zah­len­den, wie er im Zeit­punkt der Zah­lung dem Finanz­amt erkenn­bar ist, getilgt wer­den soll­te 1.

Ist bei der Zah­lung eines Gesamt­schuld­ners kein abwei­chen­der Til­gungs­wil­le erkenn­bar, ist i.d.R. anzu­neh­men, dass der Gesamt­schuld­ner nur sei­ne eige­ne Steu­er­schuld til­gen woll­te. Etwas ande­res gilt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs bei der Zah­lung eines Ehe­gat­ten auf die Gesamt­schuld der Ehe­part­ner. Solan­ge die Ehe besteht und die Ehe­leu­te nicht dau­ernd getrennt leben (§ 26 Abs. 1 EStG), ist hier auf­grund der zwi­schen Ehe­part­nern bestehen­den Lebens- und Wirt­schafts­ge­mein­schaft im All­ge­mei­nen davon aus­zu­ge­hen, dass der­je­ni­ge Ehe­gat­te, der auf die gemein­sa­me Steu­er­schuld zahlt, mit sei­ner Zah­lung auch die Steu­er­schuld des ande­ren mit ihm zusam­men ver­an­lag­ten Ehe­gat­ten beglei­chen will. Dabei kommt es allein dar­auf an, wie sich dem Finanz­amt als Zah­lungs­emp­fän­ger die Umstän­de zum Zeit­punkt der Zah­lung dar­stell­ten 2.

Nach die­sen Grund­sät­zen, an denen der Bun­des­fi­nanz­hof fest­hält 3, kön­nen auch bei getrennt leben­den Ehe­gat­ten dem zah­len­den Ehe­gat­ten die Vor­aus­zah­lun­gen zur Ein­kom­men­steu­er und zum Soli­da­ri­täts­zu­schlag für das Jahr 2008 nur zur Hälf­te ange­rech­net wer­den kön­nen.

Im vor­lie­gen­den Fall leb­ten die Ehe­leu­te zwar zum mäß­geb­li­chen Zeit­punkt der Zah­lung der Vor­aus­zah­lun­gen durch den Ehe­mann bereits getrennt. Jedoch gab es für das Finanz­amt kei­ne Ver­an­las­sung, eine abwei­chen­de Til­gungs­be­stim­mung anzu­neh­men. Solch ein abwei­chen­der Til­gungs­wil­le lässt sich ins­be­son­de­re nicht dem Schrei­ben des Klä­gers an das Finanz­amt vom 08.04.2010 ent­neh­men. Da eine ein­mal getrof­fe­ne Til­gungs­be­stim­mung nicht rück­wir­kend geän­dert wer­den kann, kann es näm­lich nur auf den für das Finanz­amt erkenn­ba­ren Til­gungs­wil­len zum Zeit­punkt der Zah­lung ankom­men 4. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klä­gers beschränkt sich die Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs zur Til­gungs­be­stim­mung bei Vor­aus­zah­lun­gen von Ehe­gat­ten auch nicht auf Fäl­le, bei denen zunächst die Zusam­men­ver­an­la­gung bean­tragt wird.

Das BFH-Urteil in BFHE 233, 10, BSt­Bl II 2011, 607 führt im Streit­fall eben­falls zu kei­nem ande­ren Ergeb­nis. Zwar hat der Bun­des­fi­nanz­hof in die­sem Urteil offen gelas­sen, wie Vor­aus­zah­lun­gen auf­zu­tei­len sind, wenn sie ‑wie im Streit­fall- nicht zur Til­gung der Steu­er­schul­den aus­rei­chen. Da sich die­se Bun­des­fi­nanz­hofs­recht­spre­chung aus­drück­lich auf die gesetz­li­che Zweck­be­stim­mung der Vor­aus­zah­lun­gen (Siche­rung eines ste­ti­gen Steu­er­auf­kom­mens) stützt, besteht in solch einem Fall aber kei­ne Ver­an­las­sung, von einer gleich­mä­ßi­gen Auf­tei­lung nach Köp­fen abzu­wei­chen. Nur soweit die­se Auf­tei­lung zu einem Erstat­tungs­an­spruch eines Ehe­gat­ten führt, wäh­rend der ande­re Ehe­gat­te eine Abschluss­zah­lung zu leis­ten hät­te, sind die Vor­aus­zah­lun­gen abwei­chend von der bei Ehe­gat­ten übli­chen Auf­tei­lung nach Köp­fen die­sem ande­ren Ehe­gat­ten zuzu­rech­nen 5.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 13. Mai 2015 – VII R 41/​14

  1. BFH, Urteil vom 26.06.2007 – VII R 35/​06, BFHE 218, 10, BSt­Bl II 2007, 742, m.w.N.[]
  2. BFH, Urteil vom 22.03.2011 – VII R 42/​10, BFHE 233, 10, BSt­Bl II 2011, 607, m.w.N.[]
  3. zur Kri­tik vgl. z.B. Koenig, Abga­ben­ord­nung, 3. Aufl.2014, § 37 Rz 34[]
  4. BFH, Beschluss vom 04.11.2003 – VII B 382/​02, BFH/​NV 2004, 314; BFH, Urteil in BFHE 218, 10, BSt­Bl II 2007, 742[]
  5. BMF, Schrei­ben vom 14.01.2015 – IV A 3 – S 0160/​11/​10001, BSt­Bl I 2015, 83[]