Ange­mes­sen­heit der Bezü­ge eines Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rers

Nach § 8 Abs. 3 Satz 2 KStG darf eine ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung das steu­er­lich zu erfas­sen­de Ein­kom­men einer Kör­per­schaft nicht min­dern. Ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tung (vGA) in die­sem Sin­ne sind nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs Ver­mö­gens­min­de­run­gen und ver­hin­der­te Ver­mö­gens­meh­run­gen, die nicht auf einer offe­nen Gewinn­aus­schüt­tung beru­hen, sich auf den Unter­schieds­be­trag i.S. des § 4 Abs. 1 Satz 1 EStG aus­wir­ken und durch das Gesell­schafts­ver­hält­nis ver­an­lasst sind 1. Dazu gehö­ren ins­be­son­de­re einem Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rer gezahl­te Ver­gü­tun­gen, die ein ordent­li­cher und gewis­sen­haf­ter Geschäfts­lei­ter (§ 43 Abs. 1 GmbHG) einem gesell­schafts­frem­den Geschäfts­füh­rer unter ansons­ten ver­gleich­ba­ren Ver­hält­nis­sen nicht gewährt hät­te 2.

Ange­mes­sen­heit der Bezü­ge eines Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rers

Für die Bemes­sung der ange­mes­se­nen Bezü­ge eines Gesell­schaf­ter-Geschäfts­füh­rers gibt es kei­ne fes­ten Regeln. Der ange­mes­se­ne Betrag ist viel­mehr im Ein­zel­fall durch Schät­zung zu ermit­teln. Bei die­ser Schät­zung ist zu berück­sich­ti­gen, dass häu­fig nicht nur ein bestimm­tes Gehalt als ange­mes­sen ange­se­hen wer­den kann, son­dern der Bereich des Ange­mes­se­nen sich auf eine gewis­se Band­brei­te von Beträ­gen erstreckt. Unan­ge­mes­sen im Sin­ne einer vGA sind dann nur die Bezü­ge, die den obe­ren Rand die­ser Band­brei­te über­stei­gen 3. Wo im kon­kre­ten Ein­zel­fall die hier­nach zu bestim­men­de (Ober-)Grenze zwi­schen (noch) ange­mes­se­nen und (schon) unan­ge­mes­se­nen Gesamt­be­zü­gen ver­läuft, ist eine Fra­ge, deren Beant­wor­tung dem Finanz­ge­richt vor­be­hal­ten ist (§ 96 Abs. 1 Satz 1 FGO). Dabei zählt es zum Bereich der vom Finanz­ge­richt zu tref­fen­den Sach­ver­halts­fest­stel­lun­gen, wel­chen Kri­te­ri­en der Vor­rang zur Beur­tei­lung der Ange­mes­sen­heit der Geschäfts­füh­rer­ver­gü­tung im Ein­zel­fall bei­zu­mes­sen ist. Vor­aus­ge­setzt, die Erkennt­nis­se des FG sind nicht ver­fah­rens­feh­ler­haft zustan­de gekom­men und ver­sto­ßen nicht gegen Denk­ge­set­ze oder gegen all­ge­mei­ne Erfah­rungs­sät­ze, ist das Revi­si­ons­ge­richt hier­an gebun­den (vgl. § 118 Abs. 2 FGO). Das gilt unab­hän­gig davon, ob sich aus den vor­han­de­nen Schät­zungs­grund­la­gen glei­cher­ma­ßen ande­re Beträ­ge hät­ten ablei­ten las­sen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 17. Febru­ar 2010 – I R 79/​08

  1. z.B. BFH, Urtei­le vom 19.01.2000 – I R 24/​99, BFHE 191, 107, BSt­Bl II 2000, 545; vom 15.03.2000 – I R 40/​99, BFHE 191, 330, BSt­Bl II 2000, 504; und vom 09.08.2000 – I R 12/​99, BFHE 193, 274, BSt­Bl II 2001, 140[]
  2. BFH, Urteil vom 27.03.2001 I R 27/​99, BFHE 195, 228, BSt­Bl II 2002, 111[]
  3. vgl. BFH, Urtei­le vom 27.02.2003 – I R 46/​01, BFHE 202, 241, BSt­Bl II 2004, 132; und I R 80, 81/​01, BFH/​NV 2003, 1346; vom 04.06.2003 – I R 24/​02, BFHE 202, 494, BSt­Bl II 2004, 136; und I R 38/​02, BFHE 202, 500, BSt­Bl II 2004, 139; sowie vom 26.05.2004 – I R 92/​03, BFH/​NV 2005, 77, jeweils m.w.N.[]